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Besonderheit aus Bielefeld: Patienten-Informations-Zentrum unterstützt auch Klinikpersonal

Die Veränderungen im Gesundheitswesen sind unübersehbar: Die Verweildauer im Krankenhaus wird kürzer, auf der anderen Seite werden Therapien immer komplexer.

Oft müssen Patienten in kürzester Zeit medizinische Zusammenhänge verstehen und sich für Behandlungsmethoden entscheiden. Die Folge: Der Bedarf an Informationen und Schulungen rund um die Themen Gesundheit und Krankheit nimmt zu. ´

In Bielefeld können sich seit Juni 2007 Patienten und deren Angehörige kostenlos und unverbindlich im Patienten-Informations-Zentrum (PIZ) der Städtischen Kliniken Bielefeld informieren. Leiterin der Einrichtung ist die Gesundheitswissenschaftlerin (Bachelor of Science) Sandra Schenk.

„Versorgungslandschaft gleicht einem Dschungel“

Mit welchen Unsicherheiten und Ängsten Patienten in ein Krankenhaus kommen, weiß Sandra Schenk aus Erfahrung. Bevor sie ihr Studium der Gesundheitskommunikation an der Universität Bielefeld aufnahm, absolvierte die 30-Jährige eine Krankenpflegeausbildung in den Städtischen Kliniken.

„Ärzte und Pflegepersonal haben wenig Zeit. Die Visite am Krankenbett reicht oft nicht aus, um alle Fragen erschöpfend zu beantworten“, so Sandra Schenk. „Viele geben sich damit nicht zufrieden. Patienten sind heute sehr viel selbstbewusster als noch vor einigen Jahren und wollen alles über Krankheitsverlauf und Behandlungsmethoden wissen.“ Nach Ansicht der Gesundheitswissenschaftlerin eine positive Entwicklung. „Die Versorgungslandschaft in Deutschland gleicht einem Dschungel. Da ist es wichtig, dass man sich gut informiert.“

Während ihres Studiums lernte die gebürtige Bielefelderin das Patienten-Informations-Zentrum (PIZ) des Klinikums Lüdenscheid kennen. Sandra Schenk fand die Einrichtung so spannend, dass sie ihre Bachelorarbeit darüber schrieb und ein eigenes Konzept für die Städtischen Kliniken Bielefeld entwickelte. Die gelernte Krankenschwester stellte den Entwurf der Pflegedirektion vor und stieß auf Interesse. „Zu Testzwecken wurde das PIZ zunächst als Projekt eingerichtet. Seit Juni 2007 läuft es im Echtbetrieb.“ Auf die Position als Leiterin musste sie sich offiziell bewerben. „Letztendlich haben wir Frau Schenk die Stelle gegeben, weil sie ein breites gesundheitsbezogenes Wissen besitzt“, erklärt Dr. Johannes Kramer, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Bielefeld. „Außerdem kennt sie sich in den internen Strukturen der Klinik bestens aus.“

Bielefelder PIZ hilft Patienten und Mitarbeitern

Mittlerweile verfügen einige Kliniken in Deutschland über Patienten-Informations-Zentren. Gleichwohl ist das Bielefelder PIZ etwas Besonderes. „Der Unterschied zu anderen Einrichtungen ist, dass ich nicht nur den Patienten bei Fragen zur Seite stehe, sondern auch für die Belegschaft unserer Klinik da bin.“ Mit ihnen erstellt Sandra Schenk Merkblätter und Flyer für Patienten und organisiert Veranstaltungen. „Außerdem lege ich sehr viel Wert darauf, dass das Pflegepersonal aller Stationen das PIZ besucht, um sich ein Bild von dem Angebot zu machen.“ Stark engagiert ist die junge Frau auch in ihrer Funktion als Selbsthilfebeauftragte der Städtischen Kliniken. „Deshalb haben wir einen guten Kontakt zu den verschiedenen Selbsthilfegruppen in Bielefeld.“

Bibliothek mit verständlicher Literatur

Das Serviceangebot des PIZ richtet sich in erster Linie an Patienten der Städtischen Kliniken und deren Angehörige. Aber auch Bielefelder Bürger, die nicht Patienten sind, können sich montags bis freitags ganztägig bei Sandra Schenk informieren. Um auf ihre Dienstleistungen aufmerksam zu machen, wirbt die ehemalige Krankenschwester über das Patientenfernsehen, legt Flyer aus und ist auf den Internetseiten der Städtischen Kliniken präsent. „Wichtige Multiplikatoren sind zudem die Mitarbeiter, ehrenamtlich tätige Helfer oder ehemalige Patienten.“

Die drei Räume des PIZ befinden sich in exponierter Lage im Erdgeschoss des Klinikums Mitte. Dort können Besucher unter Anleitung der Gesundheitsfachfrau in der Bibliothek mit Literatur, die auch Laien verstehen, stöbern. Auch, wenn es darum geht, sich auf fachspezifischen Seiten im Internet zurechtzufinden, hilft Sandra Schenk weiter. „Viele Besucherinnen und Besucher möchten wissen, wie sie dauerhaft etwas für ihre Gesundheit tun können“, so Sandra Schenk. „Deshalb kann man sich bei mir außerdem Adressen von Sport- oder Selbsthilfegruppen geben lassen.“

Für die Ratsuchenden nimmt sich die Leiterin des PIZ viel Zeit. „Ganz wichtig ist, dass ich nur informiere und nicht berate. Ich spreche keine Empfehlungen aus“, betont Sandra Schenk. „Wenn man zu mir kommt, muss die Diagnose gesichert sein. Ansonsten wird derjenige wieder weggeschickt – Aufklärung ist Sache des Arztes.“ Zu groß sei die Gefahr, dass falsche Hoffnungen geweckt würden. „Gerade Menschen mit seltenen Krankheiten klammern sich an jeden Strohhalm und hoffen auf ein Wunder“, weiß die Fachfrau.

„Gesundheitsthemen sind Frauenthemen“

Insbesondere Patienten im Alter zwischen 60 und 70 Jahren wenden sich an Sandra Schenk. „Diese Altersgruppe ist häufiger krank als andere und hat das größte Informationsdefizit. Was unter anderem damit zusammenhängt, dass viele ältere Menschen keinen Zugang zum Internet haben.“ Generell kommen mehr Frauen als Männer ins PIZ. „Gesundheitsthemen sind immer noch Frauenthemen.“

Standen Ärzte und Pflegepersonal in den Städtischen Kliniken Bielefeld dem PIZ zunächst reserviert gegenüber, ist die Einrichtung mittlerweile eine feste Größe. „Dass Patienten zu mir geschickt werden, ist ein echter Vertrauensbeweis“, freut sich Sandra Schenk.

(Redaktion)


 


 

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