Sie sind hier: Startseite Ostwestfalen-Lippe Finanzen
Weitere Artikel
Senioren-WG

Die Senioren-WG wird beliebte Wohnform im Alter - Bei der Gründung lauern aber rechtliche Fallen

Immer mehr Menschen können sich vorstellen, im Alter in einer Senioren-WG zu leben statt allein oder im Heim. Nicht nur, weil das Zusammenleben mit Gleichaltrigen angenehmer und abwechslungsreicher ist. Das Zimmer in der Gemeinschaftswohnung kostet meist auch weniger als die Single-Wohnung.

Die Gründung einer Senioren-WG will jedoch gründlich vorbereitet sein. Es genügt nicht, einfach eine große Wohnung zu suchen und mit guten Freunden einzuziehen. Damit es später keine bösen Überraschungen gibt, sollten sich alle Beteiligten über die rechtlichen Konsequenzen informieren, bevor ein WG-Projekt in Angriff genommen wird, rät der Deutsche Mieterbund (DMB).

Zunächst muss überlegt werden, wer dem Vermieter gegenüber als Vertragspartner auftritt. Dabei gibt es verschiedene Varianten. Unterschreibt ein Mitglied der Wohngemeinschaft den Mietvertrag allein, ist es automatisch Hauptmieter. Der Hauptmieter ist voll für die Mietzahlung verantwortlich und der alleinige Vertragspartner für den Vermieter. Er kann auch ohne Zustimmung der anderen WG-Mitglieder die Wohnung kündigen.

Dieses Modell hat Vor- und Nachteile. Tritt ein WG-Mitglied als Hauptmieter auf, sind alle anderen Bewohner seine Untermieter. Der Hauptmieter muss mit ihnen vereinbaren, wie die Zahlungsverpflichtungen innerhalb der WG geregelt werden. Das sollte unbedingt schriftlich festgehalten werden. Zahlt ein Untermieter nicht, wird der Hauptmieter in die Pflicht genommen. Er muss dann sein Geld vom Untermieter einklagen. Auch bei Leerstand von Zimmern in der WG muss der Hauptmieter für die volle Miete aufkommen.

Andererseits lässt sich eine Senioren-WG leicht auflösen, wenn nur ein Mitglied das Sagen hat. Kündigt der Hauptmieter die Wohnung, müssen alle anderen auch ausziehen. Dessen sollten sich alle Bewohner bewusst sein.

Ein anderer Weg ist, dass die WG als Ganzes als Vertragspartner gegenüber dem Vermieter auftritt. Dazu sind verschiedene Rechtsformen möglich, zum Beispiel die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) oder einer Kommanditgesellschaft (KG). Senioren, die eine solche WG planen, sollten sich vorher unbedingt rechtlich beraten lassen, denn die verschiedenen Rechtsformen haben für sie verschiedene Konsequenzen.

So gilt es zu bedenken, dass beispielsweise Mitglieder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Gesellschaft haften. Sie müssen also einspringen, wenn einer oder mehrere Gesellschafter zahlungsunfähig sind. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Paderborn haften die Bewohner einer WG für die Mietzahlungen als Gesamtschuldner. Einzelne WG-Bewohner können daher auf die Zahlung der gesamten Miete verklagt werden, wenn andere Bewohner nicht mehr auffindbar sind. Der zahlende Mieter hat dann einen anteiligen Ersatzanspruch gegen die anderen WG-Bewohner (AZ: 51 C 28/99)

Wichtig für Neueinsteiger in so eine WG ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes, nachdem neu eintretende Gesellschafter einer GbR sogar für Verbindlichkeiten haften, die vor ihrem Eintritt bestanden (AZ: II ZR 56/ 02 ). Interessenten sollten also immer genau prüfen, wie solvent die WG ist, in die sie einziehen wollen.

Unbedingt geregelt werden muss im Vorfeld, wie einzelne WG-Mitglieder aus dem Mietvertrag herauskommen. Normalerweise können einzelne Mieter ihre Zimmer nicht kündigen, nur die Gemeinschaft als Ganzes kann den Mietvertrag für die Wohnung beenden. Das bedeutet, dass Bewohner, die die WG vorfristig verlassen, weiterhin bis zum Ende des Mietvertrages ihre Miete zahlen müssen, wenn nichts anderes vereinbart wird. Auch der Vermieter muss allen Mieter kündigen, wenn er das Mietverhältnis beenden will.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass sich WG-Mitglieder zerstreiten. Wenn dann alle WG-Mitglieder nur gemeinsam das Mietverhältnis kündigen dürfen, bekommen sie ein Problem. Weigert sich ein Mitglied, müssen die übrigen notfalls dessen Kündigungserklärung einklagen, so der DMB. Für solche Fälle sollten schon im Vorfeld juristische Lösungen gesucht werden.

Ein problemloser Austausch von WG-Mitgliedern ist laut DMB möglich, wenn im Mietvertrag festgehalten ist, dass an eine Wohngemeinschaft vermietet wurde. Dann können beim Auszug einer oder mehrerer Personen die verbleibenden Mitglieder der WG vom Vermieter verlangen, dass sie neue Mitglieder in ihre Wohngemeinschaft aufnehmen können. Der Wechsel von Mitgliedern einer Wohngemeinschaft sollte dabei aber auf jeden Fall dem Vermieter mitgeteilt werden. (Katja Fischer)

(ddp)


 


 

Senioren-WG
Wohnform
Alter

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Senioren-WG" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: