Weitere Artikel
Frostige Konjunkturaussichten

IHK Lippe legt den Konjunkturlagebericht vor

Die lippische Wirtschaft befindet sich zur Jahreswende 2008/2009 in einer schwierigen Situation. Die aktuelle Konjunkturlage wird zum dritten Mal in Folge schlechter als in der jeweiligen Vorumfrage beurteilt.

Fast jedes zweite Unternehmen blickt für 2009 pessimistisch in die Zukunft. Der IHK-Konjunkturklimaindikator sackt von 106,6 Punkten auf 81,8 Punkte ab, nur im Winter 2002 erreichte der Indikator mit 76,7 Punkten einen niedrigeren Wert. Das ist das Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage.

An der regelmäßigen Befragung beteiligten sich in diesem Jahr 240 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen mit gut 20.000 Beschäftigten. "Die lippische Wirtschaft ist dennoch gut aufgestellt. Sie hat ihre Hausaufgaben gemacht und die vergangene konjunkturelle Hochphase genutzt, um die Eigenkapitalausstattung zu verbessern", relativiert Ernst-Michael Hasse, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK) die ungünstigen Meldungen.

In einigen Unternehmen kehrt nun "Normalität" ein, d.h. Überstunden und Samstagsarbeit fallen weg. Die Wachstumsraten gehen nach Jahren überdurchschnittlicher Steigerung in den niedrigen einstelligen Bereich zurück. Der Export, seit Jahren eine wesentliche Stütze der Konjunktur, schrumpft, da das Wachstum sowohl in den westlichen Industrieländern als auch in den Schwellenländern wie China und Russland stark nachlässt. Im Vergleich zur Sommerumfrage ist der Anteil der Unternehmen, die ihre gegenwärtige Geschäftslage mit "gut" beurteilen von einem Drittel auf knapp ein Viertel zurückgegangen, gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen, die über eine Verschlechterung der konjunkturellen Situation klagen von einem Siebtel auf ein Viertel. Allerdings darf nicht verkannt werden, dass unverändert jedes zweite Unternehmen mit seiner gegenwärtigen Lage zufrieden ist. Zum einen führen die niedrigeren Rohstoff- und Energiepreise zu einer gewissen Kostenentlastung, zum anderen konnte im vergangenen Jahr die überdurchschnittlich gute Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr das schlechte vierte Quartal kompensieren.

Die Gründe für die Eintrübung der Konjunktur liegen in der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation. Seit Oktober 2008 wurden Aufträge storniert und Bestellungen reduziert. Mittlerweile berichtet jedes zweite Unternehmen von geschrumpften Auftragspolstern, allerdings konnte ein Fünftel der Antwortenden die Auftragsbestände ausbauen. Die im letzten Jahr überdurchschnittlich ausgelasteten Kapazitäten sind bei einer Vielzahl von Unternehmen auf ein normales Maß zurückgekehrt. Allerdings berichtet jedes dritte Unternehmen nach wie vor von einer überdurchschnittlichen Auslastung. Der Anteil derjenigen, deren Kapazitätsauslastung unter 70 % liegt, hat sich allerdings auf ein Viertel verdoppelt.

Bei allen Marktteilnehmern herrscht große Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung. "Wir stochern im Nebel", bringen es einige lippische Unternehmer auf den Punkt. Die große Ungewissheit spiegelt sich in der Beurteilung der Geschäftsentwicklung für 2009 wider: Der Anteil der Pessimisten ist von 28 % im Sommer 2008 auf 47 % zur Jahreswende gestiegen. Die Zahl der Optimisten hat sich von einem Viertel auf ein Siebtel reduziert. Erwartete Umsatzrückgänge und Kostensteigerungen haben zu diesem Stimmungsumschwung geführt.

Die Ertragslage hatte sich für 2008 entspannt, allerdings wird sich dieser Trend angesichts der Erwartungen für das laufende Jahr wieder umkehren. Dies hat zur Folge, dass sich die Investitionsneigung für 2009 abschwächt. Investitionsmotiv Nummer eins ist die Ersatzbeschaffung, gefolgt von Rationalisierung. Investitionen in Produktinnovationen haben erstaunlicherweise unverändert einen starken Anteil. Obwohl die konjunkturelle Situation schwierig ist, planen ein Sechstel der antwortenden Unternehmen Erweiterungsinvestitionen. Dies lässt darauf hoffen, dass die lippischen Unternehmen sicher sind, nur durch den Blick nach vorne die aktuell schwierige Situation mit Erfolg meistern zu können.

Hoffnungsträger könnte der Konsum sein. Der drastische Rückgang des Rohölpreises und damit der Energie- und Benzinkosten sowie das Absinken der Inflationsrate entlastet die Verbraucher und könnte gewisse Impulse für die Konjunktur auslösen. Ob diese Anreize allerdings stark genug sind, um für die exportlastige lippische bzw. deutsche Wirtschaft zu einer Wende zu führen, bleibt abzuwarten.

Positive Impulse könnten von einer steuerlichen Entlastung des Verbrauchers und der Unternehmen ausgehen. 2008 war das Jahr der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, das galt auch für Lippe. Die Arbeitslosenquote ist gesunken. Drei von zehn Unternehmen haben zusätzliches Personal eingestellt. Die Prognose für 2009 scheint diesen Trend zu stoppen. Allerdings planen 10 % der lippischen Unternehmen die Zahl der Beschäftigten weiter zu erhöhen; dreimal so viele Unternehmen denken demgegenüber an einen Stellenabbau.

(Redaktion)


 


 

IHK Lippe
Konjukturlagebericht
Detmold
Konjunktur

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "IHK Lippe" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: