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Chinesen in Deutschland

Sinodirektor Ping Zhang will etwas bewegen

Ping Zhang ist Mitte 30. Er war der beste Student aus seinem Studiengang - sowohl an der chinesischen als auch an der deutschen Universität. Heute arbeitet er als Ingenieur in der deutschen Automobilindustrie. In seinem Job will er etwas bewegen, mit seinem Wissen das Leben der Menschen verbessern. Im Interview berichtet er über seine Erfahrung als Sinodirektor in Deutschland.

Wei Fischer, Personalglobal: Sind Sie zufrieden mit Ihrer aktuellen Situation?

Ping Zhang: Ich bin schon zufrieden, aber es könnte noch besser sein. Das Leben hier in Deutschland ist sehr geregelt. Allerdings fehlen mir ein wenig die Herausforderungen.

Wei Fischer, Personalglobal: Gibt es Dinge, die Ihnen früher wichtig waren und die heute keine große Rolle mehr spielen?


Ping Zhang: Am Anfang meiner Karriere, war es mein Ziel, in einem der besten und renommiertesten Unternehmen Deutschlands zu arbeiten. Ich hatte gute Noten und mein Anspruch war sehr hoch. Heutzutage ist es wichtiger für mich, in einem Unternehmen zu arbeiten, das zu mir passt, mit dessen Werten ich mich identifizieren kann.

Für mich ist es wichtig, etwas zu bewegen und das Leben der Menschen durch meine Arbeit ein wenig zu verbessern. Ich habe viele Freunde, die in großen Konzernen arbeiten und sehr stolz darauf sind.

Das Problem ist allerdings, dass sie sich meist nicht zu 100 % mit ihrer Tätigkeit identifizieren und ihr volles Potential nicht entfalten können.

Momentan arbeite ich für einen größeren Mittelständler, weiß genau, welchen Wert ich bringe und bekomme ein direktes Feedback der Kunden, wenn ich etwas entwickle. Das ist ein tolles Gefühl für mich.

Wei Fischer, Personalglobal: Gibt es jemanden den Sie bewundern?

Ping Zhang: Menschen, die Werte kreieren und ihre Interessen einsetzen, um etwas zu bewegen, bewundere ich. Durch ihre Arbeit verändert sich etwas in eine positive Richtung. Ich versuche auch meinen Teil hierzu beizutragen.

Beispielsweise hat mein Unternehmen eine automatische Schaltung auf dem chinesischen Markt eingeführt, die vielen das Leben erheblich vereinfacht hat. Das hat mich wirklich glücklich gemacht.

Endlich konnte ich sehen, dass ich mein Studienwissen und meine Erfahrungen einbringen kann, um etwas zu bewirken.

Viele gute Manager gehen zurück nach China

Wei Fischer, Personalglobal: Was denken Sie im Allgemeinen über Chinesen, die Ihr Studium in Deutschland fortgesetzt haben? Denken Sie,sie sind erfolgreich hier?

Ping Zhang: Meiner Meinung nach könnten sie in China erfolgreicher sein als in Deutschland. Chinesen, die hier ihr Studium weitergeführt haben, sind normalerweise die besten Studenten an der chinesischen Universität, meistens sogar unter den Top 5 Prozent.

Trotzdem haben sie nach 10 Jahren oftmals noch mittlere Positionen in meiner Industrie, wie Ingenieur- oder Projektmanagerposten. Um in Deutschland mehr zu erreichen, müssten sie offener und aktiver werden und sich der deutschen Gesellschaft mehr anpassen.

Wei Fischer, Personalglobal: Denken Sie, es gibt viele gute Manager auf dem chinesischen Markt?

Ping Zhang: Viele Manager fassen zunächst Fuß auf dem deutschen Arbeitsmarkt und gehen dann wieder zurück nach China. Hierdurch steigt die Anzahl guter Manager natürlich stetig. Unser Unternehmen bietet beispielsweise jedes Jahr bikulturelle Workshops an, um Erfahrungen auszutauschen.

Dieses Angebot wird gerne von Chinesen in Anspruch genommen. Mein Vorteil Ihnen gegenüber schwindet somit von Jahr zu Jahr, da die Internationalisierung stetig voranschreitet.

Ich habe das Gefühl, dass andere Kulturen immer mehr integriert werden.

Wei Fischer, Personalglobal: Aber denken Sie nicht, dass Sie aufgrund Ihrer fachlichen Qualifikationen einen Vorteil gegenüber den lokalen chinesischen Managern haben?

Ping Zhang: Ja, das stimmt. Mein fachliches Wissen und meine Erfahrungen können nicht so schnell „überholt“ werden. Die Forschung und Entwicklung, vor allem auf dem technischen Gebiet, hier in Deutschland ist deutlich ausgeprägter als in China. In Deutschland bleiben die Ingenieure oftmals lange bei einem Unternehmen, meistens für zehn oder sogar zwanzig Jahre.

In China herrscht hingegen ein reger Arbeitsplatzwechsel, weshalb die Kenntnisse nicht tiefer gehen und eher oberflächlich bleiben. Um zu verstehen, warum die lokalen Chinesen häufig wechseln, muss man wissen, dass in den großen Städten, wie in Shanghai, ein großer finanzieller Druck herrscht und die Gehaltsunterschiede in China zwischen verschiedenen Unternehmen und Positionen sehr groß sind.

Bei einem Wechsel steigt das Gehalt teilweise um 50 Prozent an. Bleibt man jedoch bei einem Unternehmen, sieht es häufig mit den Gehaltserhöhungen nicht ganz so gut aus.

In Deutschland ist das anders. Die Gehaltsunterschiede sind nicht so groß. Man kann seine Arbeit ohne große Sorgen bewältigen und sich auf die Ausführung der einzelnen Aufgaben konzentrieren.

"30 % der Zeit wird benötigt, um Kommunikationsprobleme zu beseitigen"

Wei Fischer, Personalglobal: Welche weiteren Vorteile sehen Sie gegenüber den lokalen Managern?

Ping Zhang: Abgesehen von den fachlichen Qualifikationen, spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle. Es gibt immer viele Probleme aufgrund der kulturellen Unterschiede zwischen China und Deutschland. Da ich beide Kulturen kenne und lebe, fällt es mir leichter zwischen beiden Parteien zu vermitteln.

Um ein Beispiel zu geben: Treten wir mit unserer Tochterfirma in China in Kontakt, so werden 30 % der Zeit benötigt, nur um Kommunikationsprobleme zu beseitigen. Nicht nur die Sprache spielt hierbei eine Rolle, sondern vor allem die Denkweise.

Ein Beispiel aus unserer Entwicklungsabteilung: Meine deutschen Kollegen orientieren sich stark an Ihrem meist mehrere Monate zuvor erstellten, nicht mehr abänderbaren Ablaufplan und folgen diesem.

Das Gleiche erwarten sie von den Chinesen, aber diese arbeiten anders. Sie ändern ihre Pläne gerne kurzfristig ab, sind etwas flexibler.

Wei Fischer, Personalglobal: Und wie lösen Sie dieses Problem, wenn sie nach China geschickt werden?

Ping Zhang: Ich versuche die Kommunikation zu verbessern und aufrecht zu erhalten. Ich würde sagen, dass unsere deutschen Ingenieure die Kommunikation mit den chinesischen Ingenieuren aufgrund dieser Problematik vermeiden. Sie mögen es nicht, wenn sich die Pläne andauernd ändern und folgen daher Ihrem Plan, ohne diese mit China abzusprechen.

Wäre ich in dieser Position, dann würde ich mich darum bemühen, einen Kommunikationskanal herzustellen und meine Kollegen zusammenzubringen. Das ist nur möglich, da ich beide Denkweisen kenne und verstehe.

Wei Fischer, Personalglobal: Welche Medien nutzen Sie täglich? Und was denken Sie über die Darstellung Chinas in diesen?

Ping Zhang: Ich schaue ZDF, lese die Zeitung des Vereins Deutscher Ingenieure und auch lokale Zeitungen. Die deutschen Medien sehen die Dinge meistens eher kritisch, aber doch relativ fair und versuchen die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Ich habe das Gefühl, dass Deutsche, die schon einmal in China gelebt haben, China positiver darstellen als diejenigen, die mit der Kultur kaum vertraut sind.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, welche Industrie über China berichtet. Betrachten wir beispielsweise die Automobilindustrie, so lässt es sich sagen, dass diese im Allgemeinen eher konservativ eingestellt ist.


 


 

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