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Umwelt

Beschleunigter Rückgang der Treibhausgasemissionen

Laut Dr. Carmina Brenner, der Präsidentin des Statistischen Landesamtes, sind die Pro-Kopf-Emissionen im Südwesten ein Viertel geringer als 1990.

Die Emissionen an Treibhausgasen – Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O) – sind in Baden-Württemberg im Jahr 2009 auf zusammen 75,2 Mill. Tonnen (t) CO2-Äquivalente zurückgegangen. Wie die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Umweltminster Franz Untersteller mitteilte, waren das 14 Mill. t CO2-Äquivalente oder 15,7 Prozent weniger als 1990. Dies ist das Referenzjahr für internationale und nationale Klimaschutzziele.

Durch den zuletzt stark beschleunigten Rückgang der Emissionen im Land hat Baden-Württemberg einen erhöhten Beitrag dazu erbracht, dass Deutschland die im Kyoto-Protokoll eingegangene Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen um minus 21 Prozent gegenüber 1990 und zwar für den Durchschnitt des Zeitraumes von 2008 bis 2012 bereits deutlich erfüllt hat. Die bundesweit 2009 erzielte Reduktion gegenüber 1990 errechnet sich auf gut 26 Prozent. Ausschlaggebend für die im Bundesdurchschnitt deutlich höhere Abnahme war die nach der Wende überaus starke Minderung energieverbrauchsbedingter Treibhausgasemissionen in den ostdeutschen Ländern. In Baden-Württemberg wie auch in weitereren westdeutschen Ländern gab es bis 1995 noch einen Anstieg der Emissionen. Die Minderung der Treibhausgasemissionen seit 1995 liegt im Land mit 17,8 Prozent fast exakt beim Bundesdurchschnitt (17,9 Prozent). Die Pro-Kopf-Emissionen lagen 2009 im Land bei 7,0 t CO2-Äquivalente. Damit weist das Land bei einem Bundesdurchschnitt von über 11 t je Einwohner mit die niedrigsten Emissionen unter den Bundesländern auf. Nur für Thüringen errechnet sich unter allen Flächenländern ein niedrigerer Pro-Kopf-Wert. Die Minderung der Emissionen je Einwohner fiel im Land deutlich stärker aus als bei der Emissionsfracht insgesamt und liegt mit minus 21,3 Prozent gegenüber 1995 deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (17,9 Prozent). Gegenüber dem Basisjahr 1990 ging der Pro-Kopf- Wert fast um ein Viertel (24 Prozent) zurück bei einem Minus von 28 Prozent im Bundesdurchschnitt

Überdurchschnittliche Abnahme bei Methan und Distickstoffoxid

Die 2009 gegenüber 1990 im Land erreichte Reduktion der Treibhausgasemissionen um 14 Mill. t CO2-Äquivalente ist größtenteils auf die nach 2006 erreichte Trendwende bei den energiebedingten CO2-Emissionen zurückzuführen. Verstärkt durch die tiefgreifende Wirtschafts- und Finanzkrise gingen die CO2-Emissionen 2009 auf 66,2 Millionen Tonnen zurück. Das ist die niedrigste Emissionsfracht seit Beginn vergleichbarer Berechnungen im Jahr 1975. Gegenüber 1990 beträgt die Abnahme 11 Prozent (-8,2 Mill. t), gegenüber 1995 sogar 15,3 Prozent. Bis 2006 hatten die energiebedingten CO2-Emissionen, abgesehen von gewissen Schwankungen, kaum abgenommen und lagen mit 78,3 Mill. t noch deutlich über dem Wert von 1990.

Der zweite große Anteil (minus 4,6 Mill. t CO2-Äquivalente) an der Gesamtreduktion in Baden-Württemberg entfällt auf die Methan-Emissionen. Ausschlaggebend für deren Minderung um minus 58 Prozent gegenüber 1990 war die durchgreifende Reduzierung der Methanemissionen aus Abfalldeponien infolge der Verringerung und schließlich des vollständigen Verbots der Deponierung nicht hinreichend mineralisierter Siedlungsabfälle. Auch die Distickstoffoxid-Emissionen konnten gegenüber 1990 überdurchschnittlich stark um 17 Prozent (0,7 Mill. t CO2-Äquivalente) verringert werden. Der mit Abstand wichtigste Emittent ist hier die Landwirtschaft in Form ihrer Aktivitäten der Düngung und Bearbeitung von Böden. Hier sind die N2O-Emissionen um rund 15 Prozent zurückgegangen. Schließlich trug die Abnahme der prozessbedingten CO2-Emissionen (Zementherstellung und andere Produktionsbereiche) mit 0,5 Mill. t CO2-Äquivalenten (minus 17 Prozent) zur Gesamtreduktion der Treibhausgasemissionen bei.

Entkoppelung der CO2-Emissionen von der wirtschaftlichen Entwicklung
Die spezifischen CO2-Emissionen je Einheit Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maß für die Entkoppelung der CO2-Emissionen von der wirtschaftlichen Entwicklung haben gegenüber 1990 um 28 Prozent abgenommen. Allein 10 Prozentpunkte davon gehen auf die Verringerung der CO2-Emissionen in den letzten drei Jahren nach 2006 zurück. Die Entkoppelung der CO2-Emissionen vom Wirtschaftswachstum hat sich seither deutlich verstärkt und liegt höher als im Bundesdurchschnitt. Der Rückgang der spezifischen Emissionen ist im Südwesten auch stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Bundesländern. Der Hauptgrund für den Rückgang der CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 11 Prozent liegt in der Entwicklung des Energiemixes im Land. Zwar ging der Primär-energieverbrauch nach 2006 ebenfalls erkennbar zurück, er lag aber im Jahr 2009 noch um gut 8 Prozent über dem Wert des Basisjahres 1990. Stark verändert hat sich seither die Zusammensetzung des Primärenergieverbrauchs. Besonders emissionsmindernd wirkte sich der erheblich verringerte Einsatz an Steinkohle aus, der 2009 unter den des Jahres 1983 fiel. Gleichfalls positiv für die Entwicklung der CO2-Emissionen war die massive Umschichtung beim Verbrauch weg vom Heizöl und hin zum deutlich CO2-ärmeren Erdgas. Auch der per Saldo gestiegene Stromimport wirkt sich mindernd auf die CO2- Bilanz im Land aus. Der Anteil der Kernenergie lag 2009 mit 24,3 Prozent fast exakt beim Wert des Jahres 1990.

Erneuerbare Energien verbessern die CO2-Bilanz nachhaltig

Der gesteigerte Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch wirkt sich auf die Höhe der CO2-Intensität des Energieverbrauchs und damit auf die CO2-Emissionen im Land nachhaltig mindernd aus. Der Anteil erneuerbarer Energien stieg von unter 2 Prozent im Referenzjahr 1990 auf über 9,3 Prozent im Jahr 2009. Dies ist hauptsächlich auf die außerordentliche Ausweitung der energetischen Nutzung von Biomasse einschließlich biogener Abfälle zurückzuführen. Durch die Steigerung ihres Einsatzes auf den 7,5-fachen Wert des Jahres 1999 macht Biomasse 2009 mehr als Dreiviertel (77 Prozent) der im Land genutzten erneuerbaren Energien aus. Zum Vergleich: die aus Wind und Sonne gewonnene Energie hat bei einer Steigerung auf den gegenüber 1999 mehr als 11fachen Wert im Jahr 2009 einen Anteil von knapp 10 Prozent an den erneuerbaren Energien erreicht.

Einen wachsenden Beitrag zur Nutzung von Biomasse leistet die Abfallwirtschaft. Durch die im Land 2009 für die Strom- und Wärmegewinnung eingesetzten biogenen Siedlungsabfälle wurden nach modellhaften Berechnungen des Statistischen Landesamtes indirekt 1,6 Mill. t CO2-Emissionen vermieden. Und nach Ergebnissen der aktuellen Abfallstatistik stieg dieser Vermeidungsbeitrag der thermischen Nutzung biogener Abfälle 2010 um gut 17 Prozent auf 1,9 Mill. t weiter an.

Erstmals lagen 2009 die CO2-Emissionen in allen Verbrauchssektoren – außer im Straßenverkehr – unter dem Vergleichswert von 1990. Besonders auffällig war die Abnahme im Umwandlungsbereich, bei der Strom- und Wärmeerzeugung für die allgemeine Versorgung. Hauptgründe sind der Rückgang beim Steinkohleeinsatz und der Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien. Ihr Anteil an der Stromerzeugung stieg im Land 2009 auf 15 Prozent. Die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs lagen trotz des seit dem Jahr 2000 erreichten rückläufigen Trends noch um knapp 3 Prozent über dem Referenzjahr 1990. Sein Anteil an den gesamten energieverbrauchsbedingten CO2-Emissionen im Land ist dadurch spürbar angestiegen und beträgt aktuell fast 30 Prozent. Ein Grund für diese vergleichsweise ungünstige Entwicklung der straßenverkehrsbedingten CO2-Emissionen sind die nach wie vor steigenden Jahresfahrleistungen.

(Statistisches Landesamt BW)


 


 

CO-Emissionen
Mill
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Anteil
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Baden-Württemberg
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Rückgang
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Entkoppelung
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