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Elite-Entwicklung

Ist Bildung bald ein Luxusgut? Wirtschaftsjunioren diskutieren mit Experten die Elite-Entwicklung in Deutschland

Können Eltern ihren Kindern nur noch dann eine berufliche Karriere sichern, wenn Sie Ihren Nachwuchs auf Privatschulen schicken? Hat das Bildungssystem der staatlichen Schulen versagt? Was müssten Staat, Wirtschaft, Schule und Gesellschaft tun, um die aktuelle Situation zu verbessern? Diese Fragen stellten sich Bildungsexperten und Vertreter der Wirtschaft, die sich auf Einladung des Arbeitskreises Bildung und Wirtschaft der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter zum traditionellen Kamingespräch am Donnerstag, 13. November 2008, im S-Info-Center der Sparkasse, zusammengefunden hatten.

Zu Beginn der Veranstaltung präsentierten Michael Meister (Internatsleiter) und Jens Rosenbrück (Schüler der Jahrgangsstufe 11) von Schloss Salem das Konzept der Privatschule und des größten Internats in Deutschland. „In Euch steckt mehr“ ist das Motto der Schule und das beinhaltet konkret die Förderung und Forderung der Schüler auf verschiedenen Ebenen. Nicht nur die schulischen Leistungen stehen im Vordergrund, auch Sport, Musik und ehrenamtliche Aktivitäten gehören zum festen Programm. Michael Meister berichtet, dass die Eltern neuer Schülern von Schloss Salem vor allem den häufigen Unterrichtsausfall, das Desinteresse der Lehrer und die daraus resultierende Unlust der Schüler am Lernen bemängeln. Sowohl Meister als auch Rosenbrück sehen Schloss Salem, trotz eines Schulgeldes von rund 30.000 Euro pro Jahr, nicht als Eliteschule. So versteht Meister unter Elite die Menschen, die besondere Fähigkeiten haben, seien es intellektuelle, sportliche oder auch moralische. Wolfgang Daum, ehemaliger Ausbilder für Lehramtsanwärter am Dortmunder Hochschuldidaktischen Zentrum ist überzeugt: „Alle Menschen werden als Originale geboren und sie sterben als Kopie.“ Seiner Meinung nach schlummern viele Fähigkeiten in den Schülern. Diese würden allerdings im Schulalltag nicht gefördert. Er beklagt das deutsche Schulsystem, weil es größtenteils um die Vermittlung von Stoff und das Pauken von Wissen geht. „Die Leistung der Schüler liegt größtenteils in der Reproduktion von Wissen und nicht in eigenständigem Denken. So kann sich keine Elite entwickeln“.

Welche Erfahrungen Unternehmen machen, die Schüler und Hochschulabsolventen einstellen, berichtete Kurt Reichert. Er ist Leiter der Ausbildung und Hochschulkontakte bei Wincor Nixdorf: „Wir stellen bei der Entfaltung der weichen Faktoren der Persönlichkeitsentwicklung keine Verbesserung fest. Auch ist die Ausbildung der Hochschulen zu theoretisch. Jemand, der an einer Universität zur Elite – also zur Auswahl der Besten – gehört, scheitert oft an der täglichen Arbeit in der Praxis. Für uns ist der passgenaue Mitarbeiter für eine Stelle wichtig. Das Stichwort Elite spielt bei uns keine Rolle“. Das Qualitätsbewusstsein an Hochschulen stellte Michael Franke (Gesamtvorsitzender des Asta der Hochschule OWL) in Frage: „ Professoren sind Dienstleister. Ihre Aufgabe ist es, den Studenten etwas beizubringen. Diese ureigene Aufgabe haben viele nicht verstanden“.

In Köpfe investieren

Zur Frage, ob Bildung zu einem Luxusgut wird, das sich bald niemand mehr leisten kann, waren sich die Teilnehmer einig. „Wir haben in Deutschland keine nennenswerten Rohstoffe. Wir haben nur Köpfe. Und in die müssen wir investieren.“ Auch Peter Kleine, Leiter des Gymnasiums St. Xaver in Bad Driburg sieht das so: „Die Eltern der Salem-Schüler investieren in die Bildung ihrer Kinder. Sie haben den Wert von Bildung erkannt. Auch St. Xaver profitiert von dem guten Ruf, den die Absolventen des Gymnasium in die Öffentlichkeit tragen.“

Ein gutes Fundament für alle Schüler forderten die Podiumsteilnehmer. „Nur mit einer guten Basis, ist die Förderung aller Kinder auch in späteren Jahren möglich“, so Daum. „Die deutsche Bildungslandschaft ist ein Tanker, der lange Zeit in die falsche Richtung gefahren ist. Ein Richtungswechsel dauert jetzt lange“, ist Michael Meister überzeugt. So bemängelten die Podiumsteilnehmer, das in Deutschland 2 Prozent weniger in Bildung investiert wird, als in anderen europäischen Ländern. Gleichzeitig gibt es einen riesigen Nachhilfemarkt, weil der Schulbesuch alleine heute nicht mehr ausreicht, um die Abschlüsse zu schaffen.

Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung:
Frauke Grunwald
gausemeierPR – Public Relations Agentur
Telefon: 05251 – 699 88-0
Email: [email protected]

(Redaktion)


 


 

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