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Industrie- und Handelskammer

Lippische Wirtschaft auf dem Wachstumspfad

In der lippischen Wirtschaft geht es in diesem Jahr aufwärts. Die Mehrheit der Unternehmen verteilen gute und befriedigende Konjunkturnoten. Davon profitieren sowohl Industrie, Handel und Gastronomie als auch Handwerk. Dieses ist das Ergebnis der gemeinsamen Pressekonferenz der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK), der Kreishandwerkerschaft Paderborn Lippe (KH) und der drei Wirtschaftsverbände: Arbeitgeberverband Lippe, DEHOGA Lippe, Handelsverband Ostwestfalen-Lippe.

Die Wirtschaftsvertreter geben ein klares Signal an die Bundespolitik, die Energiewende so zu gestalten, dass die Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit behält. Heute zahlen deutsche Unternehmen die höchsten Strompreise in Europa. Dies führt zu Wettbewerbsnachteilen. Auch der Rente mit 63 erteilen sie eine Absage. Der erneute Griff in die Rentenkassen führt nach der Meinung der Wirtschaft zu einer weiteren Benachteiligung der jungen Generation.

An die Landesregierung richtet sich der Appell, den Entwurf des neuen Landesentwicklungsplanes (LEP) so zu gestalten, dass auch zukünftig eine wirtschaftliche Entwicklung insbesondere in kleineren Städten und Gemeinden möglich ist.

Ernst-Michael Hasse, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold:

Die lippische Wirtschaft ist erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Die konjunkturelle Belebung im ersten Quartal bietet die Chance, in 2014 den Wachstumskurs fortsetzen zu können. Ein gutes Auftragspolster und ein zum Teil lebhafter Auftragseingang lässt die lippischen Unternehmen positiv auf die Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten blicken. Die Kapazitäten sind gut ausgelastet. "Der IHK-Konjunkturklimaindex kletterte deutlich von 122,1 auf 126,2 Punkte", freut sich Hasse.
Fast jedes zweite Unternehmen bewerte seine gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit gut. Die lippischen Unternehmen investieren ständig in neue Produkte und bauen den Vertrieb aus. Innovationen seien der Schlüssel, um erfolgreich sowohl im Inland als auch auf ausländischen Märkten unterwegs zu sein. Schlechte Konjunkturnoten verteile nur ein Achtel der Unternehmen.
"Der Blick in die Zukunft ist bei jedem vierten Unternehmen optimistisch", ergänzt Hasse. Rund ein Achtel blicke pessimistisch auf die Entwicklung in diesem Jahr. Die politisch instabile Lage in der Ukraine bilde zurzeit die Schattenseite der Konjunktur.
Als weitere Risiken nennen die lippischen Unternehmen Billigimporte aus Osteuropa und China, die den Absatz der heimischen Wirtschaft beeinträchtigen. Die Arbeitskosten zögen ebenfalls weiter an. Steigende Kosten könnten jedoch nur bedingt auf die Kunden abgewälzt werden, da der Druck auf die Preise groß ist, warnt Hasse.
Die Investitionsneigung bewege sich auf hohem Niveau. Die Beschäftigungspläne hätten sich verbessert. Knapp ein Fünftel der lippischen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung geben an, in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen zu wollen. Das sei ein gutes Signal für eine weitere wirtschaftliche Belebung.

Professor Dr. Gunther Olesch, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Lippe:

Prof. Olesch ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Industrie im abgelaufenen Jahr zufrieden. Die Industrieumsätze in Lippe lagen 2013 etwas über dem Niveau des Vorjahres. Allerdings gaben die Daten aus der Möbel- und Kunststoffindustrie insbesondere wegen der anhaltend unzureichenden Gewinnsituation auch Anlass zur Besorgnis.
Nahezu die Hälfte des lippischen Industrieumsatzes werde inzwischen im Ausland, viel davon im europäischen Ausland erzielt. Nur in und mit Europa könne die lippische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb mit den großen Märkten in Amerika oder Asien Schritt halten. Ein Rückfall in nationalstaatliches Denken wäre für die Idee Europa und die Wettbewerbsfähigkeit verheerend. Deshalb dürfen vereinzelte Rufe nach einer Begrenzung der europaweiten unternehmerischen Betätigungsfreiheit oder der Beschränkung der Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit der Menschen im europäischen Wirtschaftsraum nicht auf fruchtbaren Boden fallen, warnt Olesch.
Lippe stehe überregional verstärkt im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. "Wir müssen den Fachkräften, die zu uns kommen wollen, ein angenehmes Wohn- und Arbeitsumfeld bieten", betont Olesch. Dies sei nicht nur eine Herausforderung für die hier ansässigen Unternehmen. Aus- und Weiterbildung, duale Studiengänge, Förderung von Frauen, flexible Arbeitszeiten, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Freizeitangebote seien weitere Themen, die die Ortswahl entscheiden. "Wir müssen weitere attraktive Angebote machen können, um Menschen zum Kommen bzw. Bleiben zu bewegen", so Olesch weiter.

Alfred Lohoff, Präsident des DEHOGA Lippe:

Lohoff kann bei der Gastronomie und Hotellerie auf ein zufriedenstellendes Jahr 2013 zurückblicken. Der Umsatz der Hotels und Restaurants stieg insgesamt nominal um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verzeichnet das Gastgewerbe bereits das vierte Jahr in Folge ein Umsatzplus. "Erfreulich ist, dass von dem konstanten Wachstum auch der Arbeitsmarkt profitiert. Wir sind positiv gestimmt, dass diese gute Entwicklung für die Branche auch weiter anhalten wird."
Das Gastgewerbe erweist sich innerhalb der Tourismuswirtschaft weiterhin als Wachstums- und Jobmotor. Die Gastronomie erzielte im vergangenen Jahr ein nominales Umsatzplus von 1,4 Prozent. Die Beherbergungsbetriebe lagen bei einem Umsatzplus von 0,9 Prozent.
Der Deutschlandtourismus wachse auch Dank der Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Beherbergungsleistungen seit 2011 kontinuierlich. Der Spielraum durch die Mehrwertsteuerreduzierung von 19 auf 7 Prozent habe dazu geführt, dass viele, gerade auch lippische Betriebe, in längst überfällige Neuanschaffungen und Modernisierungen investieren konnten.
Im Kreis Lippe ist die Zahl der Übernachtungen 2013 leicht gestiegen. Die Statistik weist hier 1,58 Mio. Übernachtungen aus. Erfreulich ist, dass auch die Zahl der Gäste in Lippe mit 385.800 Ankünften leicht zunahm.
Die Gründe für die soliden Zahlen seien vielfältig: Ein stabiles Konsumklima, die wachsende Reiselust der Gäste und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis seien beispielhaft zu nennen.
Als Herausforderungen für die Branche stehen unter anderem steigende Energie- und Lebensmittelpreise, aber auch viele politische Projekte im Fokus: "Unser Wunsch an die politisch Verantwortlichen bleibt, das Gastgewerbe nicht mit starren Regulierungen zu überziehen", ergänzt Lohoff.
Völlig überflüssig seien beispielsweise das Nichtraucherschutzgesetz in NRW, das seit dem 1. Mai 2013 ein absolutes Rauchverbot eingeführt hat oder die beabsichtigte Einführung eines Lebensmittelkontrollbarometers.
Eine weitere Herausforderung für das Gastgewerbe ist und bleibe der Fachkräftemangel: "Zahlreiche Stellen in Gastronomie und Hotellerie können nicht besetzt werden. Deshalb sind auch unsere Betriebe schon heute dazu angehalten, sich zu einem Arbeitgeber "erster Wahl" für qualifizierte Mitarbeiter zu entwickeln", sagte Lohoff.

Detlev Niehaus, Mitglied im Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e.V. und im Lemgoer Ortsvorstand:

Niehaus teilt mit, dass der lippische Einzelhandel im Jahr 2013 nominal um 1,2 Prozent gewachsen ist. Für 2014 rechnet er in Lippe ebenfalls mit einem nominalen Umsatzplus. Preisbereinigt werde allerdings bestenfalls das Ergebnis des Vorjahres erreicht werden.
Damit setze sich der jahrelange Trend im Einzelhandel fort, der von leichtem nominellem Wachstum, aber von realer Stagnation geprägt sei. Der Zuwachs falle je nach Branche sehr unterschiedlich aus. So habe es der stationäre Handel trotz günstiger Rahmenbedingungen (steigende Einkommen, sinkende Sparquoten, niedriges Zinsniveau) in einem vom Online-Handel getriebenen Strukturwandel schwer. Bei jährlich zweistelligen Zuwachsraten im Online-Handel (2013: 12 Prozent) merken es insbesondere die Händler, bei denen der Online-Anteil am Gesamtbranchenumsatz besonders hoch sei. Dies seien die Sortimente, die auch vornehmlich in den Innenstädten zu finden seien wie Bekleidung, Schuhe, Bücher und Spielwaren.
Der Kunde stimme allerdings selbst mit den Füßen bzw. mit dem Bestellbutton im Internet ab. "Wird sich dieser Trend wie in der Vergangenheit fortsetzen, wird es zu einer deutlichen Zunahme von Geschäftsaufgaben, insbesondere im inhabergeführten Einzelhandel kommen", ist sich Niehaus sicher. Die Folgen seien schon jetzt in vielen Städten sichtbar, wo der individuelle Fachhandel aus den Innenstädten verdrängt werde und Filialisten das Angebotsspektrum dominieren. So würden Innenstädte auf Dauer immer austauschbarer und langweiliger. Dennoch habe der stationäre Einzelhandel in den lippischen Städten auch gute Perspektiven. "In Zeiten zunehmender Anonymität, Vereinsamung und Kommunikation über die reine Technik haben wir als inhabergeführter Einzelhandel die Chance, mit unserem persönlichen Kontakt zu den Kunden unsere Stärken auszuspielen." Hier hätten kleinere Einkaufsstädte in Lippe, wo man sich in der Regel sogar persönlich kennt, gegenüber den anonymen Großstädten und d em Internet deutliche Vorteile. Viele Kunden handeln deshalb schon jetzt nach dem Motto "Hier lebe ich, hier kaufe ich ein" und tragen damit schon heute zum langfristigen Erhalt ihrer jeweiligen Einkaufssituation vor Ort bei.

Gerd Töpper, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe:

Das regionale Handwerk beschäftigt insbesondere der demographische Wandel. "Die Fachkräfteproblematik ist mittlerweile angekommen. Zunehmend erfahren wir, dass unsere Betriebe keine oder zu wenig Auszubildende und Fachkräfte erhalten", so Töpper. Das Handwerk müsse daher in Zukunft noch viel stärker in die Nachwuchswerbung investieren. Gerade dabei wolle die Kreishandwerkerschaft behilflich sein.
Des Weiteren nahm Töpper Stellung zum Tariftreue- und Vergabegesetz NRW aus dem Jahre 2012 und der dazu ergangenen Verordnung. "Das Gesetz stellt nicht nur Unternehmen, sondern auch die Kommunen bei der Auftragsvergabe vor große Schwierigkeiten - verbunden mit erheblichen finanziellen Belastungen". Das Handwerk sei betroffen. Anders als größere Industrieunternehmen hätten die meisten Handwerksbetriebe weniger Kapazitäten, um sich mit den umfangreichen Vergaberegeln zu beschäftigen.
Die Landesregierung habe seinerzeit die Missbilligung aus den Reihen der Unternehmerschaft, der Kommunen und Verbände in den Wind geschlagen und neben dem Gesetz auch noch eine "verschärfende" Verordnung auf den Weg gebracht. "Jede Ausschreibung wird somit nun zum bürokratischen Monstrum für unsere Betriebe. Kein Wunder, dass sich viele Firmen an öffentlichen Ausschreibungen erst gar nicht mehr beteiligen", so Töpper. Ein enormer Bürokratieaufwand, kaum zu leistende Nachweise und praxisferne Regelungen seien die nachvollziehbaren Gründe dafür.

(Redaktion)


 


 

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