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Landtagswahl 2011

CDU und FDP verlieren Mehrheit im Landtag, GRÜNE und SPD erobern Mehrzahl der Sitze, LINKE nicht im Landtag vertreten

Die Landtagswahl vom 27. März brachte deutliche Verluste für die CDU mit sich. Mit 39,0 Prozent der gültigen Wählerstimmen lag das Ergebnis der Christdemokraten 5,2 Prozentpunkte unter ihrem Resultat bei der Landtagswahl 2006.

Die CDU verzeichnete damit ihr zweitschlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum baden-württembergischen Landtag. Einen erheblichen Stimmenrückgang hatte auch die FDP hinzunehmen, auf deren Konto 5,3 Prozent der gültigen Wählerstimmen gingen. Damit hat sich das Ergebnis der Liberalen gegenüber 2006 halbiert. Die SPD hatte abermals Stimmenverluste zu verkraften. Nachdem die Sozialdemokraten 2006 mit 25,2 Prozent ihr bislang zweitniedrigstes Ergebnis hatten hinnehmen müssen, kam die SPD bei der Landtagswahl 2011 mit einem Minus von 2,1 Prozentpunkten auf nun 23,1 Prozent der gültigen Stimmen. Die GRÜNEN hingegen konnten ihr Ergebnis von 2006 mehr als verdoppeln. Mit einem Plus von 12,5 Prozentpunkten verbuchten sie 24,2 Prozent der gültigen Wählerstimmen und damit ihr mit Abstand bestes Ergebnis seit 1980, als die Partei erstmals bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg antrat. Nicht in den neuen Landtag einziehen wird DIE LINKE, die mit 2,8 Prozent der gültigen Stimmen wie bereits die WASG bei der Landtagswahl 2006 (3,1 Prozent) an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Alle anderen Parteien, auf die insgesamt 5,6 Prozent der Stimmen entfielen, sind ebenfalls nicht im 15. Landtag vertreten.

Wahlbeteiligung erstmals seit 1988 wieder gestiegen

Nachdem die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2006 ihren Tiefststand erreicht hatte, lag die Beteiligungsquote mit 66,2 Prozent bei der Landtagswahl 2011 um 12,8 Prozentpunkte über der Marke von 2006 (53,4 Prozent).

Die Sitzverteilung im 15. Landtag von Baden-Württemberg

Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis gehören dem 15. Landtag von Baden-Württemberg insgesamt 138 Abgeordnete an. Das ist ein Abgeordneter weniger als in der vergangenen Legislaturperiode. So sind im neuen Landtag insgesamt 60 Abgeordnete der CDU (– 9 gegenüber der Landtagswahl 2006) und 7 Abgeordnete der FDP (– 8) vertreten. Die SPD kommt auf 35 Mandate (– 3) und musste somit ihre Position als zweitstärkste Kraft im Landtag an Die GRÜNEN abgeben. Die stark angewachsene Fraktion der GRÜNEN wird aus 36 Parlamentariern bestehen (+ 19). Damit erhalten die bisherigen Regierungsfraktionen von CDU und FDP insgesamt 67 Sitze, womit sie nach dem vorläufigen Ergebnis keine gemeinsame Mehrheit mehr im Landtag haben. Die bisherigen Oppositionsfraktionen von SPD und GRÜNEN kommen auf insgesamt 71 Sitze und haben damit eine rechnerische Mehrheit der Abgeordneten im 15. Landtag von Baden-Württemberg.

Wie haben die Spitzenkandidaten in ihren Wahlkreisen abgeschnitten

Der Spitzenkandidat der CDU, Ministerpräsident Stefan Mappus, erzielte 44,5 Prozent der Stimmen in seinem Wahlkreis 42 Pforzheim. Er gewann damit das Erstmandat mit einem Ergebnis, das deutlich über dem CDU-Landesdurchschnitt liegt. Sein persönliches Resultat von 2006 (45,9 Prozent) verfehlte er um 1,4 Prozentpunkte. Auf das Konto von SPD-Herausforderer Nils Schmid, der im Wahlkreis 60 Reutlingen antrat, gingen 24,7 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen. Er konnte mit diesem für die SPD überdurchschnittlichen Ergebnis aber nicht das Direktmandat erringen, welches an den CDU-Bewerber Dieter Hillebrand ging. Schmid erhält jedoch ein Zweitmandat und wird ebenfalls dem kommenden Landtag angehören.

In Schmids ehemaligem Wahlkreis 09 Nürtingen trat zur gestrigen Landtagswahl Winfried Kretschmann an: Der Spitzenkandidat der GRÜNEN verfehlte das Direktmandat jedoch mit 25,6 Prozent der gültigen Stimmen. Dieses ging an den CDU-Kandidaten Thaddäus Kunzmann (39,7 Prozent). Gegenüber der Landtagswahl 2006 (13,8 Prozent) konnte Kretschmann sein persönliches Ergebnis dennoch um 11,8 Prozentpunkte steigern und zieht über ein Zweitmandat in den 15. Landtag ein. FDP-Spitzenkandidat Prof. Dr. Ulrich Goll kam bei der Landtagswahl 2011 zwar auf ein für seine Partei überdurchschnittliches Ergebnis von 8,0 Prozent im Wahlkreis 15 Waiblingen, lag damit aber unter seinem Ergebnis von 2006 (14,1 Prozent). Wie die Spitzenkandidaten von SPD und GRÜNEN erhält auch er ein Zweitmandat. Die beiden Spitzenkandidaten der LINKEN, Marta Aparicio de Eckelmann und Roland Hamm erzielten in ihren Wahlkreisen 4 Stuttgart IV und 26 Aalen mit 4,0 Prozent bzw. 4,5 Prozent jeweils überdurchschnittlich hohe Stimmenanteile für ihre Partei. Da die LINKE jedoch an der 5 Prozent-Hürde scheiterte, werden die beiden Kandidaten nicht dem 15. Landtag von Baden-Württemberg angehören.

Anteil der Frauen im Landtag gegenüber der letzten Legislaturperiode gesunken

Mit 25 gewählten Frauen unter den 138 Abgeordneten des 15. Landtags von Baden-Württemberg ging der Anteil der Frauen an den Gewählten bei der Landtagswahl 2011 zurück. Gegenüber der Landtagswahl 2006 (23,7 Prozent) sinkt der Anteil der Frauen an den Landtagsabgeordneten 2011 um 5,6 Prozentpunkte auf 18,1 Prozent.

Stimmenvorsprung der CDU deutlich verringert, GRÜNE überholen die SPD

Nach dem vorläufigen Ergebnis beträgt der Vorsprung der CDU auf Die GRÜNEN knapp 737 000 Stimmen. Damit schrumpfte der Abstand zwischen Christdemokraten und GRÜNEN von rund 1,29 Mill. Stimmen bei der Landtagswahl 2006 spürbar. Die GRÜNEN erzielten am gestrigen Wahlabend knapp 54 000 Stimmen mehr als die SPD. 2006 entschieden sich dagegen noch gut 533 000 Wähler mehr für die Sozialdemokraten als für Die GRÜNEN. Die CDU lag nur noch in 60 der 70 Landtagswahlkreise vor den GRÜNEN bzw. den Sozialdemokraten. In 9 Wahlkreisen erzielten die Kandidatinnen und Kandidaten der GRÜNEN die meisten Stimmen. Die SPD brachte – wie bereits 2006 – lediglich im Wahlkreis Mannheim I die meisten Wähler hinter sich.

Hohe Wahlbeteiligung in der Region Stuttgart und in den Hochburgen von GRÜNEN und FDP

Die Spannbreite zwischen der höchsten Beteiligungsquote von 77,7 Prozent im Wahlkreis Stuttgart II und der niedrigsten im Wahlkreis Mannheim I (52,6 Prozent) betrug 25,1 Prozentpunkte. In 12 Wahlkreisen lag die Beteiligung bei unter 62 Prozent. Von diesen Wahlkreisen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung zählen mit einer Ausnahme (Schwäbisch Hall) alle zum badischen Landesteil. Hingegen waren neun der zehn Wahlkreise mit der höchsten Wahlbeteiligung in der Region Stuttgart zu finden. Betrachtet man die Wahlbeteiligung in den Hochburgen und Diasporagebiete der Parteien, so zeigen sich folgende Ergebnisse: In den Hochburgen der GRÜNEN (69,1 Prozent) und den Hochburgen der Liberalen (67,8 Prozent) war eine überdurchschnittlich hohe Wahlbeteiligung festzustellen. Nur unterdurchschnittlich war hingegen die Beteiligungsquote in den Hochburgen der SPD (61,7 Prozent) und der CDU (64,3 Prozent).

CDU mit starkem Rückhalt in kleineren Gemeinden, SPD und GRÜNE in größeren Städten erfolgreich
Die CDU erzielte ihre höchsten Stimmenanteile in den kleineren Gemeinden des Landes mit unter 10 000 Einwohnern: Hier lag sie mit 43,5 Prozent spürbar über ihrem landesweiten Ergebnis. Bei den Christdemokraten zeigt sich zudem eine tendenzielle Abnahme der Stimmenanteile mit zunehmender Größe der Gemeinden: In den Städten mit 100 000 und mehr Einwohnern entschieden sich lediglich 30,9 Prozent der Wähler für die CDU. Die SPD hingegen konnte mit 24,1 Prozent in Städten von 50 000 bis 100 000 Einwohnern punkten. Ebenfalls überdurchschnittlich viele Stimmen (24,0 Prozent) gingen in den Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern auf das Konto der Sozialdemokraten. In kleineren Gemeinden mit unter 10 000 Einwohnern blieb die SPD mit 21,6 Prozent dagegen erkennbar unter ihrem Landeswert.

Ähnlich lässt sich das Wahlergebnis der GRÜNEN in Bezug auf Gemeindegrößenklassen beschreiben. Sie erzielten mit 31,4 Prozent der gültigen Stimmen ihre besten Resultate in den großen Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern. In den Gemeinden der Größenklasse von unter 10 000 Einwohnern verfehlten sie hingegen mit 21,1 Prozent den Landesdurchschnitt. Die Wahlergebnisse der FDP zeigen im Gegensatz zu CDU, SPD und GRÜNEN eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit von der Gemeindegrößenstruktur. So entspricht das Ergebnis der Liberalen in Gemeinden mit unter 10 000 Einwohnern mit 5,3 Prozent dem Landesergebnis. In Gemeinden von 10 000 bis 50 000 Einwohnern erzielte die FDP 5,4 Prozent der gültigen Stimmen, in den Städten von 50 000 bis unter 100 000 bzw. darüber kamen sie auf jeweils 5,0 Prozent bzw. 5,1 Prozent.

Bei der Wahlbeteiligung zeigte sich tendenziell ein Gefälle mit zunehmender Größe der Gemeinden. Demnach war die höchste Beteiligungsquote in den Gemeinden mit 10 000 und weniger Einwohnern festzustellen (68,2Prozent). In Gemeinden mit 10 000 bis unter 50 000 Einwohnern und in den Städten mit 50 000 bis unter 100 000 Einwohnern lag die Wahlbeteiligung bei jeweils 65,2 Prozent, in Gemeinden mit über 100 000 Einwohnern bei 65,3 Prozent.

Ergebnisse in Gemeinden mit über 30 000 EinwohnernDie CDU schnitt mit 44,8 Prozent der Stimmen am besten in Pforzheim ab. Darauf folgten Schwäbisch Gmünd mit 44,1 Prozent und Albstadt mit 43,0 Prozent. Die SPD konnte in Rheinfelden (34,4 Prozent), Heidenheim an der Brenz (32,5 Prozent), Albstadt (30,7 Prozent) und Mannheim (30,6 Prozent) die höchsten Stimmenanteile für sich verbuchen. Die GRÜNEN brachten in den Universitätsstädten Freiburg (43,0 Prozent), Tübingen (40,8 Prozent), und Heidelberg (36,7 Prozent) die meisten Wähler hinter sich. Die FDP konnte ihr bestes Ergebnis in Fellbach (8,8 Prozent) erzielen, gefolgt von Waiblingen (7,9 Prozent) und Leonberg (7,4 Prozent).

Die höchste Wahlbeteiligung unter den Gemeinden mit über 30 000 Einwohnern konnte in Tübingen festgestellt werden, wo sich 76,8 Prozent der Wahlberechtigten an der Wahl zum 15. Landtag von Baden-Württemberg beteiligten. Auch in Leinfelden-Echterdingen (74,1 Prozent), Ostfildern (73,6 Prozent) und Fellbach (73,5 Prozent) lag die Beteiligungsquote am Urnengang besonders hoch. Schlusslicht bei der Wahlbeteiligung war die Gemeinde Lahr, wo lediglich 49,9 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Ergebnisse für alle Gemeinden Baden-Württembergs erhalten Sie im Internetangebot des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg

(Statistisches Landesamt BW)


 


 

Dieter Hillebrand
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