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Deutsche Wirtschaft

Institute warnen trotz Konjunkturoptimismus vor Risiken

(dapd) Die deutsche Wirtschaft wächst wieder aus eigener Kraft.

Seit langer Zeit sei der Außenhandel nicht mehr die Wachstumslokomotive, sondern erstmals bestimme die Inlandsnachfrage wieder das Tempo der Konjunktur, stellten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Herbstgutachten fest. Sie hoben ihre Wachstumsprognose deutlich an und erwarten für 2010 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent und für 2011 von 2,0 Prozent. "Es kommen gute Jahre auf uns zu, aber ein dauerhafter Aufschwung ist schwierig", sagte Kai Carstensen vom Ifo-Institut angesichts der Risiken der Weltwirtschaft.

Die Institute rechnen damit, dass aufgrund des Wachstums in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr im Durchschnitt auf 3,2 Millionen und 2011 auf 2,9 Millionen sinken wird. Sie läge dann erstmals seit 1992 wieder unter drei Millionen. Damit werde die Quote von 7,7 in diesem Jahr auf dann 7,0 Prozent sinken. Die Zahl der Erwerbstätigen hingegen soll 2011 von 40,365 Millionen auf 40,595 Millionen steigen. Die Defizitquote des Staates wird für 2010 auf 3,8 Prozent geschätzt und dürfte laut Prognose im kommenden Jahr auf 2,7 Prozent sinken.

Die Institute sehen aber trotz Konjunkturoptimismus beträchtliche Risiken für das Wirtschaftswachstum. So sei die Gefahr keineswegs gering, dass die USA erneut in eine Rezession geraten. Ebenso seien die Immobilienmärkte in China übersteigert, so dass es dort zu einer massiven Korrektur kommen könnte. Auch sei die Schulden- und Vertrauenskrise einiger Staaten im Euroraum keineswegs ausgestanden, führten die Institute als weiteres Risiko an.

Bei Konsolidierungsbemühungen nicht nachlassen

Die Bundesregierung soll daher nach Ansicht der Institute bei ihren Konsolidierungsbemühungen nicht nachlassen. So sei unsicher, ob die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt würden. Selbst dann bleibe aber noch eine Lücke von acht Milliarden Euro, kritisieren die Wirtschaftsforscher. Die Institute betonen zudem, dass mittelfristig weiterer Konsolidierungsbedarf bestehe. Sie verweisen in ihrem Gutachten hierbei vor allem auf die haushaltspolitischen Belastungen, die aufgrund einer alternden Gesellschaft mit steigender Zahl der Rentner entstehe.

Die Institute warnen zudem, dass die Schuldenquote im Zuge der Krise sprunghaft gestiegen ist und weiter zunehmen wird. Statt der im EU-Vertrag festgelegten Grenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liege sie bereits bei 75 Prozent und nähere sich damit einem Bereich, der sich negativ auf das Wachstum eines Landes auswirken könne.

Hart gingen die Institute mit dem Vorgehen der EU bei der Finanzkrise Griechenlands und weiterer EU-Staaten um. Carstensen sagte, es sei eine Insolvenzordnung auch für Staaten nötig. "Wer griechische Anleihen kauft, muss auch deren Ausfall verkraften", betonte der Wissenschaftler.

"Deutschland ist auf dem richtigen Weg "

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete das Herbstgutachten als "beeindruckenden" Beweis dafür, "dass Deutschland auf dem richtigen Weg ist". An den Wachstumsprognosen zeige sich, "dass dies ein nachhaltiger Aufschwung werden kann, wenn wir weiter auch die richtigen politischen Maßnahmen treffen". Für sie sei es insgesamt gesehen "das allerwichtigste, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht".

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: "Der XL-Aufschwung geht weiter." Da weiter deutliches Wachstum zu erwarten sei, komme Deutschland nun schrittweise in einen Fachkräftemangel hinein. Dagegen müssten "strukturelle Maßnahmen" ergriffen werden.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnten, angesichts der erfreulichen Lage dürfe in der Tarifpolitik dennoch das Augenmaß nicht verloren gehen. Dagegen forderte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki, mit "kräftigen Lohnerhöhungen und dem Ausbau der öffentlichen Investitionen die binnenwirtschaftlichen Wachstumskräfte zu stärken".

(Quellen: Carstensen, Merkel in Berlin; Brüderle in Nagoya; BDI, BDA, DGB in Erklärungen)

(Michael Beumer dapd)


 


 

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