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KMU und das Web 2.0

Social Media bewegt auch den Mittelstand- Ein Interview mit Jens Schlüter

"Die Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Social Media liegen auf der Hand"

Dr. Kolb Telieps: Als Erfolgsfaktoren wurden genannt: interessante Inhalte von 85 Prozent, Glaubwürdigkeit von 75 Prozent und Regelmäßigkeit von 57 Prozent. Entsprechen diese Angaben Ihrer Erfahrung?

Jens Schlüter: Ob diese Zahlen tatsächlich stimmen, weiß ich offen gesagt nicht. Da liest man jeden Tag etwas anderes. Fakt ist aber, dass Inhalte spannend und interessant sein müssen, um in der Flut von Informationen überhaupt wahrgenommen zu werden. Glaubwürdigkeit ist ebenfalls ein ganz wesentlicher Faktor, denn in meinen Netzwerken vertraue ich den Empfehlungen meiner Kontakte eher, als jedem noch so gut konzipierten Werbespot. Zur „Regelmäßigkeit“ möchte ich noch auf einen Irrtum hinweisen, der sich wirklich hartnäckig hält: Viele gehen davon aus, dass sich ihre einmal kommunizierte „Botschaft“ im Internet von selbst verbreitet. Das Gegenteil ist der Fall, denn das Informationsangebot im Internet erhöht sich von Tag zu Tag exponentiell, sodass eine einzelne Information immer unbedeutender und schwerer auffindbar wird. Wer hier aufhört zu kommunizieren, wird im Internet sogar deutlich schneller vergessen als in der realen Welt.

Dr. Kolb Telieps: Europaweit gesehen betreiben mehr als ein Drittel der Führungskräfte aus Technologieunternehmen einen Corporate Blog laut Eurocom Worldwide, um so mit der Öffentlichkeit zu interagieren. Knapp 40 Prozent dagegen sagen, der Zeitaufwand dafür sei zu hoch. Was können die Nutzer tun, um den Zeitaufwand so weit wie möglich zu minimieren?

Jens Schlüter: Das Corporate Blog hatte ich ja bereits angesprochen. Ein herausragendes Werkzeug, vorausgesetzt man hat eine Vorstellung davon, was man mit seinem Blog überhaupt erreichen möchte. Gibt es eine klare Strategie, liegen oftmals auch die Inhalte auf der Hand – sie müssen dann nur noch im richtigen Mix mit den Inhalten aller anderen Social Media Kanäle „zu Papier“ gebracht werden. Genau hier hakt’s nach meiner Erfahrung am häufigsten, da Unternehmer oder Marketingverantwortliche nur allzu oft meinen, einfach alles selbst machen zu müssen. In diesem Falle ist dann nicht nur der Zeitaufwand für diese eine Person tatsächlich zu hoch, sondern das Ganze geht auch zu Lasten der Qualität. Der bessere Weg ist eindeutig der, Blog, Twitter Feeds etc. in die Hände motivierter Mitarbeiter zu geben. Das sorgt nicht nur für mehr qualitativ guten Inhalt, sondern fördert auch den Community-Gedanken im Unternehmen. 

Dr. Kolb Telieps: Die Potenziale des Web 2.0 bleiben häufig ungenutzt, weil eben doch der Mut zum Austausch in der Öffentlichkeit fehlt. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie persönlich?

Jens Schlüter: Für mich sind Nachteile inzwischen kaum noch wahrnehmbar. Unternehmenskommunikation  war jahrzehntelang eine regelrechte Einbahnstraße. Nicht pauschal, denn natürlich haben auch früher bereits Unternehmen den regen Austausch mit ihren Kunden gesucht – diese waren dann in der Regel auch durchweg erfolgreich. Social Media stellt heute die Werkzeuge für die perfekte Integration des Kunden in die Unternehmensstrategie bereit. Wenn wir diese Möglichkeiten gezielt und mit Bedacht nutzen, sind Nachteile nicht spürbar. Statt von „Nachteilen“ könnte man aber vielleicht einmal von „Sicherheitsrisiken“ sprechen, da diese nicht selten als Nachteil empfunden werden. Hier heißt es „aufpassen!“, denn das größte Sicherheitsleck sitzt immer zwischen Stuhl und Schreibtisch. Die meisten Sozialen Netzwerke bieten heute hervorragende Möglichkeiten, um den Sicherheits- und Privatsphäre-Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Was der Anwender daraus macht, ist eine andere Sache …

Dr. Kolb Telieps: Wird sich das ändern, wenn die jetzt intensiv das Internet nutzenden Jugendlichen in Führungspositionen vordringen?

Jens Schlüter: Natürlich, diese Generation ist ja quasi damit groß geworden. So wie wir mit dem Fernsehen oder dem Telefon. Über diese Dinge macht sich heute niemand mehr Gedanken – sie sind da und werden einfach genutzt. 

"In einigen Jahren spricht niemand mehr über Social Media – man nutzt es einfach"

Und genau das wird auch mit Social Media passieren. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob es den Begriff „Social Media“ in fünf Jahren überhaupt noch geben wird. Viel wahrscheinlicher ist, dass diese heute vielen noch exotisch anmutende Art der Kommunikation innerhalb kürzester Zeit zu einer Selbstverständlichkeit werden wird. Spätestens dann stellt sich auch nicht mehr die Frage, ob ich als Unternehmer an diesem Dialog teilnehmen möchte, es geht nur noch um das WIE.

Dr. Kolb Telieps: Wie sollten sich Unternehmen, die Social-Media-Marketing-Strategien planen, vorbereiten? Was sollten Sie zum Beispiel über ihre Kunden vorher in Erfahrung bringen, um diese auch wirklich zu erreichen?

Jens Schlüter: Wichtig ist, dass sich Unternehmen zunächst einmal mit den Mechanismen und Wechselwirkungen dieser neuen Art der Unternehmenskommunikation vertraut machen. Das gibt Ihnen mehr Sicherheit bei Ihren ersten Schritten in Richtung Marketing 2.0. Außerdem sollten sie sich über folgende Dinge im Klaren sein: Der Einsatz von Social Media ist grundsätzlich erst einmal kostenlos. Nicht vergessen darf man aber die personellen und zeitlichen Ressourcen, die der Einsatz von Social Media ganz besonders in der Anfangsphase erfordert.


 


 

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