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Kienbaum Studie: Drohende Entlassungswelle überfordert deutsche Firmen

Viele deutsche Unternehmen sind auf das Management von Entlassungen in größerem Ausmaß schlecht vorbereitet: Rund 40 Prozent der in der aktuellen Kienbaum-Studie „Management von Personalveränderungsprozessen“ befragten Firmen haben keine Erfahrung mit betriebsbedingten Kündigungen oder sind dafür nicht ausreichend gewappnet.

Dabei können viele Unternehmen angesichts der auslaufenden Kurzarbeit und weiterhin schlechter Auftragslage Entlassungen nicht mehr verhindern: 55 Prozent geben an, betriebsbedingte Kündigungen nur noch maximal ein halbes Jahr aufschieben zu können. Das ergab die Umfrage der Managementberatung Kienbaum unter fast 200 Unternehmen aus DAX, MDAX, TecDAX und großen Mittelständlern. „Die Wirtschaftskrise setzt die HR-Bereiche unter erheblichen Handlungsdruck. Gerade mittelständische Unternehmen sind jedoch auf die in vielen Firmen anstehenden Entlassungen schlecht vorbereitet“, sagt Max Scholz, Restrukturierungsexperte und Partner bei Kienbaum.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nur noch eine Frage der Zeit

Bislang konnten die meisten befragten Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen noch vermeiden: Zwar haben 90 Prozent bereits Personal abgebaut, aber 98 Prozent davon haben dies bislang noch mit sozialverträglichen Maßnahmen geschafft. In den kommenden sechs Monaten werden jedoch mehr als die Hälfte der Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen. „Grundsätzlich haben die Unternehmen aus der Kündigungswelle in der New Economy Krise 2001 und 2002 gelernt. Damals haben sie voreilig und unreflektiert Personal abgebaut, das sie später zum Teil wieder teuer neu einkaufen mussten. Deshalb versuchen Unternehmen jetzt, Personalanpassungen so weit wie möglich sozialverträglich zu lösen. Dennoch werden diese Maßnahmen bei anhaltend schlechter Konjunktur für viele Unternehmen nur eine Übergangslösung sein“, sagt Scholz.

Steuerungssysteme und Frühwarnindikatoren fehlen häufig

Viele Unternehmen haben jedoch kaum geeignete Steuerungssysteme, Frühwarnindikatoren oder Kennzahlen, um den Personalabbau optimal zu managen. Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen verfügt über mehrere Präventivmaßnahmen, mit deren Hilfe sie schnell auf kurzfristige Personalanpassung reagieren kann. Nur knapp 50 Prozent der Studienteilnehmer hat bereits ein Risikomanagementsystem für Personalveränderungsprozesse implementiert. Immerhin mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über ein Controlling der finanziellen Auswirkungen über Kapazitäts- und Auslastungsanalyseverfahren. Darüber hinaus setzt eine Mehrheit der Unternehmen Stimmungsbildanalysen der Belegschaft ein. „In vielen Unternehmen fehlt jedoch eine aktuelle und konsistente Datenbasis, um ein funktionierendes Risikomanagement zu etablieren“, sagt Restrukturierungsexperte Scholz.


 


 

Max Scholz
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