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Wirtschaftskrise/Finanzkrise

Niedersachsen weniger stark betroffen als andere Bundesländer

Laut Niedersachsen-Monitor 2009 hat die Wirtschafts- und Finanzkrise Niedersachsen weniger getroffen als viele andere Bundesländer. Themen aus dem Niedersachsen-Monitor bilden u.a. Umwelt, demografischer Wandel, Wirtschaft, Existenzgründungen und Finanzen.

Die aus 2009 vorliegenden Eckdaten geben bisher das folgende Bild:

  • Die gesamte Wirtschaftsleistung ging nach ersten vorläufigen Berechnungen in Folge der Krise preisbereinigt um -6,3 % zurück. Dieser Rückgang war noch vergleichsweise moderat verglichen mit dem bundesweiten Minus von 6,8 %.
  • Die Arbeitslosenquote im Juni stieg von 2008 auf 2009 um 0,3 Prozentpunkte auf 7,7 %. Das war immer noch deutlich weniger als die 9,1 % des Jahres 2004. Der Anstieg im Jahresvergleich verlief moderater als im nationalen Durchschnitt.
  • Die Zahl der Empfänger von SGB II-Leistungen lag im April 2009 um 5 % unter der des Vorjahresmonats.
  • Die Ergebnisse der kommunalen Kassenstatistik für das erste Halbjahr zeigen bundesweit einen kräftigen Rückgang der Steuereinnahmen um -9,0 %, in Niedersachsen betrug er nur rund -4,8 %.

Umwelt:
Niedersachsen ist hier durch einen relativ hohen Anteil regenerativer Energien gut aufgestellt. Positiv bewertet wurden unter anderem ein leicht sinkender Wasserverbrauch, rückläufige CO2-Emissionen und der hohe Recycling-Anteil beim Abfall. Diese Tatbestände weisen auf ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein großer Teile der Bevölkerung hin. Problemfelder sind der Flächenverbrauch, der in Niedersachsen zwar rückläufig ist, aber mit immer noch 10 Hektar pro Tag viel zu schnell voranschreitet. Auch der Ökolandbau ist mit einem Anteil von nur 2,9 % im Vergleich mit anderen Ländern unterrepräsentiert.

Demographischer Wandel:
Zum vierten Mal in Folge sank die Einwohnerzahl des Landes, die Geburtenzahlen gingen überdurchschnittlich stark zurück und die Zuwanderung nahm ab. Das Tempo der Bevölkerungsabnahme steigt. Der Trend zur Alterung der Gesellschaft äußerte sich in einem starken Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen, und der Trend zur Individualisierung zeigte sich in einem weiteren Wachstum der Zahl der Alleinerziehenden und der Ehescheidungen. Das Land hat vor allem bei der öffentlichen Kinderbetreuung noch einen großen Nachholbedarf.

Wirtschaft:
Die Konjunktur war 2008 insgesamt gut. Die Wirtschaft und auch die Zahl der Arbeitsplätze wuchsen, und zwar etwas schneller als im Bundesdurchschnitt. Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs zunahm. Es gab gegen den Bundestrend weniger Firmeninsolvenzen. Zum Wirtschaftswachstum trugen überdurchschnittliche Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe, in der Landwirtschaft und im Tourismus bei.

Die Zahl der Existenzgründungen ging 2008 zurück, und zugleich stieg die Zahl der Gewerbeabmeldungen. Die Investitionen der Industrie sind 2007 zwar gestiegen, aber die Investitionsintensität Niedersachsens blieb unterdurchschnittlich. Ähnliches gilt für Patentanmeldungen und Internet-Domains, wo es zwar deutliche Zuwächse gab, aber weiterhin eine relativ niedrige Intensität beider Indikatoren.

Öffentliche Finanzen:
Die Finanzsituation der Länder und Kommunen hat sich im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr etwas verschlechtert, war aber immer noch als günstig einzuschätzen. Die Ausgaben stiegen zwar schneller als die Einnahmen, aber dennoch war der Finanzierungssaldo erneut positiv. In Niedersachsen verlief die Entwicklung sogar etwas günstiger als im Bundesdurchschnitt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat allerdings Ende 2008 erste Spuren hinterlassen.

Humanpotenzial und Innovation:
Die Schulabbrecherquote ist 2008 gesunken, zugleich aber leider auch die Abiturientenquote. Wie dieses Ergebnis einzuordnen ist, kann mangels bundesweiter Vergleichsdaten noch nicht gesagt werden. Die Zahl und der Anteil hochqualifizierter Arbeitnehmer steigen weiterhin kräftig; das Land holt hier auf. Auch die Zahl der Hochschulabsolventen legte in fünf Jahren deutlich zu.

Soziales:
Die Verdienste in Niedersachsen sind seit langem unterdurchschnittlich. Die neuesten Daten zeigen, dass diese Struktur geblieben ist, allerdings konnte der Rückstand leicht verringert werden. 10 % der niedersächsischen Bevölkerung waren 2007 auf irgendeine Art staatlicher Mindestsicherungsleistungen angewiesen; diese Quote liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt.

2008 scheint die Zahl der Menschen in problematischen Lebenslagen verschiedener Art gesunken zu sein: So gingen zum Beispiel die Zahl der Abtreibungen zurück, aber auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen. Ein großes Problem gibt es bei auffälligen Kindern und Jugendlichen: Die Zahl der „vorläufigen Schutzmaßnahmen“ stieg innerhalb eines Jahres um +31 %. Es ist anzunehmen, dass dieser hohe Zuwachs nicht nur die Zunahme von Problemlagen, sondern mindestens genauso widerspiegelt, dass jetzt genauer hingeschaut und rascher gehandelt wird. Für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist wichtig, dass die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr abnahm, genauso wie die Zahl der Straftaten. Zugleich stieg die Aufklärungsquote der Polizei.

Gleichstellung der Geschlechter:
Die Entwicklung läuft zugunsten der Frauen, wenngleich es immer noch keine volle Gleichstellung der Geschlechter gibt. Solche Strukturen ändern sich nur langsam, aber sie ändern sich: Mittlerweile ist jeder siebte Bezieher von Elterngeld und ebenso jeder siebte Teilzeitbeschäftigte ein Mann. Das Verdienstniveau der Frauen liegt bei 84,5 % des Durchschnittsverdienstes abhängig Beschäftigter, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote der Frauen lag Mitte 2009 sogar um 0,2 Prozentpunkte unter der der Männer. Am deutlichsten und auch am schnellsten verläuft die Entwicklung bei den Bildungsindikatoren: 55,1 % der Hochschulabschlüsse, 43,7 % der Promotionen, 32,0 % der Habilitationen wurden 2007 von Frauen abgelegt – aber erst 20,9 % der Professoren sind weiblichen Geschlechts.


Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen

(Redaktion)


 


 

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