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Ampelmann

Ein stummer Mann mit Hut feiert Jubiläum - Der ostdeutsche Ampelmann ist vor 50 Jahren in der DDR offiziell vorgestellt worden

Noch nie hat er einen Mucks von sich gegeben, trotzdem folgen täglich Hunderttausende Menschen seinem Kommando. Klein ist er, hat eine Knollnase und trägt einen altmodischen Hut; gerade deshalb ist er Kult.

 Am Donnerstag feiert er seinen 50. Geburtstag: Der ostdeutsche Ampelmann. Seit Jahrzehnten leuchtet er nun schon rot oder grün auf und zeigt Deutschlands Bürgern tagein tagaus, wann sie die Straße überqueren sollten und wann besser nicht.

Die Erfolgsgeschichte des kleinen Mannes begann in der DDR. Bis zu seiner Entdeckung hatten schnöde Autoampeln seinen Job erledigt. Charakterlos leuchteten ihre gleichförmigen Punkte abwechselnd rot, gelb und grün auf. Doch es war nicht das fehlende Charisma, die den herkömmlichen Ampeln das Aus bescherte. Vielmehr trieb die zuständigen Verkehrsbehörden die Sorge um, dass Tageslicht oder Reklameleuchten die Signale unkenntlich machen oder farbenblinde Menschen die Punkte nicht unterscheiden könnten. Unfälle waren vorprogrammiert. Es musste eine neue Lösung nur für Fußgänger her.
Erfindung eines Ampelzeichens, das Emotionen weckt

Karl Peglau, seinerzeit leitender Verkehrspsychologe beim "Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der DDR/Direktion Berlin", nahm sich der Sache an. Schon Jahre bevor er den offiziellen Auftrag von den Behörden bekam, hatte er an einem Lichtzeichen-Symbol getüftelt, das Fußgänger emotional ansprach. "Bekanntlich erzielen angenommene und gerngesehene Verhaltenssymbole eine höhere Bereitschaft zur Einhaltung ihrer Regelungsabsichten", schrieb Peglau später in dem "Buch vom Ampelmännchen".

Schließlich wurde die Idee vom Ampelmann geboren. Zeichnerisch selbst nicht so begabt, überließ Peglau die grafische Umsetzung seiner Vision seiner Sekretärin Anneliese Wegner. Diese malte dem kleinen Mann seine markante Nase, den Hut, ein lachendes Gesicht und detailgetreu fünf Finger an die Hand. In der einen Version schritt der Ampelmann forschen Schrittes voran, in der anderen signalisierte er mit ausgestreckten Armen: Halt! Stehen bleiben!

Die Idee zu Papier gebracht stellte Peglau sein Ampelmännchen am 13. Oktober 1961, vor genau 50 Jahren, offiziell der Verkehrsbehörde der DDR vor. Es folgte ein langer Weg zur bis zu seiner Genehmigung. Auf seinem Gang durch die Instanzen wurden dem Ampelmännchen aus "ausleuchtungstechnischen Gründen" alle Finger und Ohren amputiert - da ist es nachzuvollziehen, dass sein breites Lachen ebenfalls verschwand. Die Laufrichtung des grünen Mannes wurde von rechts nach links geändert.

Was blieb, war der markante Hut - sehr zum Erstaunen seines Erfinders: "Wir hatten uns ernstlich Sorgen gemacht, dass dieses fröhliche Merkmal als eine kleinbürgerliche Tendenz angesehen würde und ideologische Schwierigkeiten für die Zustimmung bei den staatlichen Stellen auslösen könnte", schrieb Peglau, der 2009 verstarb.

Ampelmann leuchtete das erste Mal Unter den Linden

Im Jahr 1969 war es dann endlich soweit: Die erste Ampelmann-Fußgängerampel wurde in Berlin an der Kreuzung Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße installiert. Von da an nahm die Erfolgsgeschichte des Ampelmännchens ihren Lauf. Bereits nach wenigen Jahren leuchtete es an allen Straßen der DDR. Anfang der 80er Jahre bekam es sogar eine Rolle in der Fernsehserie "Stiefelchen und Kompasskalle", in der Kindern der richtige Umgang im Straßenverkehr erklärt wurde.

Doch mit der Wende schien der Siegeszug des Ampelmannes dem Ende nah. Die ostdeutschen Ampeln wurden in den Jahren nach der Wiedervereinigung durch jene aus dem Westen ersetzt. Entrüstet über die Entwicklung gründete sich 1996 ein "Komitee zur Rettung der Ampelmännchen". Auch Ampelvater Karl Peglau war mit von der Partie.

Die Rettung der Ampelmänner schrieb sich auch der Designer Markus Heckhausen auf die Fahne. Aus Original-Ampelmanngläsern fertigte er in den 90er-Jahren Wandlampen, die ihm Kunden begeistert aus den Händen rissen. Heckhausen machte den kleinen Wegweiser zur Marke und kreierte diverse Ampelmann-Produkte, die er bis heute verkauft. Der Ampelmann wurde zur Kult-Figur und zum Markenzeichen der Ostalgie. Die Politik zeigte Nachsicht: 1997 wurde der Ampelmann in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen und durfte von da an auch auf Deutschlands Straßen stehen bleiben.

Nun, zu seinem 50. Geburtstag, bekommt der Ampelmann Besuch von Freunden aus der ganzen Welt. In einer Ausstellung vor dem Berliner Ampelmann-Restaurant werden ab Donnerstag Original-Fußgängerampeln aus circa 30 Nationen gezeigt. Eine so bewegte Geschichte, wie die des Jubiliars aus Berlin, wird aber wohl keiner der leuchtenden Gäste im Gepäck haben.

(Redaktion)


 


 

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