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Klimawandel

Datenschwindel statt Klimawandel?

Seit dem 20.11. kursieren Meldungen in den Medien, dass der Klimawandel gefakt sein könnte. Was ist geschehen? Ein Whistleblower (deutsch: jemand der Alarm schlägt) hatte sich den Email-Verkehr der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia in Norwich, Großbritannien, angeeignet und veröffentlicht. Im englischsprachigen Raum macht schon der Begriff vom Climagate die Runde, einige Wissenschaftler haben dadurch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Emails sind beispielsweise hier einsehbar: http://www.anelegantchaos.org/cru/. CRU-Chef Phil Jones hat die Echtheit des Email-Verkehrs weitestgehend bestätigt.

Der Gesamtumfang beträgt 1079 Emails, die detaillierte Angaben zu den Vorgehensweisen der weltweit führenden Forscher zum Thema anthropogener Klimawandel machen. Bereits jetzt wird aus den Analysen des elektronischen Schriftverkehrs deutlich, dass einige Forscher des CRU dubiose Absprachen getroffen haben, um Meinungen und wissenschaftliche Arbeiten zu diskreditieren, die nicht dem Mainstream-Gedanken vom menschengemachten Klimawandel entsprechen. Des Weiteren geht es um das Unterdrücken wichtiger wissenschaftlicher Fakten, welche die Hypothese des anthropogenen Klimawandels in Frage stellen könnten. Außerdem erscheinen manipulative Techniken zum Schönen von Klimastatistiken im Sinne der Wissenschaftler um Phil Jones, Michael Mann („Hockeyschlägerkurve“), Tom Wigley, sehr wahrscheinlich.

Offene Fragen zum Klimawandel

Zunächst einmal steht die Frage im Raum: Welchen Einfluss hat das Datentuning tatsächlich auf die Aussagen zu einem menschengemachten Klimawandel? Hier ist sicher noch zu früh, um abschließende Antworten zu finden, aber das CRU und sein Wissenschaftsteam stellen wesentliche Grundlagen für IPCC-Berichte des Weltklimarates zur Verfügung, diese sollten zunächst einmal in Quarantäne gestellt werden, bis neutrale Überprüfungen und Korrekturen stattgefunden haben. Darüberhinaus fragt sich, welche, nicht aus den Emails hervorgehende Absprachen, die Wissenschaftlern sonst noch getroffen haben. Fest steht aber auch, dass seit 1999 kein Temperaturanstieg mehr nachweisbar ist, dies zeigen die vier weltweit anerkannten Messungen, auch die des CRU selbst.

Der deutsche Klimaforscher Hans von Storch vom GKSS (Forschungszentrum Geesthacht), der selbst in den Emails angegangen wurde, weil er vor einer Politisierung der Klimaforschung warnt, ruft nun auf seiner Homepage. http://coast.GKSS.de/staff/storch dazu auf, durch den Email-Verkehr aufgeflogene Kollegen, wie Michael Mann, Phil Jones und andere, nicht mehr an IPCC-Berichten zu beteiligen und ihnen die Beurteilung wissenschaftlicher Studien (peer-review) zu entziehen.

Deutschland hat Nachholbedarf

Was bleibt, ist ein mulmiges Gefühl. Sind wir Opfer von Apokalyptischen Reitern geworden, oder ist vielleicht doch etwas daran an einem möglichen menschengemachten Klimawandel? Fest steht eines: Deutschland wird durch viele Medien zu einem geistigen Armenhaus zum Thema Klimawandel gemacht. Während in vielen englischsprachigen Tageszeitungen wie Daily Telegraph, New York Times, Washington Post, Toronto Star und vielen anderen durchaus ein Diskurs zum anthropogenen Klimawandel geführt wird, findet diese Diskussion in Deutschland nicht statt. Man fühlt sich in das „Tal der Ahnungslosen“ versetzt, ähnlich der Situation in der ehemaligen DDR, dessen Bewohner kein „Westfernsehen“ empfangen konnten und daher von wichtigen Informationen abgeschnitten waren. Insoweit ist es in Deutschland für viele Menschen ein Rätsel, warum keine wirksamen Klimaschutzziele vereinbart werden, dies kommt für die Leser in anderen Ländern nicht überraschend.

Viel zu viel an der Klimaentwicklung ist noch unklar. Klimazyklen werden gerade erst erforscht, der Einfluss der Sonne auf das Klima scheint doch größer zu sein als lange angenommen, Klimamodelle sind aus vielen Gründen zu ungenau. Auch der jetzt, vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, - wahrscheinlich nicht zufällig – aufgeflogene Datenskandal des anthropogenen Klimawandels trägt erst mal nicht zur Erhellung bei. Bestenfalls bleiben mehr Fragen als Antworten, schlimmstenfalls können sich Klimawandelbefürworter die Narrenkappe aufsetzen, das passt ja gut zur Jahreszeit. Doch Schadenfreude ist eigentlich fehl am Platz, die Klimawissenschaften haben Schaden genommen.

(Eike Schulze)


 


 

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2 Kommentare

von Frank
27.11.09 14:00 Uhr
Handlungsbedarf der Politik

Die Unterlagen des Skandals zeigen, daß Kanzlerin Merkel und Ministerin Schavan einige wichtige Fragen klären müssen, bevor in Kopenhagen Zusagen gemacht werden, die uns Bürger teuer zu stehen kommen:

1. Hat das Agenda-Setting der deutschen Forschungsförderung die deutsche Klimaforschung ähnlich korrumpiert wie wir es derzeit in England sehen?

2. Gibt es in deutschen Klimaforschungszentren, allen voran PIK, ähnliche Vorkommnisse wissenschaftlichen Fehlverhaltens wie in England? PIK Mitarbeiter tauchen in den Skandal emails auf, und nehmen derzeit die englischen Kollegen in Schutz. Warum? Besonders in der Klima-Modellierung gibt es mannigfache Möglichkeiten der Manipulation, wenn ein Forscher seine private politische Agenda ausleben möchte. Wie wird das verhindert? Wie werden die Computer-Modelle validiert?

3. An welchen Stellen basiert die wissenschaftliche Empfehlung für Kopenhagen, die Copenhagen Diagnosis, auf den gefälschten Daten des englischen Skandals? Und wo mittelbar über die Kalibrierung der Klimamodelle? Dies wurde bisher vermieden offenzulegen, obwohl die Quellenangaben auf eindeutige Zusammenhänge hindeuten.

4. Die englischen Skandal-Emails deuten darauf hin, daß Klimavorhersagen und rekonstruierte Temperaturkurven nicht im Griff sind, und damit jede Grundlage fehlt a. eine gefährliche Erderwärmung vorherzusagen und b. einen Einfluß von CO2 auf das Klima zu belegen. Es fehlt also die wissenschaftliche Grundlage für den aktuellen politischen Prozeß der CO2 Einsparung. Kanzlerin Merkel sollte daher ab sofort alle CO2 Einsparungsprojekte auf Eis legen bis der Sachverhalt in einem transparenten wissenschaftlichen Verfahren geklärt ist.

5. Gibt es ein deutsches "Climategate"? Am englischen CRU sehen wir, daß eine kleine Clique von Öko-Aktivisten unter dem Deckmantel der Wissenschaft mit Betrug und Fälschung die internationale Politik beeinflußt. Sollte sich ein solcher Betrug am Bürger auch in Deutschland abspielen, dürfen Rückzahlung der Forschungsgelder und Gefängnisstrafen nicht ausgeschlossen sein. Und letztlich auch nicht die Abschaffung des politischen Agenda-Settings in der Forschungsförderung.

von lab
02.01.10 19:11 Uhr
Fakten statt Behauptungen

Während der Artikel ja noch recht vorsichtig bleibt (angesichts der tatsächlichen Bedeutung der "Affäre") gehts dann im Kommentar zur Sache.

Halten wir doch wenigstens einmal für die Nachwelt fest, dass nach unabhängiger Betrachtung der Mails (http://www.huffingtonpost.com/2009/12/12/climate-change-science-no_n_389783.html) von den Fälschungsvorwürfen nichts übrig geblieben ist. Auch (seriöse) Kritiker des IPCC, wie der oben genannte Hans von Storch räumen ein, dass es keine Anzeichen für Manipulation gibt und die Tatsache des Klimawandels nicht in Frage gestellt wird: http://coast.gkss.de/staff/storch/pdf/nature-online.storch+allen.pdf.

Wie der Autor darauf kommt, dass die Emails ein "Whistleblower" (also jemand der in guter Absicht handelt) veröffentlicht hat und nicht z.B. ein von der Gegenseite bezahlter "Hacker", bleibt sein Geheimnis...

 

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