art KARLSRUHE
ART Karlsruhe öffnet die Tore
Karlsruhe. Mit einer Pressekonferenz und der Vernissage wurde heute die achte Karlsruher Kunstmesse ART eröffnet.
Vom 10. bis zum 13. März 2011 zeigt die Messe unter dem Motto „Drehscheibe der Kunst“ eine Mischung von klassischer Moderne und Gegenwartskunst sowie attraktiven Rahmenveranstaltungen. Aus weit über 300 Bewerbungen wählte der Beirat rund um Ewald Karl Schrade 212 Aussteller aus zehn Nationen, darunter 46 Neuzugänge, aus. Nach wie vor gliedern One-Artist-Shows und 19 Skulpturenplätze die Messe übersichtlich.
Die art KARLSRUHE 2011 wartet traditionell mit zwei hochkarätigen Sonderausstellungen auf. In diesem Jahr sind es "Fashion – Modephotographie aus neun Jahrzehnten", aus dem Bestand von Camera Work, Berlin (Halle 1), und "Permanent Trouble", Werke aus der Sammlung Kopp, München (dm-arena). Überdies präsentiert der Landesverband Berliner Galerien zum dritten Mal ART FROM BERLIN.
Der Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift und der art KARLSRUHE Preis des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe werden jeweils zum vierten Mal verliehen. Das ARTIMA art meeting moderiert der Verleger und Kritiker Karlheinz Schmid. Mit zwölf Fachleuten spricht er über die Themen "Was gibt uns die Kunst?" und "Was bringt uns der Markt?".
Elf Berliner Galerien bilden im kommenden Jahr mit ART FROM BERLIN zum letzten Mal den "Berliner Block", wie Ewald Karl Schrade die Kooperation zwischen der art KARLSRUHE und dem Landesverband Berliner Galerien (LVBG) nennt. Der Senat der Hauptstadt fördert das Projekt. Eine Jury traf die Auswahl: Die Lee Galerie etwa zeigt ausschließlich koreanische Kunst. Unter anderen nehmen WHITE CONCEPTS mit der Nachwuchsgaleristin Nicole Löser, die sich bereits als Kuratorin einen Namen in Berlin gemacht hat, und Cain Schulte Contemporary teil, kürzlich von San Francisco nach Berlin gezogen. Anemone Vostell, Geschäftsführerin des LVBG, zieht ein durchweg positives Fazit: "Die art KARLSURHE ist eine der wenigen Messen, die sich an den Bedürfnissen des Marktes orientiert und ihrem Publikum das volle Spektrum der aktuellen Kunst bietet. Wir freuen uns, dass Berlin mit seinem dynamischen Programm frischen Wind nach Karlsruhe gebracht hat. Galerien, die zunächst im Rahmen von ART FROM BERLIN erste Erfahrungen mit dem Kunstmarkt im Südwesten Deutschlands machen konnten, treten nun als eigenständige Aussteller auf – die Beziehungen haben sich etabliert. Dank des kollegialen Austauschs von Messe-Team und unserem Verband. Karlsruhe kann Kunst – das ist unsere Erfahrung."
Ästhetik der Mode
Eines der Highlights der diejährigen Art ist die „Fashion – Modephotographie aus neun Jahrzehnten", aus dem Bestand von Camera Work, Berlin. Nicht nur Modeschöpfer sind Künstler, sondern auch die Fotografen, die jene Werke aus Seide, Taft und Tüll ins rechte Licht setzen. Davon können sich die Besucher der achten art KARLSRUHE (10. bis 13. März) überzeugen. In der Halle 1, generell der Ort, an dem Editionen und Fotografie gezeigt und angeboten werden, ermöglicht die Berliner Galerie Camera Work Einblicke in eine Gattung, die in vielfältiger Weise Schnittstellen zur bildenden Kunst aufweist. "Fashion – Modephotographie aus neun Jahrzehnten" versammelt rund 150 Bilder von den Anfängen in den zwanziger Jahren bis heute, viele davon sind edle Vintage-Prints.
Bekleidung ist stets mehr als bloßer Zeitgeist aus Stoff. Über den Fotografien von Edward Steichen (1879 bis 1973), dem "Patriarchen der Lichtbildnerei", scheint ein Schleier zu liegen. Da geht es weniger ums Detail. Ähnliches gilt für Man Ray, der – das ist nicht unbedingt bekannt – ebenfalls Mode ablichtete und in Studien zum Beispiel die Technik der Solarisation erprobte. Ganz mondän wirken bisweilen die Bilder von Irving Penn aus den vierziger Jahren. Oder die Arbeiten von George Hoyningen-Huene, der schon früh für Harper's Bazaar arbeitete und später Hollywood-Stars porträtierte.
Von klassischen Kompositionen des Edward Steichen bis zu experimentellen Lichtbildern von Man Ray führt der Gang der Blicke. Später spiegeln sich die sexuelle Revolution und Emanzipation der Frau etwa in den Werken von Helmut Newton. Cool ging's dann in den Neunzigern zu. Beispielhaft ist jene Eleganz von Peter Lindbergh. Mehr und mehr Konzepte aus der bildenden Kunst dienen der Modefotografie als Impulsgeber, beispielsweise in den cineastischen Werken eines David Drebin.
Die Bandbreite der ausgestellten Aufnahmen erweitert sich bis hin zu Verfremdungen des fotografischen Materials: Michelangelo di Battista etwa arbeitet zusammen mit Tina Berning. Ein fruchtbares Crossover, inszenieren doch beide die Models beinahe wie lebende Plastiken. Ist nun das Foto übermalt, oder handelt es nur um eine recht exaltierte Art und Weise des Schminkens? Noch also besteht die Allianz zwischen Kunst und Mode. Deren Trends nachzuspüren, glückt mit dieser Ausstellung aufs Feinste.
"Permanent Trouble" - Werke aus der Sammlung Kopp, München
Aufrüttelnd, exzentrisch, irritierend, subversiv: Das sind Adjektive, mit denen sich die Werke aus der Sammlung von Annette und Herbert Kopp, München, charakterisieren lassen. Eine Auswahl aus der Kollektion bildet die Sonderschau "Permanent Trouble", die anlässlich der achten art KARLSRUHE vom 10. bis 13. März in der dm-arena (Halle 4) gezeigt wird. "Als Sammler interessiere ich mich hauptsächlich für Malerei, Skulpturen und Zeichnungen von Künstlern wie John Bock, Mike Kelley, Paul McCarthy oder Albert Oehlen", beschreibt der Münchner seine Passion fürs Besondere. Denn das sind die Werke allemal. Alltag, Humor und Trash erscheinen hier als kunstwürdig. Zum Beispiel die Aquarelle und Zeichnungen von Don Doe, Jahrgang 1963. Sie mischen Damen in Pin-Up-Posen mit Vanitas-Ikonografie und ironisieren auf diese Weise kitschige Männerphantasien. Ein Signum vieler Künstler in der Sammlung ist die lustvolle Auseinandersetzung mit den Avantgarden. Da kommen selbst ehrwürdige, konstruktive Positionen nicht ungeschoren davon.
Doch nicht nur die Jungen, weniger Bekannten bannen die Münchner Sammler. Heute nehmen viele der "Troublemakers" einen festen Platz im Kunstmarkt ein. Prominente Künstler wie Günther Förg, Martin Kippenberger oder Gert und Uwe Tobias stellen die klassischen ästhetischen Grundwerte auf den Kopf. "Diese Grenzgänger lösen mit ihren Werken Irritationen aus, die mich immer wieder faszinieren", beschreibt Herbert Kopp seine Passion.
Gut 200 Quadratmeter stellt Messe-Kurator Ewald Karl Schrade diesen kreativen "Außenseitern" zur Verfügung. Annette und Herbert Kopp können in Karlsruhe auf ein interessiertes Publikum hoffen: "Ich freue mich sehr darauf, eine Auswahl von Arbeiten aus meiner Sammlung auf der art KARLSRUHE zeigen zu können. Denn viele derjenigen, die meine Neugier wecken - etwa Huma Bhabha, Aaron Curry, Christian Holstad, Violet Hopkins oder John Tremblay -, sind in Deutschland nur Insiderkreisen bekannt", sagt der Sammler.
(KMK / Redaktion)
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