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Interview

Raus aus der Winterdepression

York Scheller, Diplom-Psychologe bei der Techniker Krankenkasse, spricht über Winterdepressionen und was man dagegen unternehmen kann.

Herr Scheller, alle reden Jahr für Jahr von einer drohenden Winterdepression. Stimmt es, dass in der dunklen Jahreszeit dunkle Gedanken programmiert sind? 

York Scheller:
Das kommt ganz darauf an. Natürlich stimmt es, dass der Körper auf Tageslicht und frische Luft angewiesen ist, um sich richtig wohl zu fühlen. Wenn die Tage kürzer werden und man sich temperaturbedingt fast ausschließlich in geschlossenen Räumen aufhält, kann, steigt auch die Gefahr, einen Winterblues zu erleben. Allerdings bietet der Winter auch die Möglichkeit, zur Ruhe und Besinnung und damit auch zu positiven Gedanken zu kommen, wenn man es richtig anstellt.

Was raten Sie? 

York Scheller:
Zunächst einmal sollte man seinem Körper auch in der kalten und nassen Jahreszeit geben, was er braucht. Das sind Abwechslung, viel frische Luft und auch Bewegung – auch wenn es bei Schmuddelwetter oder Minusgraden manchmal Überwindung kostet. Das macht den Kopf frei für positive Gedanken. Zum anderen ist es wichtig, sich in dieser Zeit nicht zusätzlich durch Stress zu belasten – sei es durch überbordende Weihnachtseinkäufe, hektische Jahresabschluss -Aktivitäten oder das Hetzen von einer Weihnachtsfeier zur nächsten. Hier kann es helfen, mit der Familie oder Freunden über die Jahre kleine liebenswerte Routinen zu etablieren und zu pflegen, damit der Geist die ersehnte Ruhe findet. So hat man einen Fixpunkt, auf den man sich während der meist stressigen Vorweihnachtszeit konzentrieren kann.

Sie raten also zu einer Auszeit zum Jahresende? 

York Scheller:
Das Ende des Jahres ist für viele Menschen keine gute Zeit, zu viel Neues oder Aufregendes zu beginnen. Zu dieser Zeit kann es besser sein, eine Zäsur einzulegen und das vergangene abzuschließen. Fragen wie: "Was habe ich erreicht? Was brauche ich jetzt für mich?" helfen dabei, die individuell richtige Methode zur Rückschau und Entspannung zu finden: Das mag für den einen das Wochenende in den Bergen oder am Meer sein. Der andere nutzt die Zeit zwischen den Jahren, um mit alten Papieren und unerledigten Sachen aufzuräumen und macht sich so den Kopf für Neues frei. Der nächste sortiert seine Urlaubbilder und lässt dabei das Erlebte noch einmal Revue passieren – wichtig ist dabei, den eigenen Weg und die eigene Geschwindigkeit zu finden.

Und die so genannten guten Vorsätze? 

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York Scheller:
Liebgewonnene Gewohnheiten sind schwer auf Knopfdruck zu ändern. Vielmehr ist es wichtig, den richtigen Rahmen für Verhaltensänderungen zu wählen. Es ist zum Beispiel unsinnig, nach vielen untätigen Jahren bei Glatteis mit Waldlauf zu beginnen. Aber natürlich kann ich im Winter gut schwimmen gehen oder auch auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wer das Rauchen aufgeben möchte, sollte sich nicht unbedingt für einen Stopp an Neujahr entscheiden, sondern besser einen Zeitpunkt ohne allzuviel beruflichen und privaten Stress auswählen und gut planen, was man sich alternativ zum Rauchen Positives gönnen kann. So sinkt das Risiko, rückfällig zu werden und deshalb frustriert zu sein.

Heißt das: Im Winter nur noch halbe Kraft voraus? 

York Scheller:
Da der Mensch ein Teil der Natur mit ihren Jahreszeiten ist, spricht doch auch nichts dagegen, im Winter ein wenig mehr auf sich selbst und die eigenen Belange zu hören und et-was mehr zur Ruhe zu kommen.

Womit machen Sie sich fit gegen den Winterblues? 

York Scheller:
Ich sitze gern nach einem ausgiebigen Spaziergang mit Freunden zusammen, trinke dabei einen Becher frischen Kaf-fee oder Tee. Bei diesen Gesprächen genießen wir es, den Gedanken freien Lauf zu lassen, Musik zu hören und über Dinge zu sprechen, die uns wichtig sind. Danach fühle ich mich meistens entspannt und gleichzeitig aktiviert.

Techniker Krankenkasse

(Redaktion)


 


 

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