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  • 08.06.2012, 11:23 Uhr
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  • Ostwestfalen-Lippe/Bielefeld
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Förderung weiblicher Führungsnachwuchs

CM NRW – Cross-Mentoring in Unternehmen in OWL

Ministeriumsvertreterin gibt Startschuss in IHK zu Bielefeld für neues Programm zur Förderung von weiblichem Führungsnachwuchs

Gestern startete mit der Auftaktveranstaltung in der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld das Cross-Mentoring NRW (CM NRW) für Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe (OWL). In OWL nehmen 26 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen mit jeweils ein bis zwei Mentees an dem Programm teil. Sie wollen die strategischen Vorteile des Programms nutzen und sich die Potenziale weiblicher Nachwuchskräfte langfristig sichern. 17 der teilnehmenden Unternehmen sind auch mit Mentorinnen am Programm beteiligt, weitere zwölf Mentorinnen aus anderen Unternehmen unterstützen zusätzlich. Die 29 Tandems aus Mentee und Mentorin werden für ein Jahr im Projekt vernetzt, welches durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. CM NRW knüpft an das dreimalig erfolgreich in OWL durchgeführte Mentoring-Programm PePon an. Parallel wird das CM NRW in gleicher Weise im Ruhrgebiet durchgeführt und in beiden Fällen durch ein Forschungsinstitut evaluiert.

„Aus Sicht der Wirtschaft ist es das Jahrhundert der Frauen. Wir benötigen ihre Kompetenzen insbesondere in der Führungsspitze“, begrüßt Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, die rund 100 Gäste der CM-NRW-Auftaktveranstaltung. Oft sei die Mehrheit der Branchen in OWL stark geprägt von männlichen Führungskräften, hier fehlten den Potenzialträgerinnen weibliche Vorbilder. Zukünftig wird die Vielfalt in der Besetzung von Teams über den Markterfolg entscheiden und bereichernd wirken. Durch die Beteiligung am Cross-Mentoring-Programm in OWL präsentieren sich die Unternehmen als attraktive Arbeitgeber.

Familienunternehmen profitieren durch Mentoring

„Mentoring für junge Frauen hat in OWL bereits eine gewisse Tradition“, so Dr. Andrea Hellmich, Gruppenleiterin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. An CM NRW beteiligen sich Unternehmen aus verschiedenen Branchen von Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Anlagenbau, Chemieindustrie bis hin zu Handel, IT und Kommunikation. In vielen dieser Branchen zählen Frauen immer noch zu den „Exotinnen“, aber genau diese Branchen spüren sehr konkret den Fachkräftemangel. Typisch für OWL ist es, dass sich unter den teilnehmenden Unternehmen viele Familienunternehmen befinden. „Bei Familienunternehmen steht oft die Tradition an erster Stelle, nicht der schnelle Reibach“, zitierte Hellmich Christopher Krämer aus der April-Ausgabe des Spiegels.

Die Frühjahrsbefragung 2012 zeige, dass 2/3 der größten Familienunternehmen in Deutschland ihre wirtschaftlichen Aussichten als „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten und die Grundsätze guter Unternehmensführung weiter an Bedeutung gewännen, so Hellmich. Doch Familienunternehmen haben es häufig schwer im Wettstreit um gute Nachwuchskräfte.

Sie gelten als vergleichsweise unattraktive Arbeitgeber. „Knauserig bei der Vergütung, wenig international und irgendwo in der Provinz gelegen – mit diesen Vorurteilen werden Familienunternehmen oft konfrontiert“, zitierte Hellmich Stefan Weber in der Süddeutschen Zeitung im Dezember letzten Jahres. Die Lösung seien neue Wege in ihrer Personalpolitik und bei der Personalrekrutierung, deshalb begrüße das Landesministerium hier in OWL die große Teilnahme von Familienunternehmen am Cross-Mentoring NRW.

Frauenanteil in deutschen Unternehmen auf europäischer Ebene vergleichsweise schlecht

In den 200 größten deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil am Vorstand bzw. an der Geschäftsführung von 1,2 Prozent in 2006 auf 3,0 Prozent in 2011 gestiegen. In 2011 standen 914 männliche Vorstandsmitglieder 28 weiblichen Vorstandsmitgliedern gegenüber. Als beschämend hat Maria Amrhein im Cicero-Online die Fakten für Deutschland beschrieben. Im Januar dieses Jahres sagte sie: „Bei den Frauen in Führungspositionen rangieren wir auf dem hinterletzten europäischen Platz. Vor Deutschland liegen selbst Polen, Österreich und Luxemburg.“

Als „Fortschritt in homöopathischen Dosen“ beschrieb Hellmich diese Entwicklung. Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass diese Situation nur durch gesetzliche Vorgaben und gesetzliche Mindestquoten zu ändern ist, und hat im Frühjahr des letzten Jahres einen Gesetzesentwurf zur Einführung einer Frauenquote in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen in den Bundesrat eingebracht.

Quote & Mentoring ergänzen sich

Ab dem Jahr 2017 soll die gesetzliche Mindestquote für alle Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Höhe von zunächst 30 Prozent und fünf Jahre später in Höhe von 40 Prozent für die Angehörigen beider Geschlechter sein. Dies gilt sowohl für die Anteilseigner als auch für die Arbeitnehmerseite. „Eine gesetzliche Quotierungsregelung wird für ebenso notwendig gehalten wie das ‚Empowerment‘ junger ambitionierter Frauen. Quote und Mentoring sind kein Gegensatz, sie ergänzen sich“, sagt die Ministeriumsvertreterin zum größeren Stellenwert der Frauenpolitik in Nordrhein-Westfalen.

Evaluierung von CM NRW geplant

„Diese Mentoring-Programme sind bundesweit einmalig, und Erfolge lassen sich unmittelbar ablesen“, so Hellmich weiter und kündigte eine Evaluierung der kommenden zwei Mentoring-Jahrgänge durch das Com.X Institut für Kommunikations-Analyse & Evaluation aus Bochum an. Weiterhin informierte Hellmich darüber, dass das CM NRW Programm auch von der EU durch den Europäischen Strukturfonds für regionale Entwicklung, kurz EFRE, finanziell unterstützt wird.

Traditionsunternehmen Miele setzt auf Mentoring

„Mentoring ist Luxus, und für Luxus bin ich zu haben“, so Sabine Kumlehn, Leiterin der Personalentwicklung bei der Miele & Cie. KG in Gütersloh. Als Mentorin hat sie aktiv die PePon-Mentoring-Staffel des Jahrgangs 2007/2008 begleitet und berichtet von ihren sehr gewinnbringenden persönlichen Erfahrungen. Sie fordert Frauen und Männer auf, ihre Reflexionsgabe stärker zu nutzen. Kumlehn sieht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance als zentrale Herausforderungen.
Miele nimmt bereits zum dritten Mal an einem Frauen-Mentoring-Projekt teil. Das Traditionsunternehmen hat Mentoring als erfolgreiches Instrument für die Entwicklung von Führungsnachwuchskräften erkannt und mittlerweile im Unternehmen ein geschlechtsneutrales Mentoring eingeführt. „Miele selbst hat unter den rund 16 000 Mitarbeitenden weltweit einen Frauenanteil von 25 Prozent. Im Bereich der Führungskräfte ist der Frauenanteil kontinuierlich steigend, in 2007 waren es noch fünf Prozent“, so Kumlehn.

Großer Mehrwert: Reflexion ohne formale Abhängigkeit

CM NRW ist vom Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des initiiert. Die teilnehmenden Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe wählen Potenzialträgerinnen aus dem eigenen Betrieb aus. „50 Prozent der teilnehmenden Mentees haben bereits Führungsverantwortung“, informiert die CM-OWL-Projektleiterin Barbara Tigges-Mettenmeier. Gemeinsam mit der CM-OWL-Projektmitarbeiterin Ludmila Peters präsentierte Tigges-Mettenmeier die 29 Tandems, bestehend aus Mentee und Mentorin, die ein Jahr aktiv in Einzelgesprächen und Workshops zusammenarbeiten.
CM OWL steht in der Praxis auf zwei Säulen. Die persönlichen Treffen zwischen Mentee und Mentorin dienen der Reflexion bzw. der Besprechung individueller Fragestellungen, dabei kann die Mentorin gleichzeitig persönliche Beraterin, Netzwerkerin und Vorbild sein. Ein qualifiziertes Rahmenprogramm für Mentorinnen und Mentees gibt weitere Impulse, zweimal findet es zudem mit den Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen als Multiplikatoren statt.
An der feierlichen Veranstaltung haben neben den Mentorinnen und Mentees Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Unternehmen, wirtschaftsnaher Organisationen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ehemaligen Jahrgänge des PePon-Mentoring sowie Förderer und interessierte Personen teilgenommen.

Folgende 26 Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe nehmen mit 29 Tandems am Cross-Mentoring-Programm 2012/2013 teil:
• amixon GmbH, Paderborn
• Archimedes Facility-Management GmbH, Bad Oeynhausen
• Audio Service GmbH, Herford
• Benteler Automobiltechnik GmbH, Paderborn
• Benteler Tube Management GmbH, Paderborn
• Chemical Check GmbH, Steinheim
• Connext Communication GmbH, Paderborn
• Diamant Software GmbH & Co. KG, Bielefeld
• inmediaONE] GmbH, Gütersloh
• itelligence AG, Bielefeld
• Jowat AG, Detmold
• Konrad REITZ Ventilatoren GmbH & Co. KG, Höxter-Albaxen
• Lurse HR Consultants AG, Salzkotten
• Media-Print Informationstechnologie GmbH, Paderborn
• Mettenmeier GmbH, Paderborn
• Miele & Cie. KG, Gütersloh
• MöllerTech International GmbH, Bielefeld
• MöllerFlex GmbH, Delbrück
• Oltrogge & Co. KG, Bielefeld
• p.l.i. solutions GmbH, Verl
• Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg
• Reply Deutschland AG, Gütersloh
• Teckentrup GmbH & Co. KG, Verl-Sürenheide
• UNITY AG, Büren
• WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG, Minden
• Westcon Group European Operations Ltd . – Deutschland, Paderborn

(Redaktion)


 


 

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