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Rhetorik

Was Obama kann – kann Merkel schon lange

“Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen …

… Da siegt zum Schluss immer die Wand”, sagte Angela Merkel zum Tarifkonflikt zwischen der Lokführergesellschaft GDL und der Bahn. Und nach diesem Motto regiert, reagiert und agiert sie auch. Wurde ihr einst vorgeworfen, Merkel sei richtungslos, führungsschwach und kraftlos, sie würde nur aus dem Hintergrund agieren, zeigt sich heute eine selbstbewusste Frau, die sich ihrer Verantwortung, aber auch ihres Einflusses auf dem internationalen politischen Parkett bewusst ist – auf dem man schnell ausrutschen kann, Merkel hält sich aber souverän.

Die Kanzlerin wurde in eine Ära der Krise gestoßen. Sie wurde mit Wachsen der Wirtschafts- und Finanzkrise immer bedeutungsvoller – und mit ihren Aufgaben wuchs ihre rhetorische Stärke. Eines zeigt doch deutlich ihre wachsende Souveränität: Trotz aller Vorwürfe der Richtungslosigkeit wählte man sie, “unsere Kanzlerin”, am 27. September 2009 wieder. Den Unterschied zwischen der ersten Amtsperiode der Kanzlerin und der jetzigen erkläre ich mir unter anderem so:

In ihren ersten vier Jahren hatte Merkel eine Partei an ihrer Seite, mit deren Führungsspitze sie sehr gut kooperieren und agieren konnte. Selbst im vergangenen Wahlkampf hielt Merkel die Fäden fest in ihren Händen. So war ihre Körpersprache gegenüber der des Kanzlerkandidaten der Koalitionspartei Steinmeier klar und bestimmt. Die von Steinmeier dagegen kooperativ und unterwürfig. Bis heute hat er noch nicht gelernt, dass die Hände während bedeutender Aussagen nicht in die Hosentaschen gehören! – Kurz: Das Abrutschen der SPD kann auch dafür gesorgt haben, dass Merkel zu noch stärkerem Selbstbewusstsein gefunden hat, was in ihrer Rhetorik deutlich zu spüren ist. Ihren einstigen rhetorischen Unzulänglichkeiten muss ich zugute halten: Sie haben dem Bürger das Vertrauen darin gegeben, dass diese Frau “eine von ihnen” ist. Das allerdings war nur in den ersten Regierungsjahren wichtig; heute ist sie soweit, ihren Standpunkt fest zu vertreten.

Angesichts der Weiterentwicklung der Weltgeschichte ist diese Standfestigkeit heute auch nötig, um das eben erwähnte Vertrauen weiter zu bekommen: Klimawandel, Unternehmenspleiten, Finanzkrise, soziale Unsicherheit, internationale Sicherheitsbedrohungen, schon wieder gestohlen Bankdaten – all das sind Themen, zu denen Merkel etwas zu sagen weiß und sich nicht der Debatte entzieht. Merkel ist mittlerweile eine feste Kanzlerin, die auf Basta-Rhetorik verzichten kann, Diplomatie einzusetzen weiß und nonverbal das ist, was Obama noch vor einigen Monaten darstellte: Eine souveräne Respektsperson.

(Dr. Anna Martini M.A.)


 


 

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