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Historischen Archiv

Bergung im Zwei-Schichten-Betrieb

Als „Supergau für das Gedächtnis der Stadt“ hat der Kölner Kulturdezernent Prof. Georg Quander heute den Einsturz des Historischen Archivs bezeichnet. Er hält den entstandenen Schaden für den größten in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. 90 Prozent der Bestände liegen entweder unter dem Trümmerberg oder sind mit dem Schutt in den U-Bahn-Schacht vor dem Haus gestürzt. Quander hofft, von den Archivalien im Trümmerberg noch einiges bergen zu können. Dagegen befürchtet er, dass viele der Dokumente im Schacht unwiederbringlich verloren sind. Darüber, wo sich welche Materialien zurzeit befinden, gibt es noch keine Erkenntnis.

Die Leiterin des Historischen Archivs, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, berichtet von Hilfsangeboten aus ganz Deutschland, aber auch aus Belgien, der Schweiz und Österreich. Im Einsatz bei der Bergung der Bestände sind 50 bis 60 Mitarbeiter, darunter städtische, aber auch vom Landschaftsverband Rheinland, Historischen Archiv des Erzbistums Köln, Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv, nordrheinwestfälischen Landesarchiv in Münster und von der Dombauhütte. Hinzu kommen Studierende des Fachbereichs Restaurierung an der Fachhochschule Köln. Ohne diese Hilfe wäre die Bergung des Archivbestands nicht möglich. 

Die Helfer konnten bisher rund 40 Prozent der historischen Urkunden, die so genannte Dienstbibliothek – zum Teil aus dem 15. Jahrhundert – sowie die Film- und Foto-Sammlung bergen. Aus ihren Diensträumen retteten die Mitarbeiter des Historischen Archivs das analoge Bestandsverzeichnis, in dem rund 150 Jahre Arbeit stecken. Die weitere Bergung der Archivalien geschieht im Zwei-Schichten-, voraussichtlich bald im Drei-Schichten-Betrieb. In der Nacht zum heutigen Freitag, 6. März 2009, haben die Helfer 50 Container mit Dokumenten aus dem 6. Stock des Archivs aus dem Schutt gerettet, das sind jedoch lediglich 0,8 Prozent des verschütteten Materials.

Bei der Bergung bringen Feuerwehrleute die Kartons mit dem Archivgut aus dem Trümmerberg, dann sichten Archivare die Funde und ersetzen nasse Verpackungen durch trockene. In Containern geht das Material dann zu einer Außenstelle, wo weitere Archivmitarbeiter die Dokumente vom Schutt trennen und anschließend in ein Lager schicken. Vollkommen durchnässte Funde werden tiefgefroren, damit das Wasser keine Schäden anrichtet.

Schmidt-Czaia rechnet damit, dass lange Zeit vergehen wird, bevor das Historische Archiv seine Pforten wieder öffnen kann. Bei der Restaurierung der Bestände rechnet sie mit einem Zeitraum von zwei bis drei Jahrzehnten.

(Redaktion)


 


 

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