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Konjunktur

Deutschem Auftragseingang wird schwindelig vor Schwung

Die deutsche Industrie kommt rasant in Schwung, so rasant, dass einem schier schwindlig werden könnte. Der Auftragseingang weist inzwischen monatliche Zuwachsraten auf, die in anderen Bereichen für ein ganzes Jahr ausreichen müssen: plus 2,8% im April, nach plus 5,1% im März.

Zudem sind die Bestellzahlen in diesen beiden Monaten nur in geringem Umfang von Großaufträgen verzerrt, die zwar die Orderzahlen schön aussehen lassen, aber erst so ganz allmählich ihren Niederschlag in der tatsächlichen Produktion finden. Für die deutsche Industrie und die deutsche Volkswirtschaft zeichnen sich also, sollte es nicht wieder zu schockartigen, das gesamte Wirtschaftssystem gefährdenden Ereignissen à la Finanzkrise oder Lehman-Pleite kommen, Monate kräftigen Wachstums ab.

Die hiesige Industrie hat sich inzwischen beim Auftragseingang vom Lehman-Schock fast erholt. Der Orderindex aus Auslands- und Inlandsbestellungen liegt wieder nahezu so hoch wie im September 2008, als der überraschende Kollaps der US-Investmentbank die Weltwirtschaft noch viel tiefer in den Abgrund der Rezession riss, den das Platzen der US-Immobilienblase aufgetan hatte.

Vom jüngsten Schuldenschock in der Eurozone zeigt sich die deutsche Industriekonjunktur bislang unbelastet. Der gegen den allgemeinen Trend laufende Rückgang der Neuorders aus den Euro-Partnerländern im April ist nicht aussagekräftig. Er folgt einem zehnmal so großen Zuwachs im März. Diese Datenreihe ist sehr sprunghaft. Das fast auf die Nachkommastelle identische Bild zeigte sich auch im Januar und Februar. Unterm Strich ergibt sich seit Jahresbeginn ein fast doppelt so hohes Plus wie im Exportgeschäft mit den Staaten außerhalb der Währungsunion.

Droht nun aber der deutschen Industrie ein Einbruch, weil viele Länder drastische Sparmaßnahmen ergreifen, so wie sie als unmittelbare Reaktion auf die Finanzkrise milliardenschwere Konjunkturpakete geschnürt hatten? Mittelfristig werden wohl Bremseffekte auftreten, aber sie sollten sich in Grenzen halten. Denn zum einen wird die deutsche Binnenkonjunktur zusehends robuster. Zum anderen floriert eine Reihe von deutschen Absatzmärkten inzwischen auch ohne Staatshilfen wieder. Da wirkt die aus der europäischen Schuldenkrise resultierende Euro-Schwäche geradezu wie ein zweites Konjunkturprogramm.

(Reinhard Kuls / Börsen Zeitung)


 


 

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