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IHK-Umfrage

Finanzkrise wirkt sich negativ auf Ausbildungsmarkt aus

„Die weltweite Finanz- und Konjunkturkrise wirkt sich nicht nur negativ auf den Arbeitsmarkt aus, sondern auch auf den Ausbildungsmarkt.“ Diese Schlussfolgerung zog gestern Ortwin Goldbeck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), in einer Pressekonferenz bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Online Umfrage zu den Ausbildungserwartungen 2009.

Die Befragung wurde im Rahmen einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bei den ostwestfälischen IHK-Ausbildungsunternehmen durchgeführt. 609 Ausbildungsbetriebe beteiligten sich daran. In Unternehmen mit weniger als fünf Auszubildenden planen 55 Prozent, die Zahl der Ausbildungsplätze beizubehalten, 35 Prozent wollen weniger einstellen und zehn Prozent mehr. Bei größeren Unternehmen über 16 Auszubildende ist ein positiver Trend erkennbar, da 22 Prozent der Firmen mehr und 16 Prozent weniger Auszubildende einstellen möchten. Goldbeck appelliert an alle Ausbildungsunternehmen, trotz der derzeit negativen Rahmenbedingungen in ihrer Ausbildungsbereit-schaft nicht nachzulassen.

„Wir müssen den jungen Menschen gerade in der aktuellen Krisensituation eine Chance für den Berufseinstieg und eine gute Lebensperspektive bieten. Jeder Betrieb, bei dem es wirtschaftlich möglich ist, sollte darüber nachdenken, noch weitere Ausbildungsplätze anzubieten“, hob der IHK-Präsident hervor. Die IHK werde die Unternehmen über die Aus-bildungsberatung und –akquisition bei den Ausbildungsbemühungen unterstützen. „Ich appelliere insbesondere an alle bislang nicht ausbildenden Unternehmen, die Ausbildung in diesem schwierigen Jahr aufzunehmen.“ Gleichzeitig wies er auf die hohe Ausbildungsbereitschaft in Ostwestfalen hin, da allein in den vergangenen vier Jahren die IHK-Mitgliedsbetriebe die Zahl der Ausbildungsplätze um 36 Prozent auf zuletzt rund 8.500 pro Jahr gesteigert haben.

„Wir müssen daran denken, dass bei einer in diesem Jahr beginnenden Ausbildung die Fachkräfte in den Betrieben erst im Jahr 2012 einsatzfähig sind, wenn sich die welt-wirtschaftliche Lage sicherlich wieder verbessert hat“, sieht der IHK-Präsident die Notwendigkeit zu langfristigem Handeln. Ausbildung heute sichere die Fachkräfte von morgen in den Unternehmen. Im Vorjahr konnten 15 Prozent der Unternehmen ihre Ausbildungsstellen nicht komplett besetzen, lautet ein weiteres Umfrageergebnis. 13 Prozent äußerten, dass die Zahl der Bewerbungen deutlich rückläufig sei, 60 Prozent sehen eine ausreichende Zahl an Bewerbungen, deren Qualität allerdings zurückgehe. Die Bereitschaft, die Ausbildungsstellen den Agenturen für Arbeit zu melden, sei leicht auf 55 Prozent gestiegen. „Allerdings melden 20 Prozent ihre Ausbil-dungsstellen überhaupt nicht, so dass ich die Unternehmen auch bitten möchte, alle offenen Aus-bildungsplätze zu melden“, unterstrich Goldbeck.

Als größtes Ausbildungshemmnis betrachten die Un-ternehmen weiterhin die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger (60 Prozent), aber in diesem Jahr vor allem auch die unsichere wirtschaftliche Perspektive (38 Prozent). IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff erklärte in diesem Zusammenhang, dass von den Unternehmen vor allem das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen, elementare Rechenfertigkeiten, Leistungsbereitschaft und Motivation sowie Belastbarkeit beklagt würden. Als Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungssituation nannten 60 Prozent bessere schulische Vorbildung, 50 Prozent finanzielle und steuerliche Anreize sowie bessere Beschäftigungsperspektiven. „Wir wollen insbesondere mit unserem Projekt ‚Kooperation IHK-Schule-Wirtschaft’, in dem wir schon über 100 Kooperationen zwischen einer Schule und einem Unternehmen vermittelt haben, auf eine bessere Berufsvorbereitung der Jugendlichen hinzielen“, erläuterte Niehoff.

(Redaktion)


 


 

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