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Reiserecht

AG Viersen: Rausschmiss von angetrunkenen All-inclusive-Urlaubern begründet einen Reisemangel

Eine Reiseleistung ist mangelhaft, wenn es zwischen einem Paar aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums zu lautstarken Auseinandersetzungen kommt und es daraufhin in ihrem Urlaub aus dem Hotel im Ausland geworfen wird und deshalb vorzeitig nach Deutschland zurückkehren muss. Denn der unbegrenzte Getränkeausschank bei einer All-inclusive-Buchung verleite zu übermäßigem Alkoholgenuss, so dass lautstarke Streitereien keinen ausreichenden Grund für eine Vertragskündigung seitens des Reiseveranstalters darstellen (Amtsgericht (AG) Viersen, Urt. v. 09.04.2013 – Az. 2 C 446/11).

Rausschmiss von All-inclusive-Urlauber wegen übermäßigen Alkoholkonsums aus Hotel

Die betroffenen Urlauber haben eine 18-tägige All-inclusive-Reise in die Türkei zum Gesamtpreis von 1.043 Euro gebucht. Bereits nach einer Woche wurden sie aber ihres ersten Hotels verwiesen. Grund hierfür war angeblich eine nächtliche Ruhestörung der übrigen Gäste. Die Reiseleitung vor Ort konnte den Urlaubern ein neues Hotel vermitteln. Doch nach der Ankunft im zweiten Hotel begab sich das Paar sofort an die dortige Poolbar. Da es sodann erneut zum Eklat kam, verweigerte das Management dem Paar einzuchecken. Die beiden sollen sich in unsittlicher Manier an der Bar Zärtlichkeiten ausgetauscht haben. Die Beiden brachen daraufhin die Reise ab und flogen auf eigene Kosten wieder zurück, die sie vergeblich vom deutschen Reiseveranstalter zurück verlangten.

AG Viersen: Übermäßiger Alkoholkonsum stellt bei All-inclusive-Reisen ein typisches und hinnehmbares Reiseverhalten

Das Gericht folgte zunächst nicht der Behauptung des Touristikunternehmens, die Beiden wären permanent vollkommen betrunken gewesen und seien durch ihr Verhalten am Urlaubsort selbst an der vorzeitigen Beendigung der Reise schuld. Weiter stellte das Gericht fest, dass bei einer All-inclusive-Reise Speisen und Getränke unbegrenzt zur Verfügung stehen. Dazu zählen auch alkoholische Getränke. Insoweit stelle der vermehrte Alkoholkonsum in diesem Fall ein geradezu typisches Reiseverhalten dar. Eine lautstarke Eskalation eines Beziehungsstreits bedingt durch Alkohol halte sich grundsätzlich im hinzunehmenden Rahmen.

Der Reiseveranstalter wurde verurteilt, den Mehraufwand für die individuelle Heimreise zu erstatten. Denn diese Zusatzkosten wären nicht entstanden, hätte sich der Urlaub vertragsgemäß in voller Länge bis zum gebuchten Abreisetag erstreckt. Den Urlaubern sind die Kosten für den vorzeitigen Rückflug in Höhe von 146,50 Euro sowie für die Zugfahrt vom Flughafen nach Hause in Höhe von 20 Euro zu ersetzen.

(Torben Schultz)


 


 

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