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Wirtschaftslage

Phase der Hochkonjunktur in Baden-Württemberg geht zu Ende

Reales Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr 2011 deutlich abgeschwächt

»Die wirtschaftliche Lage ist zur Zeit besser als die Stimmung«, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, die konjunkturellen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg zusammen. Die verschiedenen konjunkturrelevanten Einzelindikatoren senden zur Zeit unterschiedliche Signale: Betrachtet man die Indikatoren Produktion, Auftragseingänge oder Umsatzentwicklung, wiesen die Zeichen bis zum August auf einen fortgesetzten, wenn auch abgeschwächten Aufschwung hin, wobei es um die Auslandsnachfrage noch etwas besser bestellt sein dürfte als um die Binnennachfrage. Dennoch ist die Rede vom Abschwung in aller Munde. Es sind vor allem die Stimmungsindikatoren, die das Gesamtbild trüben. Hier spiegeln sich auch die Unsicherheiten wider, in welcher Form mit der Staatsschuldenkrise (nicht nur) im Euroraum umzugehen ist. Die konjunkturelle Großwetterlage für Baden-Württemberg zeigt der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts an, der in Richtung einer gedämpften Dynamik weist. »Im dritten Quartal dürfte noch der Rückenwind des starken ersten Halbjahres wirksam sein, so dass wir mit einem Vorjahreswachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2 ½ Prozent rechnen. Im vierten Quartal könnte der Schwung deutlicher nachlassen, so dass das Plus möglicherweise nur noch bei ¾ Prozent liegt«, so Frau Dr. Brenner.

Die »harten«, produktionsnahen Indikatoren zur Inlandsnachfrage standen in den Sommermonaten Juni bis August noch im Zeichen der Hochkonjunktur: Die preis- und arbeitstäglich bereinigten Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich knapp 9 Prozent zu. Nach wie vor erwies sich die Investitionsgüterindustrie mit einer Erlössteigerung von rund 14 Prozent als Schrittmacher. Hier wiederum zeigte sich der Maschinenbau mit einem Umsatzwachstum von 21 Prozent in glänzender Verfassung. Erfreulich sind ebenfalls die Zahlen der Konsumgüterproduzenten, deren Inlandsumsätze im Sommer um immerhin knapp 7 Prozent über dem Vorjahreswert lagen – auch hier eine erneute Steigerung gegenüber dem für diese Gütergruppe schon beachtlichen Frühjahreswert. Dass sich die Binnennachfrage dennoch ihrem Zenit nähert, zeigen unter anderem die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe an. Nach wie vor war zwar in den Sommermonaten ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Allerdings dürfte das Niveau der inländischen Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes zur Jahresmitte seinen Höhepunkt bereits erreicht haben. So ist seit dem Frühjahr bei der saison- und arbeitstäglich bereinigten Reihe eher eine Seitwärtsbewegung festzustellen.

Die Umsatzsteigerungen aus dem Auslandsgeschäft waren in den Sommermonaten (gegenüber dem Vorjahr) nach wie vor beeindruckend: Im Verarbeitenden Gewerbe steigen die Umsätze real und arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Vorjahr um gut 10 Prozent, und damit ebenso stark wie im Frühjahr. Wie schon bei der Inlandsnachfrage sind auch im Auslandsgeschäft die Investitionsgüter (+14 Prozent) – und hier wiederum der Maschinenbau (+23 Prozent) – die treibende Kraft. Bezüglich der konjunkturellen Lage setzen sich die Ähnlichkeiten fort: Die Vorjahresveränderungsraten überzeichnen aber aufgrund des starken Vergangenheitsbezugs den tatsächlichen konjunkturellen Impuls im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt etwas. Nach wie vor steigen die saison- und arbeitstäglich bereinigten Industrieumsätze auch gegenüber der Vorperiode, allerdings ist bereits eine leichte, zyklische Abschwächung unverkennbar: Der Wert der Auftragseingänge aus dem Ausland stieg in den Sommermonaten im Vorjahresvergleich arbeitstäglich bereinigt um rund 9 Prozent. Wie die Umsatzzahlen weisen auch die Auftragseingänge bei dieser Betrachtung rückläufige Zuwachsraten auf. Der Verlauf der Absolutwerte der beiden Zeitreihen ähnelt sich ebenfalls hinsichtlich der gebremsten Dynamik. Allerdings fällt dieser Effekt bei den ausländischen Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes deutlich schwächer aus als sowohl bei den Umsätzen, als auch bei den entsprechenden inländischen Reihen.

Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsdaten reagieren mit einer gewissen Verzögerung auf die konjunkturelle Lage. So ist es kein Wunder, dass der Arbeitsmarkt im Sommer noch ganz im Zeichen der Hochkonjunktur stand. Im Zeitraum von Mai bis Juli 2011 betrug das Plus bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen – nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit – rund 96 000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) betrug im August wie schon am Ende des zweiten Quartals 3,9 Prozent. Mit weniger als 223 000 lag die Zahl der Arbeitslosen im dritten Quartal 2011 um 44 000 unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Im gleichen Zeitraum belief sich die Zahl der ungeförderten offenen Stellen auf fast 80 000, das waren knapp 22 000 mehr als vor Jahresfrist.

Tendenziell belastend für die Konjunktur sind die Preissteigerungen. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag in den ersten drei Quartalen stets über der 2 Prozent-Marke, was in erster Linie der deutlichen Verteuerung von Heizöl und Kraftstoffen geschuldet war. Was die künftige Preisentwicklung dieser Energieträger angeht, ist jedoch mit einer Entspannung zu rechnen.

(Statistisches Bundesamt)


 


 

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