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Alte Hasen in der jungen IT-Branche

Ein Gespräch mit Herbert Vogel, Vorstandsvorsitzender der Bielefelder itelligence AG

16 Länder, fünf Regionen, mehr als 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Westeuropa, Osteuropa, USA und Asien. Das Bielefelder Unternehmen itelligence AG gehört international zu den Großen seiner Branche. Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen.

Für über 3.000 Kunden haben die SAP-Spezialisten komplexe IT-Projekte erfolgreich implementiert. Vorstandsvorsitzender Herbert Vogel definiert auch für die Zukunft ehrgeizige Vorgaben. Zu Beginn des 20. Geschäftsjahrs zielt er darauf, „weltweit die Nummer 1 im SAP-Mittelstand“ zu werden.

In Deutschland ist das Ziel längst erreicht. Die Bielefelder sind alte Hasen in der noch jungen IT-Branche. Als Herbert Vogel Mitte der 1970er Jahre Elektrotechnik an der Universität Paderborn studierte, gab es dort gerade einmal zwei Großrechner, mit denen sich die Studenten rumplagten. Beim anschließenden Studium der Informatik an der TU in Berlin war er einer von weniger als tausend Studierenden dieses Fachs in ganz Deutschland.

Seine berufliche Laufbahn startete der sportbegeisterte, heute 55 Jahre alte Unternehmenschef 1978 als EDV-Organisator bei Blaupunkt. 1980 folgte der Wechsel als Projektleiter in den zentralen IT-Bereich der Bertelsmann AG, wo er ein Jahr später erstmals mit SAP zu tun hatte. Systeme, Anwendungen und Produkte (SAP) in der Datenverarbeitung waren damals noch in den Kinderschuhen. Für die Druckerei Mohndruck suchte Bertelsmann ein ERP -System (Enterprise Resource Planning), das effizient den betrieblichen Ablauf steuern sollte. SAP hatte Programme entwickelt, die Lohnabrechnungen und Buchhaltung per Großrechner möglich machten. Die Rechner wurden nicht mehr von so genannten Operatoren per Hand mit Daten gefüttert, sondern die Eingaben erfolgten am Bildschirm.

Was heute als selbstverständlich empfunden wird, war vor rund 30 Jahren eine Revolution. Die SAP Software zur Abwicklung der gesamten Geschäftsprozesse eines Unternehmens, darunter Buchhaltung, Logistik und Personalwesen, wurde bei Bertelsmann unter mehreren Wettbewerbern ausgewählt. Herbert Vogel war in der Einführungsphase bei Mohndruck vor Ort, arbeitete dann ab 1985 als Abteilungsleiter für Einkauf/Logistik.

1987 machte er sich zunächst als freiberuflich tätiger Unternehmensberater selbstständig . Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hatte ihn schon länger beschäftigt. Ihm gefiel die Vorstellung, eine Firma aufzubauen und die Kultur nach eigenen Vorstellungen zu prägen. Mit seinem damaligen Partner Wolfgang Schmidt gründete er am 21. Juni 1989 die Firma S&P Consult, die sich ab 1991 konsequent auf SAP-Lösungen konzentrierte.

20 Jahre sind seit der Gründung vergangen und nicht immer schwamm der IT-Komplettdienstleister auf der Erfolgswelle. Anfänglich mussten fünf Anteilseigner unter einen Hut gebracht werden, darunter Unternehmer mit berühmten Namen wie Sven Quandt. 1997 gab es eine schwierige Phase, auf deren Höhepunkt Dietmar Hopp für die SAP AG in Walldorf 25,1 Prozent der Anteile übernahm. Nach dem Börsengang der umbenannten SVC AG im Jahr 1999 endete dieses Engagement. In nur zwei Jahren war das Bielefelder Unternehmen von 200 auf 900 Mitarbeiter angewachsen, ein Kraftakt, der 2003 zu einer Konsolidierung der heutigen itelligence AG führte.

Japanischer Groß aktionär sorgt für „ein gutes Gefühl“

Beim Blick zurück versichert Herbert Vogel, dass eine weitere wichtige Weichenstellung für das Unternehmen aus heutiger Sicht auf jeden Fall richtig war, „denn wir konnten aus einer Position der Stärke heraus Entscheidungen treffen.“ Schon 2005 war dem Managementteam klar, dass die itelligence AG mit rund 1.300 Mitarbeitern zu klein war, um weltweit agieren zu können. Die rasant wachsenden Märkte in Asien, etwa in Indien, verlangen größere Personalkapazitäten mit hochkarätigen Spezialisten, die global agieren. Die langwierige Suche nach geeigneten Partnern führte 2007 zum Verkauf der Aktienmehrheit an den japanischen Großaktionär NTT Data Corporation, eine börsennotierte Tochtergesellschaft der Nippon Telegraph und Telephone Corporation, vergleichbar mit der deutschen Telekom. Heute kommen die Japaner auf 87,4 Prozent der Stimmen. 7,9 Prozent befinden sich in Streubesitz, Vorstandschef Herbert Vogel hält 4,7 Prozent.

Die Partnerschaft mit den Japanern gibt Vogel angesichts der Turbulenzen auf den internationalen Märkten „ein gutes Gefühl“. Die itelligence AG ist mit einer Eigenkapitalquote von 45 Prozent komfortabel ausgestattet. Die Japaner betonen ihr langfristiges Engagement und öffnen Türen zu neuen Märkten in Asien. Im September 2008 wurde in Malaysia ein weiteres Rechenzentrum eröffnet.

Das erfahrene Managementteam ist im Amt geblieben und agiert eigenständig. Vogels Vertrag läuft bis 2013. Vielleicht ist bis dahin auch das Ziel erreicht, das in der aktuellen Unternehmensbroschüre steht: Die Zahl der Mitarbeiter soll auf 3.000 steigen, beim Umsatz werden 500 Millionen Euro angepeilt. 2007 lag die Marke bei 191 Millionen Euro, 2008 dürften es mehr als 210 Millionen Euro sein.

Krise morgens beim Frühstücksfernsehen

Und die Krise? Der Bielefelder Unternehmer, der mit der Familie noch auf demselben Grundstück in Bad Salzuflen wohnt, auf dem nach dem Krieg seine aus Schlesien vertriebenen Eltern ihr Siedlungshaus gebaut hatten, bekommt selbst die Krise, wenn er morgens auf dem Laufband 30 Minuten lang abwechselnd das Frühstücksfernsehen der Öffentlich-Rechtlichen oder die Nachrichten auf n-tv verfolgt. „90 Prozent Horrormeldungen – wie soll man davon unbeeindruckt bleiben?“ Das Geschäft von itelligence hinkt der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung immer zwei bis drei Quartale hinterher. Die Geschäfte in den USA entwickeln sich seit Monaten schleppend. Deutschland ist 2008 glänzend gelaufen, hier rechnet Vogel für das späte Frühjahr 2009 aber mit einer Abschwächung des Wachstums. Die übrigen Regionen laufen nicht schlecht..

Rund ein Drittel des Umsatzes werden mit langfristig erteilten Aufträgen wie Wartung oder Hosting für Unternehmen erzielt, die kein eigenes Rechenzentrum unterhalten und diese Jobs an itelligence ausgelagert haben. Ein Geschäftsfeld, das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eher wächst. Das Consulting-Geschäft dagegen ist konjunkturabhängig. Die Automobilindustrie ist am Boden, der Maschinenbau geht deutlich zurück, in der Industrie hat sich Pessimismus breit gemacht. Dagegen melden Großhandel und die Pharmaunternehmen gleichbleibend gute Geschäfte. „Wir sind ein Spiegelbild des deutschen Mittelstandes“, kommentiert Vogel und verweist gleichzeitig darauf, dass itelligence breit aufgestellt und in vielen Branchen unterwegs ist.

Die SAP-Spezialisten fühlen sich gut gerüstet, die Sicherung der Arbeitsplätze steht in diesen Zeiten an oberster Stelle. Ausnahmslos alle Mitarbeiter haben variable Gehaltsbestandteile, in der Beratung, im Vertrieb und im Management sind das bis zu 40 Prozent. Diese Flexibilität im Gehalt wird itelligence nutzen.


 


 

IT-Branche Herbert Vogel Vorstandsvorsitzender der Bielefelder itelligence AG

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