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Finanzwesen

Talanx verklagt Bundesbank

Der drittgrößte Versicherungskonzern Talanx will gerichtlich die Eröffnung eines Girokontos bei der Bundesbank durchsetzen. Grund dafür sei Misstrauen gegenüber den Geschäftsbanken.

Der Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx will gerichtlich die Eröffnung eines Girokontos bei der Bundesbank einklagen. Hauptgrund sei, laut Talanx-Sprecher, die Minimierung der Risiken, da Versicherer täglich mehrere Millionen Euro Versicherungsleistungen abwickelten. Ein Sprecher der Zentralbank hatte den Antrag mit der Begründung abgelehnt, dass die Deutsche Bundesbank grundsätzlich keine Konten für Wirtschaftsunternehmen führe. Nun reicht Talanx Klage vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt ein, denn er hält die Begründung der Bundesbank nicht für ausreichend.

Zu höchstmöglicher Sicherheit seien Versicherer durch Staat und Aufsicht angehalten.

„Nur ein Konto bei der Bundesbank ist wirklich insolvenzsicher“, sagte der Talanx-Sprecher gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD).

Behörden, Sozialversicherungsträger, Geschäftsbanken und Bundesbankmitarbeiter dürfen Girokonten bei der Bundesbank führen, weil sie „Geschäftspartner in geldpolitischen Operationen des Eurosystems sind“, wie die Zeit in der Agenturmeldung berichtete. Versicherern, die ebenso wie Banken zu den Finanzinstituten zählen, bliebe diese Möglichkeit jedoch verwehrt.

Normalerweise sind die Kundeneinlagen bei privaten Geldhäusern von Einlagensicherungsfonds abgedeckt, allerdings zeigt die Pleite der Lehmann-Bank im September 2008, dass diese unzureichend seien. Der Fond war durch staatliche Mittel gestürzt worden. Geht eine Geschäftsbank insolvent, ist das Geld meistens weg. Insolvenzsicherheit sei für Versicherer also nicht gegeben.

Der Talanx-Konzern begründet seine Klage nicht nur mit Insolvenzsicherheit, sondern auch mit „einem erheblichen Wettbewerbsnachteil“ gegenüber den Banken. Obwohl sowohl Banken als auch Versicherer Finanzinstitute sind, werden sie nicht gleich behandelt.

Die Financial Times schrieb, dass der Konflikt zwischen dem Versicherungskonzern Talanx und der Bundesbank auf ein tiefer gehendes Zerwürfnis zwischen Versicherungs- und Bankenbranche verweise. In der deutschen Versicherungswirtschaft herrsche die Auffassung vor, es seien im Wesentlichen die Banken gewesen, die die Finanzkrise verschuldet hätten. Versicherer würden hier aber gleichermaßen als Finanzinstitute in Mithaftung genommen, was „verschärfte Aufsichtsregeln und Bilanzstandards“ zur Folge habe.

Am 11. Februar wird die Talanx-Klage vor dem Verwaltungsgericht in Frankfurt verhandelt. Experten zufolge dürfte der Rechtsstreit langwierig werden. 

Quellen: Financial Times Deutschland, Zeit Online

(Redaktion)


 


 

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