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Kinderschutzkongress

500 Akteure im Kinderschutz beim Kinderschutzkongress 2010 in Karlsruhe

Über 500 im Kinderschutz tätige Akteure sind am Freitag, 7. Mai 2010, auf Initiative der Stiftung Hänsel+Gretel als Hauptsponsor ins Kongresszentrum Karlsruhe gekommen, um sich beim „Kinderschutzkongress 2010“ über die aktuellen Entwicklungen im Kinderschutz in Baden-Württemberg auszutauschen und wertvolle Anregungen für ihre eigene Praxis- und Vernetzungsarbeit zu erhalten.

Mit dem „Kinderschutzkongress 2010“ wollen die Stiftung Hänsel+Gretel und das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren gemeinsam mit dem Justizministerium und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales den verschiedenen Berufsgruppen im Kinderschutz eine gemeinsame Plattform bieten und gemeinsam Maßnahmen und Wege finden, den Kinderschutz im Land weiter zu verbessern.

„Der Kinderschutz steht vor neuen Herausforderungen“, argumentierte Prof. Hurrelmann, der für einen Impulsvortrag am Vormittag zur Frage „Kinderbewusstsein - was ist das?“ gewonnen werden konnte. Über das Wort „Kinderbewusstsein“ sollen die Menschen stolpern und es dadurch verinnerlichen. Die Stiftung Hänsel+Gretel möchte durch sachgerechte und meinungsbildende Informationen aus allen Blickrichtungen des Kinderschutzes ein stärkeres Kinderbewusstsein in der Gesellschaft prägen. Dazu dient insbesondere der Kinderschutzkongress, sagt die Erste Vorsitzende der Stiftung Hänsel+Gretel, Ministerin a.D. Barbara Schäfer-Wiegand. „In der Arbeit mit Kindern ist nur eine flexible Kombination von Anerkennung, Anleitung und Anregung die Voraussetzung dafür, authentisch an den Kindern und nicht an den Eltern oder anderen Bezugspersonen orientiert zu sein“, sagte der Sozialwissenschaftler von der Hertie School of Governance Berlin.

„Es liegt an uns allen, das Wohl um unsere Kinder weiter und noch mehr in unser aller Bewusstsein zu rücken und sich dieser gemeinsamen Aufgabe zu stellen“, sagte die Kinderbeauftragte der Landesregierung, Sozialministerin Dr. Monika Stolz, die sich als Schirmherrin des Kongresses über die große Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am „Kinderschutzkongress 2010“ freut. „Der Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Kinderland Baden-Württemberg wird in seinen Anstrengungen für einen wirksamen Kinderschutz im Land nicht nachlassen“, versprach die Ministerin. Schockierende Berichte über den Umgang mit Kindern und ihren Missbrauch hätten die Öffentlichkeit und die Fachleute aufgerüttelt. Es sei ein breiter Konsens feststellbar, dass solche Übergriffe von Erwachsenen auf Kinder und Misshandlungen der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft mit allem Nachdruck verhindert werden müssen.

„Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Ihnen muss unser besonderer Schutz gelten. Kein Kind darf durch das Netz rutschen. Kinderschutz geht uns alle an!“, erklärte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll vor dem Kongress. Ein wirksamer Kinderschutz könne nur mit vereinten Kräften in der täglichen, regionalen Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen gelingen. Nur so könne vermieden werden, dass Missstände in Familie, Schule, Kirche und Verein zu spät erkannt würden und dass Opfern nicht geholfen werde, erklärte der Minister. Um Kinder zu schützen, gelte es wachsam zu sein und alle Anzeichen von Vernachlässigungen und Misshandlungen zu beachten und auch weiterzuleiten. „Es darf nicht passieren, dass ein Kind deshalb zu Schaden kommt, weil die Wege zwischen den beteiligten Institutionen zu lang sind oder weil Missverständnisse die Zusammenarbeit behindern“, betonte Goll. Deshalb sei der Kinderschutzkongress nicht nur für die inhaltliche Fortbildung im Bereich Kinderschutz wichtig, sondern auch, um solche unverzichtbaren, möglicherweise ersten Kontakte zur Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Berufsträgern zu knüpfen. Ziel sei es, Familienrichter und Jugendamtsmitarbeiter, Rechtsanwälte und Sachverständige an einen Tisch zu bringen, um Verständnis für die unterschiedlichen Sicht- und Arbeitsweisen zu wecken, und um kurze Wege zu etablieren.

Ministerin Stolz betonte, dass das Land ein breitgefächertes Kinderschutzkonzept entwickelt habe. Konkrete Umsetzung erfährt dieses Vier-Säulen-Konzept unter anderem durch das Aktionsprogramm „Impulse zum Kinderschutz in Baden-Württemberg“. Für diese landesweite Qualifizierungsoffensive stellte das Land in den vergangenen zwei Jahren dem KVJS – Landesjugendamt 600.000 Euro zur Verfügung. „Mit diesen Mitteln haben wir flächendeckend zum Aufbau eines Kinderschutz-Netzwerkes in Baden-Württemberg beigetragen“, betonte Roland Kaiser, Leiter des Landesjugendamtes. Mit insgesamt 683 Veranstaltungstagen auf örtlicher und überörtlicher Ebene wurden ca. 26.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht und dabei u.a. 262 Fachkräfte als Kinderschutz-Multiplikatoren bzw. „insoweit erfahrene Fachkraft“ qualifiziert. „Damit sind die Grundlagen für eine nachhaltige Kinderschutzstruktur in Baden-Württemberg gelegt“, sagte der Leiter des Landesjugendamtes.

Neben dem Ausbau der Frühen Hilfen und der gezielten Qualifizierung der Fachkräfte ist ein weiterer wesentlicher Baustein im Kinderschutz die Früherkennung und Prävention. „Die öffentliche Diskussion um Versäumnisse der vergangen Jahrzehnte im Umgang mit Opfern von Gewalt bestätigt die immense Bedeutung präventiver Arbeit zur Verhinderung von Gewalt an Kindern für die Zukunft“, sagte die Erste Vorsitzende der Stiftung Hänsel+Gretel, Ministerin a.D. Barbara Schäfer-Wiegand. „Dies betrifft das gesamte Lebensumfeld von Kindern: die Familie, den Freundeskreis, die Schule, den Freizeitbereich, die berufliche Bildung, die neuen Medien. Nie war ein Kongress so aktuell wie dieser!“

Deutlich wird dies in den Fachforen, die durch ein innovatives Kongresskonzept von allen Teilnehmenden durchlaufen werden können. Sie greifen zum einen die sexuelle Gewalt und Misshandlung, sowohl aus der Täter- als auch der Opferperspektive, zum anderen auch die Gewalt in neuen Medien, Schule und Familie auf und zeigen Wege der Prävention auf. Zudem werden Projekte in Stadt- und Landkreisen vorgestellt, wie Familien früh geholfen werden kann. Beispielgebend hierfür ist die Stadt Karlsruhe, Gastgeber des „Kinderschutzkongresses 2010“. „Auch eine institutionsübergreifende Kooperation und eine Vernetzung vor Ort kann uns helfen, mit Unsicherheiten offensiv umzugehen, Ressourcen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zusammenzuführen und den Handlungsbedarf früh zu erkennen“, sagte der Bürgermeister Dr. Martin Lenz. „In Karlsruhe sind wir hier auf einem guten Weg“.

Hier setzt auch der „Kinderschutzkongress 2010“ an; denn von Vernetzung wird nicht nur geredet, sondern mit einem innovativen Kongresskonzept auch praktiziert. Zudem ist jede Berufsgruppe animiert, mit den anderen im Kinderschutz tätigen Professionen in regen Wissensaustausch zu treten und auch neue Kooperationspartner in der Region an den Regionentischen kennenzulernen.

(Ministerium für Arbeit und Sozialordnung B.-W.)


 


 

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