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Banken drohen weitere Milliardenverluste

(bo/ddp.djn). Bei den deutschen Banken muss in den kommenden Monaten offenbar noch mit zahlreichen bösen Überraschungen als Folge der internationalen Finanzkrise gerechnet werden. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Wochenende unter Berufung auf eine Umfrage von Bundesbank und Bankenaufsicht unter 20 großen deutschen Kreditinstituten berichtete, haben die Geldhäuser erst einen Bruchteil ihrer faulen Wertpapiere abgeschrieben. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sieht sich dadurch in seiner Ablehnung einer sogenannten staatlichen Bad Bank, in die die Banken ihre problematischen Wertpapiere ausgliedern können, bestätigt.

Der Umfrage zufolge besäßen die deutschen Banken «toxische Wertpapiere» im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro, von denen erst rund ein Viertel abgeschrieben worden sei, schreibt das Magazin. Der Rest stehe noch immer zu mittlerweile illusorischen Werten in den Büchern. Regierungsexperten rechneten mit einem erheblichen Wertberichtigungsbedarf, der zu weiteren hohen Verlusten bei den Banken führen dürfte. Die bevorstehenden Quartalsberichte der Banken dürften damit so manche böse Überraschung offenbaren.

Das wiederum bedeutet, dass schon bald noch mehr Institute auf staatliche Kapitalspritzen angewiesen sein könnten. Das Bundesfinanzministerium selbst geht dem Bericht zufolge davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt. Ein Sprecher des Hauses von Minister Steinbrück bestätigte am Wochenende in Berlin auf Anfrage die Existenz dieser Umfrage. Die genannten Zahlen wollte er allerdings nicht bestätigen.

Durch die Ergebnisse der Umfrage sieht sich Steinbrück in seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Gründung einer sogenannten Bad Bank bestätigt. Bankenvertreter fordern schon seit längerem die Einrichtung einer solchen Bank, also einer Art staatlichen Mülldeponie für faule Kredite. Ohne die Maßnahme könne der Kreditfluss nicht wieder in Gang kommen, argumentieren sie.

Eine solche «Bad Bank» könne er sich «ökonomisch und vor allem politisch nicht vorstellen», sagte Steinbrück der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Gerade diejenigen, die jetzt eine solche «Bad Bank» forderten, hätten gleichzeitig kundgetan, dass sie den staatlichen Banken-Rettungsschirm nicht in Anspruch nehmen wollten.

Eine solche Bank müsste mindestens mit einem Kapital von 150 oder 200 Milliarden Euro unterlegt sein, sagte Steinbrück. Dies müsste öffentliches, also Steuergeld sein. «Wie soll ich mit einem solchen Vorschlag vor den Deutschen Bundestag treten?», fragte Steinbrück. «Das Publikum würde uns für verrückt erklären.»

Auf die Frage, ob der staatliche Banken-Rettungsschirm vor dem Hintergrund der neuen, schlechten Quartalszahlen der Banken ausreichend sei, sagte Steinbrück: «Keiner kann das heute sagen.» Bei den Bürgschaften seien 100 von 400 Milliarden Euro abgerufen und bei den Hilfen zur Stärkung des Eigenkapitals 18 von 80 Milliarden. «Es gibt also noch Spielraum», betonte der Minister.

Die Partei Die Linke zeigte sich schockiert über das Ausmaß der Krise. «Die jüngsten Informationen über noch tiefere Verstrickungen deutscher Banken in die 'toxischen' Finanzmarkt-Papiere übertrifft meine tiefsten Befürchtungen», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Ulrich Maurer. «Sollten auch diese Zocker-Verluste wie gehabt auf die Steuerzahler abgewälzt werden, kann das zum Sargnagel der Glaubwürdigkeit unseres politischen Systems werden», warnte er. Die Gründung einer staatlichen «Bad Bank» wäre der Offenbarungseid der Politik.

(Redaktion)


 


 

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