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Ausbildung

IHK-Betriebe setzen auf Ausbildung

Was tun gegen Fachkräftemangel? Ausbilden, den eigenen Nachwuchs zum kompetenten Gesellen schulen, ihn auf dem Weg zum Meister unterstützen. Im IHK-Gebiet Rhein-Neckar wollen fast 80 Prozent aller Ausbildungsbetriebe die Zahl an Lehrplätzen erhalten, oder gar noch steigern.

Geeigneten und leistungsbereiten Jugendlichen stehen bei den Ausbildungsbetrieben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar alle Türen offen. 78 Prozent der Ausbildungsbetriebe wollen die Zahl der angebotenen Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr beibehalten oder sogar erhöhen. Gleichzeitig stieg allerdings auch die Quote der Ausbildungsbetriebe, die nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten auf dreißig Prozent. Das zeigt Wirkung: 22 Prozent der Ausbildungsbetriebe wollen weniger Ausbildungsplätze anbieten, als im Vorjahr. Diese Quote ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt gesunken. Aber auch die Quote der Betriebe, die in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze anbieten wollen als 2013, ist um 7 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent gesunken. „Wer offene Ausbildungsplätze nicht besetzen kann, ist oft nicht dazu bereit das Angebot aufrecht zu erhalten, geschweige denn noch mehr Plätze anzubieten“, fasst IHK-Chef Dr. Axel Nitschke eines der regionalen Ergebnisse der jährlichen Ausbildungs-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zur Ausbildungssituation zusammen.

„Die hohe Ausbildungsbereitschaft der regionalen Unternehmen, über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg, ist für die IHK Rhein-Neckar sehr erfreulich“, sagte Nitschke. Allerdings verspüren bereits 48 Prozent der Unternehmen rückläufige Bewerberzahlen. Nur noch 70 Prozent der Ausbildungsbetriebe konnten im vergangenen Jahr alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Dies sind mehr als 7 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Um 8 Prozentpunkte auf nunmehr 20 Prozent angestiegen ist sogar die Quote derjenigen Betriebe, welche auf angebotene Ausbildungsplätze gar keine Bewerbungen verzeichnen konnten. „Das gefährdet die zukünftige Ausbildungsbereitschaft in hohem Maße. Vor dem Hintergrund der in den nächsten Jahren beständig sinkenden Zahl von Schulabgängern, bei insgesamt immer noch guten konjunkturellen Aussichten, ist das ein deutliches Warnsignal“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Jeder besetzte Ausbildungsplatz ist wichtig für die Zukunfts-fähigkeit der Wirtschaft in der Region und damit für die Wertschöpfung und letztlich für den Wohlstand von uns allen.“

Um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, unternehmen die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung noch mehr Anstrengungen bei der Aus- und Weiterbildung als bisher. Insbesondere setzen sie auf das Angebot von Praktikumsplätzen. Davon profitieren beide Seiten: Künftige Fachkräfte lernen die betrieblichen Heraus-forderungen und die künftigen Kollegen kennen; der Betrieb kann erkennen, ob die Praktikanten für den Beruf geeignet sind und zum Betrieb passen. Die Unternehmen haben erkannt, dass sie als Arbeitgeber im Wettbewerb um das dringend erforderliche Personal stehen und sich bereits früh bei Bewerbern attraktiv machen müssen. Folgerichtig stehen auch Schulkooperationen hoch im Kurs. Jeder fünfte der Ausbildungsbetriebe, die sich an der Umfrage beteiligt haben versucht so, bereits frühzeitig, junge Nachwuchskräfte auf sich aufmerksam zu machen und an sich zu binden. Die IHK Rhein-Neckar hat mittlerweile 400 solcher Bildungspartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen vermittelt. Als weitere Maßnahmen wollen die Betriebe neue Bewerbergruppen erschließen. Insbesondere die Studienabbrecher stehen hier im Fokus. Auch für diese Zielgruppe hat die IHK ein Beratungs- und Vermittlungsangebot entwickelt um jungen Menschen, die einen anderen Karriereweg als das Studium für sich sehen für die berufliche, duale Ausbildung zu gewinnen.

Zudem stieg die Zahl der Unternehmen, welche Kooperationen mit Hochschulen eingehen wollen um drei Prozentpunkte. Angesichts der zunehmenden Studierneigung von Schulabgängern ist dies ein erster Ausdruck des sich künftig verstärkenden Zwanges, Arbeitsplätze in den Unternehmen, die bislang mit beruflich qualifizierten Fachkräften besetzt werden konnten, mit Akademikern besetzen zu müssen. Außerdem locken die Betriebe mit der Vermittlung von Zusatzqualifikationen für leistungsstärkere Bewerber und erweitern ihren Radius rund um das Unternehmen, in dem sie verstärkt auch überregional nach Auszubildenden suchen.

Um sich für Auszubildende attraktiv zu machen, setzen die Ausbildungsbetriebe hingegen nur vereinzelt auf verstärkte materielle oder finanzielle Anreize, auf eine Kombination von Ausbildung mit Aufstiegsfortbildung, auf eine Ausbildung im Verbund, auf das Angebot von Auslandsaufenthalten in der Berufsausbildung oder auf eine verstärkte Suche nach Auszubildenden im Ausland sowie auf das Angebot von Ausbildung in Teilzeit. „Gerade die Chancen der Bindung von Mitarbeitern durch eine Teilzeitausbildung werden noch immer unterschätzt“, bedauert Nitschke. „Wer beispielsweise wegen der Betreuung von Kindern, der Pflege von Angehörigen oder der Vereinbarkeit von Leistungssport und Berufsausbildung auf Teilzeit angewiesen ist und diese auch ermöglicht bekommt, entwickelt eine besonders enge Beziehung zu seinem Arbeitgeber und honoriert dies in aller Regel durch eine hohe Betriebstreue“ verdeutlicht der IHK-Chef. Die Mehraufwendungen während der Ausbildung amortisieren sich dadurch oftmals rasch.

Bei der Gewinnung von Auszubildenden messen die Unternehmen dem Internet inzwischen fast die gleiche Bedeutung zu wie der Meldung offener Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur. Fast 60 Prozent der Unternehmen setzen auf die Möglichkeiten der Ansprache von Jugendlichen im Internet; 64 Prozent der Unternehmen melden alle ihre offenen Lehrstellen der Arbeitsagentur. Ganz vorn bei den Möglichkeiten der virtuellen Ansprache liegt die eigene Unternehmenshomepage (90 Prozent der Nennungen). Social Media wie Facebook und Twitter haben ihren Anteil im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 11,3 Prozentpunkte auf 33 Prozent steigern können. Ebenfalls deutlich erhöht hat sich die Nutzung der bundesweiten IHK-Lehrstellenbörse. Sie konnte um weitere 5 Prozentpunkte auf 63 Prozent zulegen und dokumentiert damit gleichzeitig den Trend der Firmen auch Auszubildenden im weiteren Umkreis zu suchen.

Erfreulich ist auch, dass ein immer größerer Anteil der Betriebe auf Angebote der IHK zur Gewinnung von Auszubildenden setzt. 54 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe greifen auf die Unterstützung der IHK zurück, wenn sie Auszubildende suchen. „Die IHK Rhein-Neckar hilft den Betrieben bei der passgenauen Gewinnung von Nachwuchs-kräften und den Jugendlichen bei der Suche nach dem für sie geeigneten Ausbildungsbetrieb. Dazu führt sie mit Bewerberinnen und Bewerbern einen Berufseignungstest durch und bietet anschließend eine individuelle Besprechung der Ergebnisse an. Zum Angebot gehören auch eine Optimierung der Bewerbungsunterlagen und eine Vorbereitung auf mögliche Vorstellungsgespräche. Danach vermitteln wir den passgenauen Kontakt zwischen Bewerbern und Unternehmen“, stellt Nitschke die konkrete Unterstützung durch die IHK dar.

Als Ausbildungshemmnis Nummer 1 wird von den Betrieben nach wie vor die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger beklagt. Nur noch 9 Prozent aller Ausbildungsbetriebe stellen keine Mängel bei der Ausbildungsreife ihrer Bewerber fest. Rund 60 Prozent der Unternehmen klagen über mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation . Das sind 11 Prozentpunkte mehr als bei der letztjährigen Umfrage. 56 Prozent fehlt ein ausreichendes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen, 51 Prozent die erforderliche Disziplin. Elementare Rechenfertigkeiten vermissen 46 Prozent aller Betriebe, 44 Prozent klagen über mangelnde Belastbarkeit. Für 43 Prozent sind die Umgangsformen ein Problem. Mit einem Anstieg um 6,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr haben das mangelnde Interesse und die mangelnde Aufgeschlossenheit deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie wird von 34 Prozent aller Betriebe beklagt. Hingegen scheint es um die Teamfähigkeit der Bewerber recht gut bestellt zu sein. Hier wird nur von 11 Prozent der Unternehmen ein Defizit gesehen.

Gerade die bemängelten Soft Skills sind aus Sicht der IHK ein deutliches Warnsignal. Die Betriebe bessern bereits seit vielen Jahren fehlende fachliche Kompetenzen von Schulabgängern nach und das zusätzlich zu ihrem eigentlichen Ausbildungsauftrag. 30 Prozent aller Unternehmen bieten firmenintern eine solche Nachhilfe an. Voraussetzung für deren Erfolg ist aber, dass die innere Einstellung, die Leistungsbereitschaft und die notwendigen Umgangsformen vorhanden sind. Auch in solchen Fällen hilft die IHK den Unternehmen: „Wir beteiligen uns als eine der ersten Kammern in Deutschland an dem Pilotprojekt „Stark für Ausbildung“, welches von Bildungsexperten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Deutschen Handwerks gemeinsam insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen entwickelt worden ist“, zeigt Nitschke das Unter-stützungsangebot auf. Mittels eines kombinierten Angebots von E-Learning und Präsenz-phasen wird das Ausbildungspersonal für den Umgang mit Auszubildenden geschult, bei denen Defizite im persönlichen Bereich bestehen. Die IHK appelliert jedoch insbesondere an die Eltern und die allgemein bildenden Schulen, wieder mehr Wert auf die Vermittlung von für eine erfolgreiche berufliche Zukunft unerlässlichen Persönlichkeitsmerkmalen zu legen.

Zunehmend zum Problem wird auch die unklare Vorstellung vieler Jugendlicher von den Berufen selbst, deren Inhalte sich auch zunehmend schneller ändern. Sie wird mittlerweile von 60 Prozent aller Ausbildungsbetriebe als Ausbildungshemmnis erkannt; ein Anstieg um 6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr macht dies deutlich. Dem will die IHK insbesondere durch ihr neues Angebot eines „Tages der Berufsorientierung“ an allen allgemein bildenden Schulen im IHK-Bezirk vorbeugen. An diesem „Tag der Berufsorientierung“ können Unternehmen sich und ihre Berufe Schülerinnen und Schülern präsentieren. Auszubildende erklären als „Ausbildungs-botschafter“ den nahezu gleichaltrigen Schülern, weshalb gerade diese Ausbildung Spaß macht und beantworten alle Fragen, die Schüler in diesem Zusammenhang interessieren authentisch. Die Schüler werden zudem fit für das Bewerbungsverfahren gemacht und bekommen konkret Lehrstellen und Praktikumsplätze angeboten. Außerdem werden sie durch eine ganz neue, sehr unterhaltsame Auftaktshow gleich zu Beginn des Tages für das Thema Ausbildung motiviert und darauf aufmerksam gemacht, worauf es jetzt ankommt und wie jeder den Einstieg in die für ihn geeignete berufliche Laufbahn schaffen kann. „Ein Komplett-Angebot in dieser Form ist bundesweit einmalig. Hiermit setzt die IHK Rhein-Neckar neue Maßstäbe bei der Ansprache von Schulabgängern. Die bisherige Resonanz der Schulen ist hervorragend, die Schüler sind motiviert und engagiert dabei und die beteiligten Betriebe verzeichnen ein erfreulich hohes Interesse an deren Ausbildungsangeboten“, zieht Nitschke eine durchweg positive Bilanz der ersten drei Monate.

Nitschke appellierte deshalb an alle Schülerinnen und Schuler, ob in den Abgangsklassen oder noch früh in der schulischen Laufbahn, ihre Chancen in der beruflichen Bildung zu nutzen. „Die Beschäftigungs- und Karrierechancen nach einer beruflichen Ausbildung sind so gut wie selten zuvor. „Der größte personelle Engpass in den nächsten Jahren besteht bei den beruflich qualifizierten Fachkräften“, verdeutlichte der IHK-Chef die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Unternehmen werden deshalb große Anstrengungen unternehmen, um den Fachkräftemangel mit betrieblicher Aus- und Weiterbildung wirksam zu bekämpfen. So setze sich auch der positive Trend zur Übernahme der Auszubildenden in Arbeitsverhältnisse weiter fort: 64 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk wollen alle ihre Auszubildenden übernehmen. Und auch im anschließenden Beschäftigungsverhältnis ist das Engagement der Unternehmen für die Qualifizierung von Fachkräften enorm: 70 Prozent der an der IHK-Umfrage beteiligten Unternehmen wollen ihre Weiterbildungsaktivitäten für ihre Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahr unvermindert fortsetzen, weitere 28 Prozent sogar ausweiten.

(Redaktion)


 


 

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