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Chinesen in Deutschland

Sinodirektor Ping Zhang will etwas bewegen

Deutsche Unternehmen sollen internationaler werden

Wei Fischer, Personalglobal: Welche Mitarbeiter sendet Ihr Unternehmen nach China?

Ping Zhang: Das kommt auf das Aufgabenfeld an. Mitarbeiter aus der Entwicklungsabteilung werden eher nicht nach China geschickt, wohingegen Mitarbeiter aus dem Marketing oder der Logistik gerne versendet werden.

Forschung und Entwicklung ist ein heikles Thema für die Deutschen, aufgrund der Angst kopiert zu werden. Diese Angst wird von den deutschen Medien noch geschürt.

Wei Fischer, Personalglobal: Und was ist Ihre Meinung zu diesem Problem?

Ping Zhang: Ich denke, deutsche Unternehmen könnten noch internationaler werden. Meiner Meinung nach sollten Mitarbeiter gleich angesehen werden, unabhängig davon, ob sie in China oder in Deutschland sitzen.

Sowohl die deutschen als auch die chinesischen Mitarbeiter kreieren Werte für das Unternehmen, versuchen es voranzubringen. Würden alle Mitarbeiter ähnlicher behandelt werden, dann wäre dieses Problem vielleicht gar nicht so groß.

Um noch kurz auf die Angst des „kopiert zu werden“ zu sprechen zu kommen: Nach einer Lokalisierung in China, sinken die Kosten für deutsche Unternehmen und die Produkte werden wettbewerbsstärker aufgrund des niedrigeren Preises. Das Risiko kopiert zu werden wird deshalb durch die Verlagerung aus meiner Sicht kleiner und nicht größer.

Natürlich besteht dann immer noch das Risiko, dass „Insiderwissen“ weitergegeben wird. Aber besteht das nicht überall? Wenn Deutsche ihren Arbeitsplatz wechseln, nehmen sie doch auch ihr Wissen mit.

Wei Fischer, Personalglobal: Was vermissen Sie am meisten hier in Deutschland?

Ping Zhang: Die Freunde aus meiner Kindheit, meine Schulfreunde und die chinesischen Studienkollegen. Ich habe auch hier in Deutschland studiert, allerdings gibt es Unterschiede zwischen meinen Studienkollegen hier und denen in China.

In Deutschland hatte ich das Gefühl, dass eine größere Distanz zwischen meinen Kommilitonen und mir vorhanden war. In China gab es einen größeren Zusammenhalt.

Treffe ich jetzt beispielsweise chinesische Studienkollegen, dann unterhalten wir uns über gemeinsame Erlebnisse, teilen unsere Erinnerungen. Uns verbindet mehr als nur das Studium.

Wei Fischer, Personalglobal: Kommen wir nun auf ein anderes Thema zu sprechen. In China sind die Menschen ja bekanntlich sehr leistungsorientiert, erwarten Sie von Ihren Kindern hier in Deutschland das Gleiche?

Ping Zhang: Meiner Meinung nach müssen Kinder glücklich sein, gute Noten sind nicht alles. Wichtiger ist es, ihre Interessen zu fördern, herauszufinden, was sie wirklich antreibt und ihnen liegt.

Freizeit muss auch sein. Ich spiele beispielsweise Fußball mit meinen Kindern, zeige Ihnen aber auch, wie man programmiert.

Wei Fischer, Personalglobal: Ist es wichtig für Sie, dass Ihre Kinder fließend Chinesisch sprechen können?

Ping Zhang: Ich finde es wichtig, dass sie ihren Ursprung nicht vergessen, um sich selbst zu kennen. Natürlich hoffen wir als Eltern, dass sie die Sprache lernen und beherrschen möchten, aber ich dränge sie nicht dazu. Meine Frau ist da schon etwas strenger.

Meine Kinder können fließend sprechen, nur mit dem Schreiben haben sie noch ihre Probleme. Deshalb drängt ihre Mutter sie schon dazu, ihr Chinesisch zu verbessern.

Demokratisierung und Privatisierung vorantreiben

Wei Fischer, Personalglobal: Falls es also ein passendes Jobangebot in China geben würde, würden sie dann einen Umzug nach China in Erwägung ziehen?

Ping Zhang: Natürlich würde ich darüber nachdenken und zuschlagen, wenn die Stelle zu mir passen würde. Ich habe auch schon mit meinen beiden Kindern über dieses Thema gesprochen und beide würden nicht nach China ziehen wollen.

Ich denke, ich müsste sie im Fall der Fälle nochmals darauf ansprechen und versuchen, sie zu überzeugen.

Wei Fischer, Personalglobal: Würden Sie sich dann nicht Gedanken über die Umweltverschmutzung und die Lebensmittelsicherheit in China machen?

Ping Zhang: Vor einigen Jahren habe ich mich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Heute spielt die Umweltverschmutzung und die Lebensmittelsicherheit schon eine wichtigere Rolle für mich.

Allerdings wäre dies nicht der ausschlaggebende Punkt für die endgültige Entscheidung, einen Umzug nach China zu wagen oder nicht.

Wei Fischer, Personalglobal: Was ist das größte Problem, das China zu bewältigen hat?

Ping Zhang: Ich denke, China muss die Demokratisierung und Privatisierung vorantreiben. Viele Probleme wären gelöst, wenn das private Eigentum gesichert wäre.

Wei Fischer, Personalglobal: Eine letzte Frage: Würden Sie gerne für kurze oder lange Zeit nach China gehen?

Ping Zhang: Das kommt darauf an, ob sich eine Demokratie entwickeln wird. Könnte ich meinen Teil hierzu beitragen, wäre das etwas sehr Besonderes für mich. Es ist also schwierig zu sagen, ob ich für eine kurze oder lange Zeit nach China gehen würde.

(Das Interview führte Wei Fischer von Personalglobal; der Beitrag wurde bereits auf dem China-Blog von Tobias Busch veröffentlicht; der Name "Ping Zhang" wurde von der Redaktion geändert)

(Redaktion)


 


 

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