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Nordrhein-Westfalen ohne Barrieren

Bielefelderin Angelika Gemkow kämpft als Landesbehindertenbeauftragte für die Rechte behinderter Menschen

„Ich bin unabhängig!“

Sie selbst ist zutiefst davon überzeugt, dass die christlich-soziale Idee in der Politik wichtiger ist denn je. Die CDU-Politikerin, die sich bewusst Zeit für zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten nimmt, will bei den Menschen sein. Politische Parolen und Worthülsen sind nicht ihr Ding. Gleichwohl ist sie Politikerin und selbstbewusst genug, um die Befugnisse ihres Ehrenamtes weit auszulegen: „Ich bin unabhängig.“

Ihr Büro hat die Landesbehindertenbeauftragte im Düsseldorfer Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS). Dort stehen 5,5 Stellen zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, allesamt ausgewiesene Experten, sind Angestellte des Landes. Ein eigener Etat ermöglicht die Ausrichtung von Veranstaltungen, das Ausloben von Wettbewerben, die Publikation von Flyern und Informationsschriften, die Steuerung des eigenen Internetauftritts. Zu offiziellen Terminen lädt die Landesbeauftragte gerne demonstrativ in die Düsseldorfer Staatskanzlei ein.

Die Ministerien haben die gesetzliche Pflicht, die Landesbehindertenbeauftragte bei Gesetzes- und Verordnungsverfahren sowie bei der Erarbeitung von Verwaltungsvorschriften anzuhören. Gemkow arbeitet mit Gemeinden und Gemeindeverbänden zusammen, hat das Recht auf Akteneinsicht, wenn eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen vermutet wird.

Täglich landet im Büro von Angelika Gemkow eine Fülle von Briefen. Häufig schildern Behinderte ihre ganz persönlichen Sorgen, bitten um offizielle Auskünfte oder ganz konkrete Hilfe. Jeder Brief wird beantwortet. So manches Mal greift die Bielefelderin spontan zum Hörer. „Die Menschen haben Rechte, und die muss man ihnen auch geben.“ So könnten viele körperlich Behinderte hundert Prozent Arbeitsleistung bringen, wenn man ihr direktes Arbeitsumfeld auf ihre Behinderung abstimmt. Dabei geht es nicht um großzügig gewährte Schonräume, sondern um gesetzlich gesicherte Rechte.

Recht auf Selbstbestimmung

Angelika Gemkow beschreibt, was ihr immer wieder begegnet: „Für einen behinderten Menschen ist es unerträglich, wenn sich andere zum Fürsprecher machen für das, was sie selbst leisten können.“ Das gelte übrigens auch für Eltern, die lernen müssen, dass ein behindertes Kind seinen eigenen Weg gehen muss, selbst wenn Fehler passieren: „Fehler gibt es auch bei nicht-behinderten Kindern!“

Auch geistig Behinderte oder Lernbehinderte haben ihrer Meinung nach ein Recht auf Selbstbestimmung: „Wir müssen sie unterstützen, aber gleichzeitig ermuntern, selbstständig zu sein. Wir müssen ihnen ihre Würde lassen.“ Beim Thema Leistung wird die Politikerin, die auch im Rat der Stadt Bielefeld sitzt, ganz ungeduldig: „Es geht nicht darum, akademische Titel zu haben und viel Geld zu verdienen. Sondern das gut zu tun, was man leisten kann.“ Viele behinderte Menschen passen nicht rein in das Leistungsschema, das unsere westliche Welt derzeit favorisiert: „Deshalb gibt es auch viele Menschen, die einen Behindertenausweis haben, aber nicht darüber reden wollen.“

Vordergründiges Mitleid hat sich die Landesbehindertenbeauftragte abgewöhnt, das hilft aus ihrer Sicht niemandem. Sie setzt auf konkrete Projekte. In Kooperation mit den Ärztekammern gibt sie Anregungen für die Gestaltung barrierefreier Arztpraxen in NRW. Diese Aktion ist Teil ihrer großen Vision „Nordrhein-Westfalen ohne Barrieren“. Der Barrierenabbau ist ein gesetzlich fixiertes, wichtiges Ziel in der Landesbauordnung und im Behindertengleichstellungsgesetz NRW: „Barrierefreiheit muss bei Neubauten, bei Modernisierungen, bei Anbietern im Gesundheitswesen, beim Wohnen, auf Straßen, auf Plätzen, in Bahnhöfen so selbstverständlich sein wie der Brandschutz! Investoren, Architekten, Planer, Handwerker und Politiker haben den Schlüssel für mehr Barrierefreiheit in der Hand!“


 


 

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