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Wirtschaftsjunioren Paderborn+Höxter

„Wirtschaft trifft“ Hubertus Pellengahr

Gegen Mindestlöhne, Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln und Factory Outlets auf der grünen Wiese – als Gast beim traditionellen „Wirtschaft trifft…“ des Wirtschaftsclub und der IHK Zweigstelle Paderborn + Höxter bezog Hubertus Pellengahr in seiner Funktion als Sprecher und Geschäftführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) klare Positionen.

Viel Persönliches ließ sich „Mister Konsum“ trotz wiederholter Fragen von Moderator Michael Thamm, dem ehemaligen Leiter des WDR-Studios Bielefeld, jedoch nicht entlocken.

Der Einzelhandel dümpele seit Jahren ohne nennenswerte Umsatzsteigerungen dahin, konstatierte Hubertus Pellengahr in seinem Referat. „Dennoch ist er bisher eher glimpflich durch die Krise gekommen.“ Das liegt unter anderem daran, dass die Lage des Handels eng mit dem Arbeitsmarkt zusammenhängt, „der durch die Kurzarbeit dem Sog der Krise bisher widerstanden hat.“ Außerdem habe der deutsche Einzelhandel beneidenswert gute Strukturen.

„Jetzt mehren sich die Zeichen dafür, dass die Krise vorbei ist“, so Pellengahr. „Die Zeichen stehen für ein freundliches Konsumklima“. Für die gute Stimmung, sei auch der Einzelhandel verantwortlich, denn durch die gesunkenen beziehungsweise stabilen Preise müssten die Verbraucher weniger ausgeben. Die so entstehenden Konsumspielräume würden allerdings nur wenig genutzt. Die Sparquote ist nach wie vor hoch. „Hinzu kommt, dass die Abwrackprämie den Konsum in anderen Bereichen eher gesenkt hat.“ Dieser Auffassung schloss sich auch Ferdinand Klingenthal, Paderborner Kaufmann und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes OWL, an. „Die Abwrackprämie ist ein klarer Bruch im System. Da könnten man ja genauso gut eine Altpulloverprämie einführen, um den Textilhandel zu stärken.“

Klar sprach sich Pellengahr gegen eine erneute Mehrwertsteuererhöhung und für eine Reform der Unternehmenssteuer aus. „Es kann nicht sein, dass Mieten und Pachten bei der Gewerbesteuer wie Erträge behandelt werden.“ Hier sei schnelles Handeln gefragt, denn für 2009 erwartet der Einzelhandel zusätzlich einen leichten Umsatzrückgang. Angesichts der Krise habe man hier schon früher mit größeren Einbußen gerechnet. „Im Wirtschaftszyklus ist der Einzelhandel allerdings eher ein Nachzügler“, sagte er. „2010 wird also für den Handel von großen Unsicherheiten geprägt sein.“

Angesichts der geringen Umsatzsteigerungen der letzten Jahre habe dieser verhältnismäßig viele neue Jobs geschaffen – unter anderem durch die Erweiterung der Ladenöffnungszeiten. „Dafür brauchen wir jedoch Flexibilität, zum Beispiel bei den Teilzeitregelungen.“ Zur stabilen Beschäftigungslage tragen nach Pellengahrs Ansicht besonders die maßvollen Tarifabschlüsse bei. „Die Entlohnung muss sich nach dem Markt richten“, so Pellengahr. „Wir sind deshalb strikt gegen Mindestlöhne. Der Staat soll sich raus halten.“

Dass er allerdings in seinem Referat auch Maßnahmen gegen die Niederlassung von Factory Outlets auf der grünen Wiese forderte, um den Handel in den Innenstädten nicht zu benachteiligen, wollte dann einigen Zuhörern in diesem Zusammenhang doch nicht ganz einleuchten. Und so wurde anschließend um Sinn und Unsinn von Reglementierungen intensiv diskutiert.

Einig waren sich alles Anwesenden zu guter Letzt über den neuen Trend zur Nachbarschaftsversorgung. Hier wird die Versorgung mit modernen „Tante-Emma-Konzepten“ wieder zunehmend da stattfinden, wo die Menschen wohnen. „Die Wiedereröffnung des klassischen Dorfladens im ländlichen Raum allerdings, wird sich meistens nicht mehr lohnen“, so Pellengahr.

(Redaktion)


 


 

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