Wachstum
Das KIT wächst - mit enormer Geschwindigkeit
Karlsruhe. Akademische Jahresfeier 2011: Mehr als 3.100 Doktorandinnen und Doktoranden forschen am KIT

Die KIT-Präsidenten Professor Eberhard Umbach und Professor Horst Hippler (v.l.n.r) begrüßen zur Akademischen Jahresfeier 2011.
Ausdauer sei das Zauberwort bei der Weiterentwicklung des KIT, so die Präsidenten Professor Horst Hippler und Professor Eberhard Umbach bei der Akademischen Jahresfeier. Das habe jüngst auch der Entwurf zum KIT-Gesetz II gezeigt: „Er erweitert unseren Gestaltungsspielraum deutlich und eröffnet uns so größere Chancen im nationalen und internationalen Wettbewerb“, sagte Hippler in seiner Rede. Im Mittelpunkt des Jahresrückblicks stand aber das rasante Wachstum des KIT: bei den eingeworbenen Drittmitteln wie bei den Studierenden- und Doktorandenzahlen.
„Das KIT wächst – und zwar mit enormer Geschwindigkeit.“ So lautet die zentrale Botschaft von KIT-Präsident Horst Hippler bei der Akademischen Jahresfeier. Erneut stiegen die Drittmitteleinnahmen aus Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der EU und der Industrie an. Derzeit ist das KIT in mehr als 50 Programmen zu Forschung und wissenschaftlichem Nachwuchs aktiv. Das, so Hippler, stelle das KIT aber auch vor Herausforderungen: Nur mit ausreichender Grundausstattung könne man die für die Umsetzung der Projekte benötigten Räume zur Verfügung stellen und die Betriebskosten tragen.
Ähnlich sieht es bei den Studierendenzahlen aus: Mit den insgesamt 22.500 Studierenden im laufenden Wintersemester verzeichnet das KIT eine Steigerung von knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Damit ist unsere Kapazität fast vollständig erschöpft. Problematisch wird das, wenn 2012 der doppelte Abiturjahrgang kommt“, sagte Hippler. Zwar habe man in diesem Jahr neue Gebäude erworben, dennoch benötige man dringend weitere Flächen und Mittel für Personal, Energie und Betriebskosten. Zum Sommersemster 2012 schaffe die Landesregierung die allgemeinen Studiengebühren ab, die angekündigte volle und dynamische Kompensation sei deshalb ein wichtiger Schritt, so Hippler. Diese Mittel zusätzlich zu den Studiengebühren einzuführen, hätte es jedoch ermöglicht, den Studierenden bessere Rahmenbedingungen zu bieten. Das KIT werde aber weiterhin alles daran setzen, die hohe Qualität der Lehre aufrecht zu erhalten.
Ebenfalls noch einmal deutlich gestiegen ist die Zahl der Doktorandinnen und Doktoranden am KIT: von 2.500 vor einem Jahr auf nun 3.100. Hippler geht davon aus, dass in den kommenden Jahren pro Jahr bis zu 800 Promovierte das KIT verlassen. „Wir verstehen diese enormen Zahlen als Beleg für die guten Forschungsbedingungen am KIT, auf die Entwicklungsmöglichkeiten für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs sind wir sehr stolz.“
Traditionell gehören Ehrungen und Preisverleihungen zur Akademischen Jahresfeier. So zeichneten die KIT-Präsidenten Hippler und Umbach in diesem Jahr 15 Dozentinnen und Dozenten mit Fakultätslehrpreisen aus: Die 10.000 Euro Preisgeld pro Fakultät sind an Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre gebunden. „Damit setzen wir ein deutliches Zeichen dafür, dass gute Lehre eine Leistung ist, die das KIT ebenso wertschätzt wie eine Forschungsarbeit“, so Umbach. Große Bedeutung hat am KIT auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Mit Doktorandenpreisen für herausragende Dissertationen in den KIT-Kompetenzfeldern zeichnete Professor Detlef Löhe, KIT-Vizepräsident für Forschung und Information, in diesem Jahr neun junge Forscherinnen und Forscher aus.
Professor Manfred Popp, früherer Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, verlieh den Otto-Haxel-Preis des Freundeskreises des Forschungszentrums Karlsruhe e. V. Dieser Preis zeichnet wissenschaftliche und technische Leistungen aus, die wirksame Innovationen erbringen und damit wichtige Impulse für die Industrie liefern. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf Dr. Max Mertins von Novatec Solar. Das Karlsruher Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von solaren Dampferzeugern auf der Basis von Fresnel-Kollektoren, die aus ungewölbten Spiegelstreifen bestehen. Für diese entwickelte Mertins mithilfe eines Berechnungsprogramms ein innovatives Receiverdesign, das Wärmeverluste um 50 Prozent reduziert. Damit ist es möglich, Standardturbinen in Solarkraftwerken kosten- und energieeffizienter zu betreiben.
Einen Preis als „Ausgewählter Ort 2011“ erhielt das KIT-Projekt „Aero-Tram – Großflächige Messungen der Luftqualität“ bei der Akademischen Jahresfeier: Die Straßenbahn der Verkehrsbetriebe Karlsruhe ist mit Messgeräten des KIT-Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) ausgestattet, das so die Luftqualität in der Stadt untersucht. Dr. Bernhard Vogel vom IMK nahm die Auszeichnung von Frank Arlaud, Deutsche Bank, entgegen.
Den wissenschaftlichen Festvortrag „Informationen machen Märkte – und wie!?“ hielt Professor Christof Weinhardt, Leiter des Instituts für Informationswirtschaft und -management des KIT. Der Wirtschaftsingenieur und Volkswirt ist unter anderem Sprecher des KIT-Kompetenzbereiches „Technik, Kultur und Gesellschaft“ sowie einer der Leiter des Karlsruhe Service Research Institutes (KSRI) am KIT. In seinem Vortrag zeigte Weinhardt an ausgewählten Forschungsprojekten und Anwendungsgebieten, wie Informationen das Marktgeschehen beeinflussen und wie diese Einflussnahme funktioniert. Unter anderem sprach er über den automatisierten Handel an Finanzmärkten, der häufig für Finanzkrisen verantwortlich gemacht wird. Die Studien aus Weinhardts Forschungsgruppe bestätigen das jedoch nicht, sie zeigen: Technologiesprünge wie bei dem System XEXTRA der Frankfurter Börse sorgen für höhere Informationseffizienz, also für schnellere, faire Preise. Anhand der Blumenauktionen in Holland zeigte er, dass nicht nur Kostengrößen und Rationalität den Menschen beim Handeln beeinflussen, sondern auch Emotionen, insbesondere Stress. Im Forschungsfeld „Physioeconomics“ werden nun neue Verfahren entwickelt, die es erlauben, den Zusammenhang von Emotionen und Erregung auf die Entscheidungsfindung in Märkten zu analysieren und in nützlichen Anwendungen umzusetzen, zum Beispiel in Trainings zur Emotionsregulierung.
(KIT/Redaktion)
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