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IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2012

Ostwestfälische Unternehmen fahren auf Sicht

Ostwestfalens Wirtschaft steht trotz der europäischen Schuldenkrise immer noch gut da. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrer Herbstkonjunkturumfrage, an der sich 1.932 Unternehmen mit 152.362 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten.

 „Unsere Wirtschaft erweist sich im bisherigen Verlauf der Euroschuldenkrise als robust, allerdings nicht als immun. Angesichts der weltwirtschaftlichen und europäischen Unsicherheiten haben sich die Aussichten ‚erwartungsgemäß‘ abgeschwächt.

Die ostwestfälischen Unternehmen fahren auf Sicht“, betonte IHK-Präsident Ortwin Goldbeck heute (12.09.2012) bei der Vorstellung der Ergebnisse. Der Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, ist für die gesamte Wirtschaft in Ostwestfalen gegenüber dem Frühjahr nochmals gesunken: von 121 Punkten auf 114. „Damit ist der Indexwert für die ostwestfälische Wirtschaft zwar zum dritten Mal hintereinander gefallen, er liegt aber immer noch knapp über dem Durchschnittswert seit Frühjahr 1998 mit 111 Punkten“, berichtete Goldbeck. Der Wert für die Industrie fiel dabei von 118 Punkten auf aktuell 112, im Handel von 119 auf 109 und bei den Dienstleistern von 127 auf 119.

Nach zwei erfreulichen Jahren meldet der Handel eine etwas zurückhaltendere Konjunkturbeurteilung. „Die aktuelle Lage wird im Saldo noch positiv eingeschätzt, die Erwartungen sind dagegen verhalten“, unterstrich der IHK-Präsident. Seinen Worten nach ist die Stimmung innerhalb der Dienstleistungsbranchen „weiterhin auf einem hohen Niveau“. Beim Blick in die Zukunft gebe es nur vereinzelt negative Meldungen, wenn der Optimismus auch etwas verhaltener werde. In der Industrie bewerten immer noch 93 Prozent der Industrieunternehmen aktuell ihre Geschäftslage mit „gut“ oder mindestens „befriedigend“ - ähnlich wie im Frühjahr 2012. Bei den Einschätzungen der weiteren Entwicklung zeigten die anhaltenden Negativschlagzeilen aus den Euro-Krisenländern oder ständig neue politische Debatten um die Zukunft des Euro Wirkung.

Eine weitere Verbesserung der Geschäftslage erwarten aktuell nur noch 13 Prozent (Frühjahr: 28 Prozent). Erfreulich sei, dass nur wenige eine Verschlechterung erwarten (aktuell 12 Prozent). Auch hier gab es vornehmlich eine Verschiebung hin zu einer gleich bleibenden Entwicklung mit fast 75 Prozent. Goldbeck: „Das spricht bei den Erwartungen eher für eine Seitwärtsbewegung in den kommenden Monaten.“ Allerdings sinken die Ertragserwartungen der Unternehmen weiter: Nur noch 16 Prozent rechnen in den kommenden 12 Monaten mit einer Verbesserung ihrer Ertragslage, eine Verschlechterung prognostizieren 22 Prozent. „Der weitere konjunkturelle Verlauf wird in hohem Maße von der Lösung der Verschuldungskrise in Europa abhängen“, erläutert der IHK-Präsident. Gerade die deutsche Exportwirtschaft habe dem Euro viel zu verdanken. „Wir müssen um ihn kämpfen, denn er bildet eine stabile Währung, wie an den seit Jahren niedrigen Inflationsraten abzulesen ist“, unterstreicht Goldbeck. Natürlich müssten alle Euro-Länder ihre fiskalischen und strukturellen Hausaufgaben machen. Aber ständig über Austritte oder gar Rauswürfe einzelner Länder aus dem Euro zu spekulieren, verunsichere die Märkte und führe zu einer Gefährdung der gesamten Euro-Zone. Auch Deutschland habe seine Hausaufgaben zu machen.

Die anhaltende Neuverschuldung der öffentlichen Hand trotz Rekordsteuereinnahmen bereite erhebliche Sorgen. Der IHK-Präsident: „Wann soll eigentlich gespart werden, wenn nicht in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen?“ Nach Angaben von IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff lag der Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes von Januar bis Juni 2012 in Ostwestfalen 4,7 Prozent über dem Vorjahresergebnis in diesem Zeitraum und betrug 19,7 Milliarden Euro. Dabei legten sowohl der Inlandsumsatz (+3,3 Prozent) als auch der Auslandsumsatz (+7,5 Prozent) zu. Die Beschäftigtenzahl in der ostwestfälischen Industrie ist um 2,9 Prozent gestiegen (NRW: +2 Prozent).

(Redaktion)


 


 

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