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  • 07.06.2013, 09:13 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Zukunftsbranche

Großes Potenzial bei haushaltsnahen Dienstleistungen

Am gestrigen Donnerstag trafen sich in der IHK über 70 Unternehmerinnen und Unternehmer der Branche. Von Hausmeisterservice bis Demenzbetreuung, von Putzen bis Rasenmähen, von Küche bis Kinderzimmer reicht die Bandbreite.

Es ist eine „echte Zukunftsbranche“ mit „über den Daumen mindestens 10.000 Mitarbeitern im Kammerbezirk“, schätzt Dr. Christoph Asmacher. „Legal beschäftigte Mitarbeiter“, schiebt der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen nach. Damit hat er neben den Chancen gleich zwei Probleme der Branche angesprochen: Sie steht in härtester Konkurrenz (zur Definition Konkurrenz) zur Schwarzarbeit. Und sie ist – zweitens – schwer zu fassen. Die Rede ist von den haushaltsnahen Dienstleistungen.

„Alles, was sie eigentlich selber machen könnten, aber nicht wollen oder wegen Alter und Krankheit gerade nicht können“, bringt Mechthild Konerding es auf den Punkt. „Konerding, Zauberfrau“, stellt sie sich vor. Die Münsteranerin ist Gründerin der „Zauberfrau GmbH“ und Vize-Vorsitzende des Bundesverbandes Allianz Haushaltsnahe Dienstleistungen. Insgesamt 300 Mitarbeiterinnen – nur zwei Männer stehen auf der Gehaltsliste – beschäftigen „Zauberfrau“ und die Franchisenehmer. Viele Alleinerziehende, die einen sozialversicherungspflichtigen Job brauchten, seien darunter, Vollzeitkräfte, aber auch Minijobberinnen.

Schwarzarbeit ist die größte Konkurrenz

„Die illegale Beschäftigung drückt massiv auf den Preis“, sagt Konerding. Das ist es nicht allein: Es gibt auch einen Wettbewerb um die Arbeitskräfte. „Personal suchen, Personal schulen, Personal halten – das ist meine Hauptarbeit“, berichtet die „Zauberfrau“. Die Devise „Cash auf Kralle“ scheint für viele zu verlockend zu sein, wenn es um Jobs im Haus geht. Dabei sind die Risiken groß: „Cash auf Kralle“ lässt sich auch übersetzen mit: „kein Versicherungsschutz“, „Steuerhinterziehung“ oder „Betrug an den Sozialkassen“.

„Unsere Branche ist eine der wenigen, in denen es Wartelisten für die Kunden gibt“, sagt Konerding. Ein Blick auf den demografischen Wandel zeigt das Potenzial. Wer den Satz „ambulant vor stationär“ verwirklichen wolle, brauche „qualifizierte hauswirtschaftliche Dienstleister“, betont Wilma Losemann, die in Billerbeck einen Haushaltsservice betreibt. Und ist Erwerbstätigkeit durch zuverlässige Hilfe daheim leichter mit der Familie vereinbar, können beide Eltern arbeiten – das sichert der Wirtschaft Fachkräfte. Asmacher: „Einige Zukunftsforscher sagen: Die Menschen werden ihren Alltag outsourcen.“

Noch aber gibt es viele Probleme für die Branche – begonnen damit, dass sie gar nicht als solche klassifiziert ist. „NACE-Schlüssel“, nennen Fachleute eine solche Klassifizierung. Wer bei der Unternehmensgründung die falsche Branche ankreuzt, kann sein blaues Wunder erleben. „Dann zahlen sie beispielsweise viermal so viel Beiträge für die Berufsgenossenschaft“, sagt Konerding und fordert einen „eigenen NACE-Schlüssel für haushaltsnahe Dienstleistungen.“

Der Staat zahlt mit

Private Kunden können ihre Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen. Damit verbilligt sich deren Inanspruchnahme um 20 Prozent. Insgesamt können Aufwendungen bis zu 20.000 Euro im Jahr geltend gemacht werden. Der Höchstbetrag der Steuerermäßigung liegt also bei 4000 Euro. Bei einem zu zahlenden Stundenlohn von 20 Euro übernimmt der Staat damit praktisch vier Euro .

(Martin Ellerich)


 


 

Dr. Christoph Asmacher
Mechthild Konerding
Wilma Losemann
Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen
Zauberfrau GmbH
Dienstleister
Konerding
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Haushaltsnahe Dienstleistungen

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