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Interview

Prof. Dr. Schneidewind im Interview mit nds-ost.business-on.de

Im Rahmen des VGH-Symposiums „Klimawandel – Chancen und Risiken für Niedersachsen“ hat das regionale Online-Portal nds-ost.business-on.de ein Interview mit Herrn Prof. Dr. Schneidewind geführt. Er ist Vorsitzender der Niedersächsischen Regierungskommission Klimaschutz.


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nds-ost.business-on.de:
Wie hat sich das Klima in Niedersachsen verändert?

Prof. Dr. Uwe Schneidewind:
Die Klimaveränderungen werden jetzt erst Stück für Stück spürbar. Wir haben seit 1950 durchaus einen Temperaturanstieg, den wir messen können. Er liegt bei einer Durchschnittstemperatur von knapp über einem Grad. Im Bereich Meeresspiegel bewegt sich das alles im Zentimeter-Bereich. Da sind es eher die Prognosen bis 2050, 2100, die uns Sorgen machen. Und man merkt natürlich erste Vorboten: die Zunahme von Extremwetterereignissen und zum Teil verlängerten Vegetationsperioden, wobei man immer sehr aufpassen muss: Was ist jetzt langfristiger Trend? Und was ist durch Wetterschwankungen, die wir immer schon hatten, zu erklären?

nds-ost.business-on.de:
Wo liegen die Ursachen für die Klimaveränderungen?

Prof. Dr. Uwe Schneidewind:
Was die Ursachen angeht – und da sind wir in den letzten 5-10 Jahren in der wissenschaftlichen Diskussion sehr viel weiter gekommen – ist klar: Die Hauptursache ist der gestiegene CO2-Anteil in der Atmosphäre und ein Großteil dieser zusätzlichen CO2-Emmissionen lässt sich durch Menschen gemacht erklärt. Das wurde lange Zeit wissenschaftlich intensiv diskutiert, aber inzwischen haben wir eine hohe Sicherheit, dass das die Ursache und der Treiber ist.

nds-ost.business-on.de:
Was ist das Besondere am Klima in Niedersachsen?

Prof. Dr. Uwe Schneidewind:
Einmal geht es ja darum: Was sind die besonderen Herausforderungen Niedersachsens vor dem Hintergrund des Klimawandels. Da sind zu nennen: unsere lange Küstenlinie und die besondere Betroffenheit durch den Anstieg des Meeresspiegels; die besondere Bedeutung der Agrarwirtschaft für unser Land und die unmittelbare Wirkung des Klimas in dem Bereich; die besondere Bedeutung des Tourismus – von der Nordsee bis zum Harz – mit zum Teil sehr unterschiedlichen Effekten. Und dann würde ich aber auch noch sagen: Das besondere am Klima in Niedersachsen sind vermutlich viele innovative Branchen, die Lösungskonzepte leisten können. Das geht von der regenerativen Energien-Industrie bis hin zur Automobil-Industrie über hochinteressante Versicherungsunternehmen, die innovative Lösungen zum Klimaschutz erarbeiten. Wir haben hier in Niedersachsen ein besonderes Klima, was die Betroffenheit angeht und ein besonderes Klima, was die Lösungen angeht.

nds-ost.business-on.de:
Was versteht man unter dem „Lower Saxony Deal“?

Prof. Dr. Uwe Schneidewind:
„Lower Saxony Deal“ ist eine Anlehnung an den „New Deal“, den wir in den 30er Jahren in den USA hatten, wo ein umfassendes Wirtschafts- und Sozialprogramm initiiert wurde, um die Wirtschaftskrise zu beherrschen. Das Programm war sehr erfolgreich. Und darum wird in der globalen Klimadebatte viel über den „New global Deal“ gesprochen, also ein solcher „New Deal“ für die Klimafrage auf globaler Ebene. Mit dem „Lower Saxony Deal“ spreche ich das Maßnahmenpaket an, das ineinander greifen muss, um die Klimaherausforderungen in Niedersachsen zu bewältigen. Das sind insbesondere vier Dimensionen:

Einmal ist es wichtig, die spezifischen Niedersachsen-Potentiale, die wir in den Bereichen regenerative Energien, Automobilindustrie und Versicherung haben, auszuspielen, um damit Lösungen für Niedersachsen und darüber hinaus zu produzieren.

Das zweite Element: Energieeffizienz erhöhen, insbesondere im Gebäudebereich. Dort, wo Umweltschutz und Klimaschutz heute schon ökonomisch sinnvoll ist, sollten Maßnahmen initiiert werden, denn da kann Niedersachsen ökologisch und ökonomisch gewinnen.

Die dritte, wichtige Komponente: längerfristig nach vorne schauen und das Thema Bildung und Klimaschutz stark zu machen. Nicht nur, um die Klimasensibilität zu erhöhen, sondern auch, um das Thema als Instrument für guten und noch besseren Unterricht auf allen Ausbildungsformen einzusetzen. Da haben wir tolle Ansätze von nachhaltigen Schülerfirmen bis zu Klimaschulen, die gerade in Niedersachsen in den letzten Jahren entstanden sind.

Und viertes Element: man muss über innovative und effiziente Lösungen im Bereich der Klimaanpassung nachdenken. Es muss über einen niedersachsenweiten Fonds nachgedacht werden, der den Gewinner- und Verlierer-Ausgleich gewährleistet, weil vom Klimawandel einige Branchen und Regionen eher positiv, andere eher negativ betroffen sind. Wenn wir solche Lösungen hätten, wäre es auch leichter, gute Maßnahmen für die Klimaanpassung zu erzeugen.

nds-ost.business-on.de:
Welche innovative Idee braucht Niedersachsen, um den Klimaschutz voranzutreiben?

Prof. Dr. Uwe Schneidewind:
Wir haben ja viele technologische Innovationen hier in Niedersachsen, die auf dem Weg sind: von der Windenergietechnologie über Solartechnologie, auch im Automobilbereich passiert derzeit sehr viel… Was eine hochinteressante Entwicklung wäre, wenn man sehr viel stärker abbilden könnte, wie sich der CO2-Haushalt des Einzelnen entwickelt. Wenn wir Instrumente hätten, die automatisiert immer eine Rückmeldung geben: Wo steht meine individuelle CO2- Bilanz . Dafür sind durchaus Lösungsbausteine vorhanden. Es wäre praktisch, wenn man diese Instrumente in den Alltag integrieren könnte und sich immer fragen könnte: Bin ich mit meinem Handeln auf dem richtigen Weg?

Es wäre schön, wenn sich diese Technologien weiterentwickeln würden und wir so, wie wir unseren Bankauszug jeden Monat abrufen, unseren CO2-Auszug in Zukunft abrufen können.

nds-ost.business-on.de:
Herzlichen Dank für das Interview, Herr Prof. Dr. Schneidewind.

(Redaktion)


 


 

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