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Optionsgeschäfte

Finanzverwaltung bleibt ihrer Linie treu

Optionsgeschäfte gehören zu den Termingeschäften. Der Käufer der Option (Optionsnehmer) erwirbt vom Verkäufer der Option (Optionsgeber/Stillhalter) gegen Zahlung einer Optionsprämie das Recht, eine bestimmte Anzahl von Basiswerten (z.B. Aktien) am Ende der Laufzeit oder jederzeit innerhalb der Laufzeit der Option (z.B. bei Eurex-Optionen) zum vereinbarten Basispreis entweder vom Verkäufer der Option zu kaufen (Kaufoption/Call) oder an ihn zu verkaufen (Verkaufsoption/Put). Diesem Recht des Optionskäufers steht die entsprechende Verpflichtung des Verkäufers der Option gegenüber, die Basiswerte zu liefern oder abzunehmen, wenn der Optionskäufer sein Optionsrecht ausübt.

Zur steuerlichen Behandlung von Optionsgeschäften hat die Finanzverwaltung in ihrem BMF-Schreiben vom 22.12.2009 (vgl. Tz. 11-35) größtenteils wortwörtlich die bisherige Verwaltungsauffassung (vgl. BMF-Schreiben vom 27.11.2001, BStBl I 2001, S. 986) übernommen. Zuletzt war insbesondere strittig, wie der Verfall einer Option im Privatvermögen am Ende der Laufzeit steuerlich zu behandeln ist. Einzelne Finanzgerichte hatten entschieden, dass Aufwendungen für verfallene Optionsrechte zu einem steuerlichen Verlust führen können (vgl. Steuerzahler-Tip Nr. 4/2008, S. 6). Der BFH hatte diese steuerzahlerfreundliche Sichtweise jedoch ausdrücklich abgelehnt (vgl. Steuerzahler-Tip Nr. 7/2008, S. 7). Danach gilt: Wer erworbene Optionen verfallen lässt, erfüllt nicht den Tatbestand eines Spekulationsgeschäfts (§ 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 EStG a.F.). Auch nach Einführung der Abgeltungsteuer ändert sich nach Ansicht der Finanzverwaltung hieran nichts. Lässt der Inhaber der Kaufoption diese am Ende der Laufzeit verfallen, sind deren Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten nach Ansicht des BMF einkommensteuerrechtlich ohne Bedeutung (vgl. Tz. 27 des BMF-Schreibens vom 22.12.2009). Gleiches gilt, wenn der Inhaber der Verkaufsoption diese am Ende der Laufzeit verfallen lässt (vgl. Tz. 32 des BMF-Schreibens vom 22.12.2009).

Die steuerliche Erfassung von Optionsgeschäften erfolgt nach Einführung der Abgeltungsteuer über § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3a EStG. Nach dem Wortlaut der Vorschrift kann unseres Erachtens schon gefolgert werden, dass eine Beendigung des Rechts auch durch den Verfall einer Option nicht ausgeschlossen ist und somit auch auf diesem Weg erfolgen kann, was eigentlich eine steuerliche Berücksichtigung zur Folge hätte. Deshalb wird die Ansicht der Finanzverwaltung und des BFH auch in der Literatur größtenteils kritisiert, ebenso durch zahlreiche Finanzgerichte. Für den Anleger ist dies allerdings wenig tröstlich.

(!) Im Steuerzahler-Tip Nr. 9/2009, S. 6, hatten wir darüber berichtet, dass die Finanzverwaltung solche Fälle intensiv prüfen wird, in denen Verluste aus der Veräußerung von Optionsscheinen am letzten Handelstag geltend gemacht wurden, die veräußerten Optionsscheine im Zeitpunkt der Veräußerung faktisch wertlos waren und nur ein symbolischer Veräußerungserlös erzielt wurde. Hier will die Finanzverwaltung kritisch prüfen, ob ein steuerlicher Gestaltungsmissbrauch vorliegt.

(TIPP) Sollte es aufgrund dieser Verwaltungsauffassung zum Rechtsstreit kommen, könnte möglicherweise die BFH-Entscheidung vom 25.8.2009 (Az. IX R 60/07, vgl. Steuerzahler-Tip Nr. 12/2009) hilfreich sein. Mit diesem Urteil hat der BFH klargestellt, dass kein Gestaltungsmissbrauch vorliegt, wenn Wertpapiere innerhalb der alten einjährigen Spekulationsfrist mit Verlust veräußert und am selben Tag in gleicher Art und Anzahl, aber zu unterschiedlichem Kurs wieder gekauft werden.

(VSRW-Verlag)


 


 

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