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175 Jahre Bertelsmann

Hartmut Ostrowski: „Das Jubiläum birgt eine große Chance“

Das Jubiläumsjahr 2010 hat begonnen. Vor 175 Jahren, am 1. Juli 1835, wurde Bertelsmann gegründet. Im Interview spricht Hartmut Ostrowski zum Auftakt des Jubiläumsjahres über Tradition und Zukunft, über Feiern und Feste, über Programm und Publikationen – kurz: über 175 Jahre Bertelsmann.

Herr Ostrowski, welche Chancen bietet das Jubiläumsjahr 2010 für Bertelsmann?

Hartmut Ostrowski: Mit 175 Jahren – das muss man sich erst einmal vor Augen führen – ist Bertelsmann eines der ältesten Medien- und Dienstleistungsunternehmen der Welt. Allein das gibt uns allen Grund, diesen außergewöhnlichen Geburtstag unseres Unternehmens stolz und selbstbewusst zu feiern und dabei besonders die vergangenen sechs Jahrzehnte, das einzigartige Lebenswerk Reinhard Mohns, zu würdigen. Das Jubiläum bietet die Chance für einen offenen Blick zurück auf eine unternehmerische und kulturelle Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht und aus der Bertelsmann bis heute Selbstverständnis und Strukturen ableitet. Gleichzeitig kommt der 175. Geburtstag wie gerufen, um nach vorn zu blicken, um auch aus der
eigenen Vergangenheit die Legitimation für die Zukunft abzuleiten.

Was meinen Sie damit?

Hartmut Ostrowski: Unsere Geschichte zeigt: Bertelsmann ist ein Unternehmen, das sich immer verändert hat und weiter verändern wird, um seine Erfolgs- und Wachstumsstory fortzuschreiben. Vor diesem Hintergrund haben wir das Firmenjubiläum unter den Leitgedanken „175 Jahre Bertelsmann – Eine Zukunftsgeschichte“ gestellt. Das Bewusstsein, als Medienhaus Geschichte zu schreiben, und der Anspruch, Zukunft zu gestalten – sie gelten weiter.

Werden wir diesen Anspruch auch im Jubiläumsjahr konkret untermauern können?

Hartmut Ostrowski: In jeder Hinsicht. Wir bei Bertelsmann haben die Ideen, die Kraft und den Unternehmergeist, um die Medien- und Services-Märkte von morgen mitzugestalten. Nehmen Sie nur die gerade vereinbarte weltweite und wegweisende Partnerschaft zwischen Arvato und Microsoft im Bereich Business Process Outsourcing . Denken Sie an das Beispiel E-Book, wo Marktführer Random House in allen wichtigen Buchmärkten die Entwicklung treibt, oder an die enorm erfolgreichen Catchup-TV-Plattformen der RTL Group in allen europäischen Kernmärkten. Bertelsmann hat sich in jeder Phase seiner Geschichte technologischen Neuerungen, veränderten Nutzergewohnheiten oder Marktumbrüchen gestellt, so auch aktuell dem Megatrend Digitalisierung. Wir haben einst den Buchvertrieb revolutioniert, das Privatfernsehen in Deutschland mit initiiert und waren übrigens auch früher als viele Andere aktiv beim Thema Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter. Aus dem steten Wechselspiel von Kontinuität und Wandel schöpfen wir die feste Gewissheit, auch für die kommenden Jahre bestens gerüstet zu sein.

Sie haben 2009 als eines der herausforderndsten Jahre der Unternehmensgeschichte bezeichnet. Ist Ihnen jetzt schon wieder nach Feiern zumute?

Hartmut Ostrowski: Natürlich war 2009 ein hartes Jahr. Natürlich hat die Rezession ihre Spuren hinterlassen und ein neues Kostenbewusstsein in der Medienbranche ausgelöst. Aber jetzt ist 2010 – und Bertelsmann schaut nach vorne, richtet sich auf die Zukunft aus. Außerdem blicken wir ja nicht etwa nur auf ein einziges, vielleicht
schwieriges, Jahr zurück, sondern auf 175 Jahre. Die wiederum feiern wir angemessen – ganz im Sinne unseres Nachkriegsgründers Reinhard Mohn. Er hat Bescheidenheit und Maßhalten vorgelebt. Aber er hat wie seine Vorgänger in den Familien Bertelsmann und Mohn jedes Jubiläum ganz bewusst und auch gern gefeiert – um eine Standortbestimmung vorzunehmen und um denen zu danken, die unsere Erfolgsgeschichte überhaupt erst möglich gemacht haben: unseren Mitarbeitern, unseren Geschäftspartnern und unseren Kunden. Genau so werden wir es 2010 handhaben – mit einem Programm, das reich an Höhepunkten ist.

Sie sagten eingangs, Bertelsmann habe gute Gründe zu feiern – welche stehen im Mittelpunkt des Festjahres?

Hartmut Ostrowski: Bertelsmann feiert 175 Jahre Unternehmergeist, Kreativität, Dezentralität und Freiraum, 175 Jahre Erfolgsgeschichte der Familien Bertelsmann und Mohn und 175 Jahre Verantwortung und Partnerschaft. Historisch werden wir uns weitgehend – aber nicht ausschließlich – auf die Betrachtung der Entwicklung des Unternehmens nach 1945 fokussieren: auf den Aufstieg eines ostwestfälischen, mittelständischen Verlages mit einst 120 Mitarbeitern zu einem international führenden Medienunternehmen. Diese Schwerpunktsetzung bietet sich an, nachdem die Geschichte des Unternehmens in den Jahren 1933 bis 1945, zum Beispiel die Rolle des Verlags als größter Produzent von Feldpostliteratur für die Wehrmacht, von einer namhaften unabhängigen Historikerkommission erforscht und 2002 in einem ausführlichen Bericht vorgelegt worden ist. Dieser wissenschaftlich anerkannte Bericht beschäftigt sich überblicksartig auch mit der Entwicklung des Unternehmens im 19. und frühen 20. Jahrhundert, so dass dieser Zeitraum innerhalb der nunmehr 175 Jahre ebenfalls abgedeckt ist. Sich nun der Zeit ab 1945 zu widmen, ohne jedoch die Zeit davor zu verschweigen oder zu beschönigen, markiert einen logischen Folgeschritt.

Sie sprechen den UHK-Bericht an, der große Anerkennung gefunden hat – wie wird nun die Unternehmensgeschichte nach 1945 aufgearbeitet?

Hartmut Ostrowski: Bertelsmann widmet seiner Unternehmens-geschichte nach 1945 eine Anthologie, die einen modernen, wissenschaftlich-feuilletonistischen Ansatz verfolgt. Sie erfasst die komplexe Geschichte des Hauses facettenreich und wird einen leserfreundlichen Auftritt mit fachlicher Fundiertheit vereinen. Wir haben
nicht den Anspruch, eine Gesamtdarstellung der Geschichte von Bertelsmann vorzulegen, sondern werden vielmehr Schlaglichter auf wichtige – auch kritische – Momente unserer Geschichte nach 1945 werfen. Einen hohen wissenschaftlichen Standard garantieren die Autoren der Anthologie. Sie sind international positioniert, wissenschaftlich renommiert und unabhängig. Ich freue mich schon darauf, diesen Sammelband zu lesen, wenn er im September in deutscher und englischer Sprache bei C. Bertelsmann erscheint.

Wie, für wen und mit welchen Veranstaltungen feiert Bertelsmann?

Hartmut Ostrowski: Das Jubiläum folgt einer Dramaturgie, die sich von innen nach außen entwickelt. Die Feierlichkeiten beginnen zum eigentlichen Firmengeburtstag – dem 1. Juli 1835 – mit einem Mitarbeiterfest am Schloss Rheda nahe dem Stammsitz Gütersloh. Wir erwarten dort am Abend des 9. Juli viele tausend Kollegen und
Ehemalige mit Live Acts auf der Bühne, historischen Bezügen, Musik, Inszenierungen, Programm sowie natürlich gutem Essen und Trinken in dem herrlichen Park rund um das Schloss. Das wird ein traumhaftes Sommerfest!

Und wie geht es dann weiter?

Hartmut Ostrowski: Mitte September treffen sich im Berliner Tempodrom die 600 wichtigsten Führungskräfte des Hauses, um auf dem Management Meeting 2010 eine – beileibe nicht nur historische – Standortbestimmung vorzunehmen. Am Tag darauf laden wir zum zentralen Festakt in das Konzerthaus am Gendarmenmarkt ein. Neben unseren Top-Führungskräften freuen wir uns dort auf die wichtigsten, oft langjährigen Wegbegleiter und Freunde unseres Hauses aus aller Welt: aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, aus Medien und Showbusiness. Es wird ein Abend voller Höhepunkte mit Reden, Musik und einzigartigen Inszenierungen – moderiert von „unserem“ Anchorman Peter

Dass Bertelsmann am Stammsitz Gütersloh feiert, ist selbstverständlich. Aber warum Berlin?

Hartmut Ostrowski: Die Feiern haben zwei Zentren: Berlin und Gütersloh. Wir feiern am Stammsitz mit den Mitarbeitern ein Fest, das sie nicht vergessen werden und das dem Anlass in jeder Hinsicht gerecht wird. Nirgendwo in der Welt hat Bertelsmann so viele Mitarbeiter wie im Raum Gütersloh. Doch Bertelsmann heute, das ist nicht mehr nur und ausschließlich Gütersloh. Das sind Menschen in 50 Ländern der Erde, mit zahlreichen Sprachen und Kulturen. Wir sind in all diesen Ländern und Märkten fest verwurzelt. Um diesem vielgestaltigen Unternehmen gerecht zu werden, bietet sich eine Weltstadt im Aufbruch für den Festakt geradezu an. Mit dem internen Auftakt der Feiern in Gütersloh und ihrem Höhepunkt in Berlin symbolisieren wir zugleich den Weg von Bertelsmann vom ostwestfälischen zum weltweit engagierten Unternehmen – und das ist eine der zentralen Aussagen des gesamten Jubiläumsjahres.

An den großen internationalen Standorten wie New York, Paris oder Barcelona feiert Bertelsmann nicht. Glauben Sie nicht, dass dies zu Unmut bei den Mitarbeitern führen wird?

Hartmut Ostrowski: Nein, das glaube ich nicht. Es mag den einen oder anderen geben, der die einmütige Entscheidung der Familie Mohn und des Vorstands kritisieren wird, in Gütersloh und Berlin zu feiern. Aber reden wir Klartext: Das Jahr 2009 steckt uns allen noch in den Knochen. Und unmittelbar nach einem Jahr, in dem wir den Mitarbeitern so viel – auch persönlichen Verzicht – abverlangen mussten, weltweite Feiern auszurichten und dafür Millionen auszugeben, das wäre nicht zu verantworten und würde erst recht Kopfschütteln und Unverständnis provozieren. Die Signale nicht zuletzt aus den Reihen der Mitarbeiter und ihrer Vertreter waren eindeutig. Hinzu kommt: In unserem dezentralen Haus erwartet niemand, dass sich Bertelsmann in jedem Bereich und jeder Firma ausgiebig feiert. Denn sie alle haben auch eine eigene Geschichte, auf die sie sich mit Recht berufen. Manchmal, wie bei einigen Verlagen, ist diese deutlich älter als unsere 175 Jahre, manchmal, beispielsweise bei RTL, deutlich jünger. In diesem Jahr jedoch geht es ausschließlich um den Geburtstag von Bertelsmann.

Was wünschen Sie sich persönlich im und vom Jubiläumsjahr?

Hartmut Ostrowski: Ich hoffe, dass das Jubiläum zum einen bei den Mitarbeitern, zum anderen nach außen, etwas in Bewegung setzt: So würde ich mich freuen, wenn jeder bei Bertelsmann die enormen Chancen erkennen würde, die das Jubiläum birgt – und sie auch konsequent ergreift. Ich möchte, dass die Mitarbeiter aus einem vertieften Wissen über ihr Unternehmen und aus dem Firmengeburtstag Zuversicht und Selbstbewusstsein gewinnen. Dass sie stolz darauf sind, ein Teil von Bertelsmann zu sein und dass sie nach Kräften weiter an unserer gemeinsamen Zukunftsgeschichte mitschreiben. Wenn dies gelingt, erfüllt sich der zweite Wunsch gleich mit: Dann werden wir unser Profil als internationales, attraktives, erfolgreiches und verantwortungsbewusstes Unternehmen der Unternehmer schärfen, das weltweit zu den traditionsreichsten in der Medien- und Dienstleistungsbranche zählt.

Quelle: www.bertelsmann.de

(Redaktion)


 


 

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