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Demographischer Wandel

Dramatischer Einbruch in den Ausbildungsjahrgängen im Osten Deutschlands

Der Demographische Wandel wird den Arbeitsmarkt schneller und grundlegender verändern als vielfach angenommen. Das gilt vor allem für die neuen Bundesländer. Mit Ausnahme von Brandenburg und Berlin wird sich im Osten Deutschlands die Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen bereits in den kommenden fünf Jahren nahezu halbieren.

Dafür sorgt vor allem der sehr starke Geburtenrückgang kurz nach der Wende. Da in den Jahren nach der Wende die Geburtenzahl wieder zunahm, steigt die Anzahl der 19- bis 24-Jährigen im Osten Deutschlands 2015 bis 2025 sogar wieder leicht an. Bundesweit geht die Zahl der Personen in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2025 um voraussichtlich 1,2 Millionen Menschen zurück. Das zeigt eine aktuelle Analyse demographischer Daten der Bertelsmann Stiftung unter www.wegweiser-kommune.de.

„Für die künftige Entwicklung des gesamten Arbeitskräfte-Potenzials ist die Gruppe der 19- bis 24-Jährigen von besonderer Bedeutung, da in diesen Altersjahrgängen Studium, Meisterausbildung und andere weiterführende Ausbildungen stattfinden“, sagte Vorstandsmitglied Dr. Brigitte Mohn bei der Vorstellung der Untersuchung. Für die Rekrutierung des Nachwuchses gerade in kleineren und mittelständischen Unternehmen sei das Ergebnis der Analysen daher von besonderer Brisanz. Bei einer gesonderten Betrachtung von Berlin und seinem Umland fällt auf, dass die zahlenmäßige Entwicklung dieser Altersgruppe bis 2015 nur geringfügig schlechter verläuft als im bundesdeutschen Durchschnitt. Bis 2025 ist dieser kleine „Rückstand“ sogar ganz aufgeholt. In den westlichen Bundesländern wird es von 2006 bis etwa 2011 sogar eine Steigerung bei der Anzahl der 19- bis 24-Jährigen um etwa 5 Prozent geben. Dem folgt eine kontinuierliche leichte Abnahme, so dass dieser Altersgruppe 2025 etwa 15 Prozent weniger Einwohner angehören werden als 2006. Die größten Verlierer unter den Bundesländern in der Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen bis zum Jahr 2025 sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit jeweils -48 Prozent gefolgt von Thüringen (-46 Prozent), Sachsen (-42 Prozent) und Brandenburg (-39 Prozent). Im Mittelfeld liegen Berlin (-27 Prozent), das Saarland (-26 Prozent), Rheinland-Pfalz (-19 Prozent), Bremen (-18 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (-17 Prozent).

Weniger betroffen von den Auswirkungen des Demographischen Wandels sind Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg mit jeweils -14 Prozent sowie Niedersachsen (-13 Prozent) und Schleswig-Holstein (-8 Prozent). Die Analysen der demographischen Daten zeigen insgesamt eine massive Veränderung des gesamten Erwerbspersonen-Potenzials. Dies betrifft besonders die Entwicklungen in den unterschiedlichen Altersgruppen: Während die Zahl der 45- bis 64-Jährigen von 2006 bis 2025 um 3,7 Millionen zunimmt, wird sich die Zahl der jüngeren Erwerbstätigen von 25 bis 44 Jahren in diesem Zeitraum um 1,4 Millionen verringern. Die regionalen Entwicklungen sind jedoch sehr unterschiedlich; sowohl in den östlichen als auch in den westlichen Bundesländern.

„Für die Unternehmen wird es zunehmend schwierig werden, Arbeitskräfte zu gewinnen“, sagte Brigitte Mohn. „Angesichts der zurückgehenden Zahl junger Menschen wird es immer wichtiger, alle bestmöglich zu qualifizieren.“ Dies gelte insbesondere für Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Die teilweise stark abnehmende Anzahl der 19- bis 24-Jährigen stellt nach Auffassung der Bertelsmann Stiftung eine große Herausforderung für die schulischen und betrieblichen Bildungsangebote dar. Ziel einer jeden Region sollte es sein, die jungen Menschen gut auszubilden und durch entsprechende Angebote möglichst viele von ihnen in der Region zu halten. Die Unternehmen sollten sich ihrerseits auf die älter werdenden Belegschaften einstellen. Dazu gehört, einerseits frühzeitig nachhaltige Altersstrukturen aufzubauen und andererseits in die Weiterbildung der älteren Mitarbeiter zu investieren.

Alleine durch die Einstellung jüngeren Nachwuchses werden sich die Belegschaften nicht hinreichend weiterentwickeln können – mangels ausreichender Bewerberzahlen. Die gesamte betriebliche Personalentwicklungspolitik wird sich daher umorientieren müssen. Die Belegschaften altern zwar statistisch, aber nicht unbedingt in ihrer Leistungsfähigkeit. Für jede Stadt mit mehr als 5.000 Einwohnern stellt der „Wegweiser Kommune“ Daten zur Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2025 zur Verfügung. Zudem findet man mehr als 230 sozioökonomische Indikatoren zu den Themen Demographischer Wandel, Bildung, Finanzen, soziale Lage und Integration als Basis für kommunale Planungsprozesse auf Gemeinde- oder Kreisebene. Ergänzt werden diese Daten durch Handlungskonzepte, beispielsweise zum Übergangsmanagement von der Schule zum Beruf oder zum Aufbau von Bildungsregionen sowie durch gute Praxisbeispiele.

(Redaktion)


 


 

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