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Neues Verfahren zeigt: Bessere Wettbewerbspolitik steigert das Produktivitätswachstum merklich

Striktere und klarere Wettbewerbsgesetze, höhere Geldstrafen, eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Wettbewerbsbehörden, klare Zuständigkeiten sowie weitreichendere Ermittlungsbefugnisse können das Produktivitätswachstum einer Volkswirtschaft deutlich beschleunigen.

Wie groß der Zusammenhang zwischen Verbesserungen der Wettbewerbspolitik und dem Produktivitätswachstum tatsächlich ist, lässt sich erstmals mit einer neuen Bewertungsmethode nachweisen, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in seinem aktuellen Wochenbericht präsentiert. Die von einem internationalen Forscherteam unter wissenschaftlicher Leitung des DIW-Abteilungsleiters Tomaso Duso entwickelte Methode zeigt: Verbessert sich die Qualität der Wettbewerbspolitik um ein Prozent, so steigt die Wachstumsrate der Totalen Faktorproduktivität im Durchschnitt um 4,5 Prozent. Duso hofft, dass die Methode auch hilft, den Stellenwert der Wettbewerbspolitik auf der politischen Agenda zu verbessern: „Mit dieser Methode können wir erstmals nachweisen, dass eine gute Wettbewerbspolitik einem Land tatsächlich einen spürbaren wirtschaftlichen Nutzen bringt.“

Dass zwischen der Qualität der Wettbewerbspolitik und dem Produktivitätswachstum eines Landes ein Zusammenhang besteht, wurde in der Wirtschaftswissenschaft seit langem diskutiert. In der Vergangenheit war es aber nahezu unmöglich, diesen Zusammenhang genau nachzuweisen, größenmäßig zu bestimmen oder zu beziffern. Viele Regierungen wünschen sich jedoch eine Möglichkeit, die Qualität und Wirkung einzelner Maßnahmen oder ihrer gesamten Wettbewerbspolitik zu überprüfen und zu evaluieren. Ein internationales Forscherteam hat deswegen im Auftrag der Europäischen Kommission eine neue Bewertungsmethode entwickelt, die diesen Zusammenhang darstellbar macht. 


Der Erfolg eines Wettbewerbsregimes wird dabei anhand verschiedener Indikatoren – der sogenannten Competition Policy Indexes (CPIs) – gemessen und bewertet. Die entscheidenden Merkmale guter Wettbewerbspolitik sind dabei: der Grad der Unabhängigkeit der Wettbewerbsbehörde von politischen und wirtschaftlichen Interessen, die Trennung zwischen Richteramt und Staatsanwaltschaft, die Klarheit der Gesetze, der Umfang der Ermittlungsbefugnisse der Wettbewerbsbehörde, die Höhe der drohenden Sanktionen für Unternehmen und Mitarbeiter, die Anzahl der durchgeführten Kontrollen sowie die finanziellen und personellen Ressourcen der Behörden. Für jeden dieser Politikbereiche werden Daten aggregiert und auf einer Skala von Null (Maximal schlecht) bis Eins (Maximal gut) bewertet. So entstehen für jedes Jahr zwischen 1995 und 2005 vier verschiedene Indizes und ein Hauptindex, der die Abschreckungswirkung eines wettbewerbspolitischen Systems misst. Die notwendigen Daten erhielten die Forscher direkt von den Wettbewerbsbehörden aus zwölf OECD-Ländern und von der EU-Kommission. Bis dato nicht verfügbare Daten wurden mittels eigens entwickelter Fragbögen erhoben. Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin, war für den empirischen Teil der Studie verantwortlich.


Anhand dieser CPIs lassen sich die Verbesserungen der Wettbewerbspolitik messen. So stieg der CPI von Großbritannien durch die Einführung eines neuen Wettbewerbsgesetzes – des sogenannten Competion Act – etwa um das Jahr 2000 um rund 70 Prozent an und kletterte von 0,37 auf einen überdurchschnittlichen Wert von 0,63. Der CPI der Niederlande stieg 1998 durch die erstmalige Schaffung einer Wettbewerbsbehörde sowie 2002 durch die Einführung einer Kronzeugenregelung für Kartellinformanten.
Mit Hilfe von Paneldaten, ökonometrischen Schätzungen und umfangreichen Modellrechnungen bestimmten die Forscher im Folgenden die Auswirkungen dieser Änderungen auf das Wachstum der Produktivität. Bei der Analyse von 22 Industrien aus 12 OECD-Staaten ermittelten sie eine durchschnittliche Elastizität des Produktivitätswachstums von 4,48. Das heißt: Verbessert sich die Wettbewerbspolitik um ein Prozent, steigt das Wachstum der Totalen Faktorproduktivität um etwa 4,5 Prozent. Die in 2001 beobachtete Verbesserung der Wettbewerbspolitik in Großbritannien um 4,6 Prozent führte daher zu einer Erhöhung des Produktivitätswachstums um rund 20 Prozent. In den Niederlanden ließen die Verbesserungen der Wettbewerbspolitik um 2000 das Produktivitätswachstum sogar um rund 73 Prozent steigen. „Es herrscht ein breiterer Konsens, dass ein funktionierender Wettbewerb positive Auswirkungen hat. Weniger bewusst ist vielen, dass der Wettbewerb nicht immer von allein funktioniert und effektiv geschützt werden muss. Die Erkenntnisse unserer Studie sind besonders wertvoll, weil sie zum ersten Mal quantifizierbar machen, wie wichtig gut funktionierende wettbewerbspolitische Rahmenbedingungen für das Wachstum sein können. Regierungen sind daher gut beraten, unabhängige und gut funktionierende wettbewerbspolitische Institutionen zu schaffen und zu pflegen. Das gilt besonders in Krisenzeiten, wenn viele Stimmen nach einer lascheren Wettbewerbspolitik rufen“, sagt Tomaso Duso.

(Redaktion)


 


 

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