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Studie der Bertelsmann Stiftung

Zeitarbeit in Deutschland hat sich dynamisch entwickelt

Befristete Beschäftigung

Ein anderes Bild ergibt sich der Studie zu Folge im Bereich befristeter Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit. Sie ist in Deutschland auf den ersten Blick relativ weit verbreitet. Beim Anteil der befristeten Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen nimmt Deutschland mit knapp 15 Prozent im internationalen Vergleich einen Platz im oberen Mittelfeld ein. Beim Spitzenreiter Spanien liegt dieser Wert etwa doppelt so hoch, aber auch in den Niederlanden oder in Schweden haben mit 18 beziehungsweise 16 Prozent mehr Menschen Arbeitsverträge mit begrenzter Dauer. Ein Blick auf die Gründe für Befristungen relativiert das Ausmaß dieser Beschäftigungsform in Deutschland. Nahezu alle beruflichen Ausbildungsverträge sind von begrenzter Dauer, so dass deutlich mehr als die Hälfte aller Befristungen auf Tätigkeiten im dualen Ausbildungssystem zurückzuführen ist.

Zeitverträge

Häufig werden Zeitverträge auch eingesetzt, um eine faktische Verlängerung der gesetzlich zulässigen Probezeit zu erreichen, die auf sechs Monate begrenzt ist. Diesem Zweck dient etwa ein Sechstel aller Befristungen. Zwar erscheint auch der Anteil von unfreiwilligen Be¬fristungen von etwa einem Viertel recht hoch, es handelt sich dabei aber um den drittniedrigsten Wert im Vergleich von 23 europäischen Ländern. Vor allem in südeuropäischen Ländern ist der Anteil unfreiwilliger Befristungen mit über 80 Prozent ungleich höher, auch Frankreich oder die skandinavischen Länder weisen noch Werte zwischen 40 und 60 Prozent auf. Auch bei dieser Beschäftigungsform liegen die Probleme in erster Linie im schwierigen Übergang in unbefristete Arbeitsverhältnisse. Dies zeigt sich vor allem in der öffentlichen Verwaltung, wo Zeitverträge besonders stark an Gewicht gewonnen haben. Dort erfolgen inzwischen zwei Drittel aller Neueinstellungen über Befristungen. Dagegen fällt die Übernahmequote in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis mit knapp einem Viertel deutlich geringer aus als etwa im produzieren¬den Gewerbe (59 Prozent) oder bei produktionsbezogenen Dienstleistungen (40 Prozent). Im Vergleich zu anderen Branchen haben es Einsteiger in den öffentlichen Dienst also wesentlich schwerer, dauerhaft dort Fuß zu fassen. In der Studie „Atypische Beschäftigung und Niedriglohnarbeit“ werden auch weitere Formen atypischer Arbeitsverhältnisse im internationalen Vergleich dargestellt. Dazu zählen geringfügige Beschäftigung, neue Formen der Selbstständigkeit und gering entlohnte Tätigkeiten.

(Redaktion)


 


 

Dr. Gunter Thielen
Bertelsmann Stiftung
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