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Umfrage

Arbeitgeber in Niedersachsen fürchten Euro-Krise

91 Prozent der Arbeitgeber sehen in der Euro-Krise erhebliche Risiken für die Entwicklung ihres Unternehmens. Das ergab die Konjunkturumfrage 2012 der Arbeitgeberverbände.

Insgesamt zieht Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der im Haus der Industrie zusammengeschlossenen Arbeitgeberverbände aber ein positives Fazit - mit Einschränkungen: „Unsere Unternehmen verkraften die allgemeine Konjunkturabschwächung deutlich besser als dies bundesweit zu beobachten ist. Große Sorgen bereitet uns jedoch die Krise um den Euro.“ Die Umfrage richtet sich an über 800 Unternehmen aus der Metall- und Elektro-, Kautschuk- und Verpackungsindustrie sowie der Allgemeinen Arbeitgebervereinigung Hannover.  „Zwar hat die rasche weltwirtschaftliche Erholung eine Pause eingelegt. Für Panik oder Hysterie besteht indes kein Anlass“, so der Verbandschef.

 Seitwärtsbewegung bei Auftragseingängen, Produktion und Export

 Die Arbeitgeberverbände erwarten im zweiten Halbjahr 2012 in der niedersächsischen Industrie eine Seitwärtsbewegung. Die Hälfte der Unternehmen geht bei Auftragseingängen, Produktion und Export von einer Stabilisierung auf hohem Niveau aus. Dabei zeigen sich die Geschäftserwartungen der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie deutlich robuster als der Bundesdurchschnitt. Die weltweite Konjunkturabkühlung wird in der niedersächsischen Industrie bisher offenbar deutlich besser verkraftet als bundesweit. Schmidt: „Darin kommt einmal mehr der ausgewogene und dadurch weniger krisenanfällige Branchenmix unserer meist mittelständischen Industriebetriebe zum Ausdruck. Viele Firmen sind vielfach Marktführer in ausgesprochenen Nischen und außerordentlich wettbewerbsfähig. Im Fahrzeugbereich kommen uns starke Lieferverpflichtungen mit Automobilanbietern des Premiumsegments zugute. Hinzu kommt, die ausgesprochen starke Marktposition von VW, die die Auftragslage unserer Zulieferer erheblich stützt.“

Unternehmen sind verunsichert

 Allerdings nimmt die Zahl der Unternehmen weiter zu, die in der Euro-Krise erhebliche Risiken für die Entwicklung ihrer Betriebe sehen. Waren dies im Dezember 2011 in der Metall- und Elektro-Industrie schon 88 Prozent, kletterte der Anteil noch einmal auf 91 Prozent im September 2012. Diese Verunsicherung spiegelt sich in der Investitionsplanung wider: Im kommenden Jahr wollen 48 Prozent der M+E-Industrie ihre Investitionen zurückfahren. Nur 12 Prozent planen in 2013 ihre Investitionen auszubauen. Schmidt: „Die Euro-Krise führt zu Verunsicherung. Investitionsprojekte werden verschoben oder nur vorsichtig angegangen.“ 

Schmidt: „Stabile Beschäftigung trotz Konjunktureintrübung“

 Bemerkenswert positiv ist hingegen die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Trotz wachsender Risiken werden weiter Arbeitskräfte nachgefragt. Bis zur Jahresmitte 2012 wurden noch einmal 3 Prozent an zusätzlicher Beschäftigung in der M+E-Industrie aufgebaut. Dies stabilisiert die Binnenkonjunktur. Ein signifikanter Abbau an Arbeitsplätzen ist derzeit nicht zu erwarten. Stattdessen benötige die Industrie zahlreiche Arbeitskräfte, um den altersbedingten Abgang an Arbeitskräften aufzufangen. „Wir gehen auf Grund der uns vorliegenden Altersstrukturanalysen davon aus, dass allein die Nachbesetzung altersbedingt freiwerdender Arbeitsplätze über all unsere Branchen in einer Größenordnung von rund 12000 Arbeitsplätzen liegen dürfte, davon allein 4000 bis 5000 bei Metall- und Elektro“, sagte Schmidt. 

 Fachkräftemangel beeinträchtigt die Unternehmen 

Kurzarbeit scheint für die meisten Betriebe in 2012 und 2013 kein Thema. 72 Prozent der Metallfirmen schließen dies für dieses und 58 Prozent für das nächste Jahr aus. Die Verbände verweisen jedoch darauf, dass die Prognosefähigkeit über längere Zeiträume hier erfahrungsgemäß nachlässt. 

 Die aktuelle Herbst-Umfrage belegt außerdem, dass der Fachkräftemangel die Entwicklung der Unternehmen zunehmend beeinträchtigt. Galt dies vor einem knappen Jahr für jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) in der Metall- und Elektro-Industrie, so trifft es derzeit bereits mehr als ein Drittel (36 Prozent). Schmidt: „Der Fachkräftemangel ist keine theoretische Größe. Er ist mittlerweile zu einem ganz konkreten, akuten Problem unserer Industrie geworden.“

Quelle: VPK Nord

(Redaktion)


 


 

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