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Sports 4 Kids

Ein deutschlandweit einmaliges Projekt fördert die sportliche Entwicklung Bielefelder Kinder

Ein Jahr Sport geschenkt

Als Takkyu Mitte September 2011 seinen vierten Geburtstag im Kindergarten feierte, kam ein echter Prominenter vorbei. Und er brachte sogar ein Geschenk mit. Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen überreichte Takkyu persönlich einen Gutschein im Wert von 50 Euro – mit einer kleinen Einschränkung: Das Geld darf nicht einfach so ausgegeben werden. Es soll für Takkyu den ersten Jahresbeitrag in einem von ihm und seinen Eltern ausgewählten Bielefelder Sportverein decken.

Takkyu war das 100. Kind, das den Sportverein-Gutschein bekam. Und es sollen noch mehrere tausend Kinder mehr werden. „Sports 4 Kids“ nennt sich das am 1. September 2011 gestartete bundesweit einmalige Projekt, bei dem jedes Kind in Bielefeld zu seinem vierten Geburtstag solch einen Gutschein bekommt. „Sport tut einfach gut – und das aus vielen Gründen. Und: je früher, desto besser. Gerade im Kindergartenalter trägt Sport nicht nur maßgeblich zur Förderung der motorischen Entwicklung bei. Sport stärkt darüber hinaus die Persönlichkeit und vermittelt spielerisch Werte“, sagt Clausen. „Wissenschaftler sind sich darüber hinaus einig, dass Bewegung für das Lernen von zentraler Bedeutung ist. Sport stärkt also Körper und Geist – und das nachhaltig.

Als Clausen im Sommer 2009 für die Wahl zum Bielefelder Oberbürgermeister antrat, war es eines seiner Wahlversprechen, sich um die sportliche Förderung von Kindern im Vorschulalter zu kümmern. Realisiert werden konnte „Sports 4 Kids“ schließlich, als sich ein anonymer Spender bereit erklärte, für die auf drei Jahre angelegte Pilotphase die Kosten zu übernehmen. Da davon ausgegangen wird, dass etwa 3.000 Kinder pro Jahr in Bielefeld ihren vierten Geburtstag feiern, könnten die sich über die drei Jahre auf bis zu 450.000 Euro belaufen. Unterstützt wird das Projekt vom Sportbund der Stadt Bielefeld und der Universität Bielefeld.

Der Stadtsportbund koordiniert bei „Sports 4 Kids“ die Einlösung und Abrechnung der Gutscheine mit den Sportvereinen. „Das Einmalige an diesem Projekt ist, dass alle Kinder ganz unabhängig vom Einkommen der Eltern gefördert werden“, sagt Sportbund-Geschäftsführer Karl-Wilhelm Schulze. Alle werden gleich behandelt. Schulze: „Es gibt keine Stigmatisierung von sozial benachteiligten Kindern.“

Nach Hochrechnungen des Stadtsportbundes sind etwa 1.000 Vierjährige, also ein Drittel der Bielefelder Kinder in diesem Alter, bereits Mitglied in einem Sportverein. Natürlich hofft Schulze, dass sich diese Zahl durch „Sports 4 Kids“ erhöhen wird, aber er warnt gleichzeitig davor, den Erfolg des Projekts nur rein quantitativ zu messen. Ebenso entscheidend und wichtig sei es, weitere Erfolgsfaktoren zu verfolgen: Zum Beispiel, ob in Zukunft mehr Vereine Angebote machten, die auf Kindergartenkinder zugeschnitten seien, ob die Sportangebote selbst für diese Altersgruppe differenzierter würden oder auch ob in Zukunft die Vereine mehr qualifizierte Übungsleiter für diese Altersgruppe ausbildeten, erläutert Schulze.

Um verschiedene Erfolgsfaktoren bei „Sports 4 Kids“ zu messen, unterstützt auch die Universität Bielefeld das Projekt und sorgt durch die Fakultät für Erziehungswissenschaften unter der Leitung von Professor Andreas Zick für die wissenschaftliche Begleitung. Dabei gehe es unter anderem um Fragen wie „Wie viele Kinder wurden erreicht?“, „Welche Kinder wurden erreicht?“, „Sind in den Sportvereinen die für Vierjährige notwendigen Strukturen vorhanden?“ oder – da viele Kinder ihren Gutschein in ihrer Kita erhalten – „Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Kitas und gibt es im Umfeld der Kitas überhaupt Vereine, die Angebote für Vierjährige machen?“, erläutert Projektleiter Max Beuys. Um diese Fragen und weitere Fragen zu beantworten, wird Beuys in den kommenden Monaten Fragebögen verschicken und zahlreiche Interviews mit allen Akteuren von „Sports 4 Kids“ führen. Alle sechs Monate tauschen sich die beteiligten Institutionen über den Verlauf des Projekts aus. Die Ziele sind klar. „Wir wollen Probleme erkennen und so schnell wie möglich beheben“, sagt Beuys. Und schlussendlich solle „Sports 4 Kids“ zu einer Institution in Bielefeld werden.

Dass das Projekt bereits langsam beginnt, Fuß zu fassen und bekannter zu werden, merken alle Beteiligten. Beim Stadtsportbund kommen jetzt regelmäßig Gutscheine zur Einlösung und Abrechnung an. „Meine Erfahrung und die meines Teams ist, dass der Gutschein gut ankommt und gerne in Anspruch genommen wird. Eltern, Erzieher und Erzieherinnen und natürlich die sportlichen Akteure freuen sich … und die Kinder profitieren“, sagt Pit Clausen.

Auch über die lokalen Grenzen hinaus stößt „Sports 4 Kids“ auf Interesse. „Ob ‚Sports4Kids‘ Modellcharakter haben könnte, müssen letztlich andere entscheiden. Aber wir scheinen in Bielefeld den richtigen Nerv getroffen zu haben“, berichtet Clausen. „Das Interesse ist groß. Nicht nur seitens anderer Städte und Gemeinden, auch sportliche Dachorganisationen beobachten den Fortgang des Projektes.“

Auf drei Jahre ist die Pilotphase von „Sports 4 Kids“ angelegt. Stadtsportbund-Geschäftsführer Schulze appelliert an alle Adressaten, das Angebot anzunehmen. Es sei eine „gute und mutige Idee“, gerade wegen der „geringen bürokratischen Hürden“ des Projekts. Und auch Clausen hofft, dass auch nach der Unterstützung durch den anonymen Spender „Sports 4 Kids“ nicht ausläuft. Das Projekt muss genau beobachtet, ausgewertet und kritisch analysiert werden. Letztlich entscheidet kein persönliches Bauchgefühl über den Erfolg, sondern belegbare Daten und Fakten“, sagt der Oberbürgermeister. „Sollte das Fazit positiv ausfallen – und davon bin ich überzeugt – müssen machbare Lösungen her, um aus dem Pilot- ein Dauerprojekt zu machen.“ www.sports4kids-bielefeld.de

Vom Gutschein bis zur ersten Sportstunde

Der Gutschein über 50 Euro wird von der Kita am vierten Geburtstag des Kindes in einem Umschlag mit weiteren Informationen übergeben. Sollte das Kind keine Kita besuchen, kann er auch im Familienbüro der Stadt Bielefeld abgeholt werden. Voraussetzung ist, dass das Kind nach dem 31.08.2007 geboren ist und seinen Wohnsitz in Bielefeld hat. Liegt der Mitgliedsbeitrag über den 50 Euro oder besteht bereits eine Familienmitgliedschaft, so kann der Gutschein angerechnet werden. Zeitlich begrenzte Kurse oder einmalige Angebote werden – mit Ausnahme von Anfängerschwimmkursen – ebenso wenig gefördert wie ein Wechsel des Vereins. In dem Umschlag steckt auch die Broschüre „Kinder in Bewegung“, über die sich Eltern einen passenden Verein suchen können. Der gewählte Verein füllt dann das Antragsformular und reicht den Förderantrag beim Stadtsportbund Bielefeld ein. Der Stadtsportbund verwaltet die Gutscheine und zahlt nach Prüfung den Förderbetrag an den Verein aus.

(Redaktion)


 


 

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