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  • 16.06.2010, 09:46 Uhr
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  • Karlsruhe / Stuttgart
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Ausbauplanungen bis 2016

236 Millionen Euro für Ausbau der Höchstleistungsrechnerinfrastruktur

Universität Stuttgart erhält Höchstleistungsrechner – Rechner- und Speicherkapazitäten am KIT, Karlsruhe, werden erweitert. Ministerpräsident Stefan Mappus und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg: Wichtiger Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandorts Baden-Württemberg

„Für die Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Energieversorgung, Genomforschung und Werkstofftechnologie spielen rechnerische Simulation und Modellierung eine bedeutende Rolle. Durch den neuen Höchstleistungsrechner für die Universität Stuttgart können komplexe Zusammenhänge noch differenzierter und ganzheitlicher analysiert werden. Daneben werden der Zugang zum Landeshochschulnetz (BW-Grid) ausgeweitet sowie der Landeshochleistungsrechner des KIT erneuert. Das beschlossene Gesamtpaket ist ein wichtiger Schritt für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandorts Baden-Württemberg, von dem Wissenschaft und Wirtschaft in gleicher Weise profitieren werden.“ Dies sagten Ministerpräsident Stefan Mappus und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg, gestern in Stuttgart. Zuvor hatte der Ministerrat den Ausbau der baden-württembergischen Höchstleistungsrechnerinfrastruktur mit einem Gesamtvolumen von rund 236 Millionen Euro und einem Landesanteil von rund 70 Millionen Euro beschlossen.

„Baden-Württemberg verfügt seit 20 Jahren über eine im nationalen und internationalen Vergleich hervorragende Infrastruktur, die in der Spitze an den Standorten Stuttgart und Karlsruhe regelmäßig, zuletzt 2008, an die technische Entwicklung und die Bedürfnisse von Wissenschaft und Wirtschaft angepasst worden ist. Im harten internationalen Wettbewerb im Höchstleistungsrechnen bedeutet Stillstand Rückschritt. Daher ist es besonders wichtig, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu investieren, wenn wir den Anschluss an die Weltspitze nicht verlieren wollen. Darüber hinaus können wir mit einem Landesanteil von knapp 30 Prozent ein großes Projekt verwirklichen“, sagte Mappus. Die weiteren Mittel kämen vom Bund, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Industrie und den Hochschulen.

133 Millionen Euro für Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart

Das Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart soll mit rund 133 Millionen Euro in mehreren Ausbaustufen auf eine Rechenleistung von über 5 PetaFlop/s (5 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde) ausgebaut werden. „Stuttgart erhält damit den derzeit leistungsfähigsten Rechner in Deutschland. Das Rechenzentrum erfüllt so den Standard eines europäischen Höchstleistungsrechners und zählt weltweit zur Spitzengruppe“, so Frankenberg.

Mit der neuen Rechenleistung sollen verschiedene Simulationsanwendungen erweitert werden. Sie modellieren zum Beispiel Energiefragen, das Klima und Turbulenz bei Strömungen. Darüber hinaus soll ein virtueller Motorenprüfstand eingerichtet werden. Dadurch trägt der Höchstleistungsrechner dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Automobilsektors im Südwesten weiter zu stärken.

Grundlage für die Investitionen in Stuttgart ist laut Frankenberg ein Verwaltungsabkommen zur Finanzierung der Höchstleistungsrechner in Deutschland der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit dem Bund aus dem Jahr 2008. Wichtigstes Vorhaben des Abkommens sei die Gründung des Gauß-Zentrums für Supercomputing (GCS), in dem sich die drei Bundeshöchstleistungsrechenzentren in Jülich, München und Stuttgart zusammengeschlossen hätten. Frankenberg: „Die beteiligten Länder haben sich verpflichtet, jeweils im Wechsel Rechenkapazität mit der international höchsten Leistungsfähigkeit bereitzustellen.“

Landeshochschulen erhalten 16 Millionen Euro für breiten Zugang zu Höchstleistungsrechnern

„Es gibt im Bereich Höchstleistungsrechnen einen intensiven Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Industrie. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal Baden-Württembergs, das es auszubauen gilt“, sagte Frankenberg. Daher sollten die Landeshochschulen einen breiten Zugang zu den Höchstleistungsrechnern erhalten.

Dies geschieht bereits im Verbund BW-Grid, dem sieben Universitäten und eine Fachhochschule angehören. BW-Grid soll eine landeseinheitliche Rechnerversorgung für die Forschung unterhalb der Höchstleistungsrechner gewährleisten. In der nun geplanten Ausbaustufe wird das System erneuert und auf alle Landesuniversitäten sowie drei Fachhochschulen ausgeweitet. Im Kern steht ein Förderprogramm für die Entwicklung neuer Anwendungen. Mathematische Modellierung und Simulation sollen dadurch noch intensiver in wissenschaftliche Experimente und industrielle Entwicklung einbezogen werden.

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhält 86 Millionen Euro

Am Karlsruher Institut für Technologie wird im Jahr 2012 der Landeshochleistungsrechner ersetzt. „Damit soll der Bedarf an Höchstleistungsrechnerkapazität im Lande unterhalb der extremen Erfordernisse abgedeckt und Speicherressourcen für große wissenschaftliche Experimente eingerichtet werden“, so der Wissenschaftsminister. Dies erlaube es, Datenmengen im Bereich von mehreren PetaBytes (1 PetaByte entspricht 1015 Zeichen) zu speichern. Solche Mengen entstünden zum Beispiel bei Genomforschungsprojekten in Karlsruhe und Heidelberg. Die systematische Speicherung dieser Daten erlaube es, auch ganz neue Fragestellungen ohne erneute Durchführung aufwändiger Experimente oder Datenerhebungen zu untersuchen.

In Karlsruhe befindet sich auch das deutsche Datencenter für das Large Hadron Collider (LHC) – Experiment am europäischen Forschungszentrum CERN (Genf). Mit Hilfe des dortigen größten Teilchenbeschleunigers der Welt wollen die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie erhalten. Karlsruhe ist einer von zehn Standorten, welche die Messdaten sammeln und an die anderen Forschungseinrichtungen weitergeben. Das Karlsruher Datencenter wird zu einem bundessweiten wissenschaftlichen Datencenter erweitert. Bereits jetzt nutzen die Kernphysiker aus ganz Deutschland die LHC-Daten am KIT für eigene Auswertungen und Forschungsarbeiten.

Finanzierung zusammen mit Partnern

Der Plan für den Finanzbedarf bis 2016 sieht Gesamtkosten in Höhe von insgesamt 235,8 Millionen Euro vor. Der Bund wird sich voraussichtlich mit rund 86 Millionen Euro (36 Prozent) beteiligen. Die Helmholtz-Gemeinschaft übernimmt einen Anteil von rund 22 Prozent (52 Millionen Euro). Die Hochschulen im Land beteiligen sich zu rund neun Prozent (20 Millionen Euro) an den Kosten. Hinzu kommt ein Beitrag der Industrie von rund 7,5 Millionen Euro. Der Landesanteil beträgt 70 Millionen Euro (30 Prozent).

(Staatsministerium BW)


 


 

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