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Interview

Karl-Theodor zu Guttenberg: Mit Tatkraft und Ideen aus der Krise

Seit gut drei Wochen ist der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Amt – angesichts der Wirtschaftskrise kein leichter Posten. Jeden Tag steht der gebürtige Franke vor neuen Herausforderungen. Die Diskussion um Staatshilfen für Unternehmen ist da nur ein Beispiel. Dennoch sieht zu Guttenberg optimistisch in die Zukunft. Mit Mittelfranken.business-on.de sprach er über die Stärken Frankens, die Krise, ihre Auswirkungen aber auch über deren Chancen.

Mittelfranken.business-on.de: Sie sind gebürtiger Franke und stolz auf ihre Heimat. Was sind die Stärken und die Schwächen Frankens?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Frankens Stärke ist zum einen seine Vielfalt. Das gilt einmal ganz offensichtlich für die Landschaft. Das liebliche Maintal einerseits und die schroffen Mittelgebirge im östlichen Oberfranken sind kaum zu vergleichen. Ähnliches gilt für den kulturell-religiösen Hintergrund. Während das westliche Franken erzbischöflich-katholisch geprägt ist, hat der Osten eher einen protestantischen Hintergrund.
Zum andern sind Franken höchst fleißige, mit beiden Beinen im Leben stehende Menschen, die es gewohnt sind, selbst anzupacken und ihres eigenen Glückes Schmied zu sein. Schwächen zu finden, fällt mir ehrlich gesagt schwer. Die größte Schwäche der Franken ist wahrscheinlich ihre Bescheidenheit, dass sie ihr Licht viel zu oft und völlig ungerechtfertigt unter den Scheffel stellen.

Mittelfranken.business-on.de: In Ihrer Rede am vergangenen Samstag in Münchberg (wir berichteten) haben Sie die Wirtschaftskrise als Bewährungsprobe, aber zugleich auch als Chance bezeichnet. Wovon können mittelständische Unternehmen jetzt in der Krise profitieren?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Die Wirtschafts- und Finanzkrise stellt das ganze Land vor eine ungeheure Herausforderung. Die Menschen in Deutschland haben aber schon mehrfach bewiesen, dass sie mit Tatkraft und guten Ideen auch schwierige Situationen meistern können. Auf diese Stärken können und müssen wir setzen, damit Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht. Deshalb hat die Bundesregierung in ihren beiden Konjunkturpaketen vor allem den innovativen Mittelstand in den Fokus gestellt. Die kleinen und mittleren Unternehmen werden sowohl von den öffentlichen Investitionen in Bildung und Infrastruktur als auch von den Steuer- und Abgabensenkungen direkt profitieren. Mit dem Sonderprogramm der KfW und dem 100 Milliarden starken Rettungsschirm sichern wir darüber hinaus die zuletzt oft schwierige Versorgung von Teilen des Mittelstandes mit Krediten.

Mittelfranken.business-on.de:  Sie sprachen davon, dass ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen erfordern: Was heißt das konkret für Politik und Wirtschaft?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Wir stecken mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für ideologische Grabenkämpfe und wirtschaftspolitische Dogmen. Stattdessen sind nüchterne Analysen und pragmatische Lösungen gefragt. Deshalb dürfen wir uns in dieser absoluten Ausnahmesituation auch unkonventionellen Wegen nicht verschließen. Ganz wichtig ist aber, dass wir nach Beendigung der Krise so schnell wie möglich auf den ordnungspolitischen Kurs der Tugend zurückkehren. Darum trete ich für enge Befristungen ein.

So müsse zum Beispiel die Staatsverschuldung schnellst möglich eingedämmt werden (Anmerkung der Redaktion).

Mittelfranken.business-on.de: Noch vor einem Monat haben wohl die Wenigsten damit gerechnet, dass Sie in Kürze Bundeswirtschaftsminister werden.
War die Wahl auch für Sie überraschend?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Natürlich habe ich das Amt des CSU-Generalsekretärs nicht mit dem Gedanken übernommen, kurze Zeit später Bundeswirtschaftsminister zu werden. Ich finde es aber selbstverständlich, die Arbeit zu machen, zu der man berufen wird und dabei bescheiden zu bleiben und Bodenhaftung zu bewahren. Deutschland braucht ein ordnungspolitisches Gewissen und das will ich gern sein.

Mittelfranken.business-on.de:  Wie war für Sie der Umzug von Franken nach Berlin?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Die Unterschiede zwischen Franken und Berlin sind natürlich gewaltig. Auf der einen Seite eine ländlich geprägte Region mit reizvoller Natur und liebenswerter Umwelt, auf der anderen Seite unsere pulsierende Hauptstadt. Meine Arbeit bringt es mit sich, dass ich beides genießen kann.

Mittelfranken.business-on.de:  Was sind Ihrer Meinung nach die zentralen Aufgaben eines Bundeswirtschaftsministers? Worauf kommt es jetzt in der Krise besonders an?

Karl-Theodor zu Guttenberg: In der Sozialen Marktwirtschaft werden Wohlstand und Werte nicht durch staatliche Planung und Interventionismus von oben, sondern durch Menschen und Märkte von unten geschaffen. Gerade das macht unsere Wirtschaftsordnung so erfolgreich. Doch auch Märkte brauchen Spielregeln. Meine zentrale Aufgabe als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie besteht darin, diese Spielregeln so zu gestalten, sodass sich die Leistung und Erfindungsgabe der Menschen so entfalten kann, dass sie im Wettbewerb zum Wohle aller wirkt. Gerade in der Krise kommt es daher entscheidend darauf an, sich nicht von den Stimmungen und Begehrlichkeiten einzelner Gruppen leiten zu lassen, sondern das Handeln am gesunden Menschenverstand auszurichten. Dafür braucht man einen kühlen Kopf und – ich will es nicht verhehlen – manchmal auch ein dickes Fell.

Mittelfranken.business-on.de:  Wer sind ihre Vorbilder, politisch wie auch privat?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Es gibt keine wirklichen Vorbilder, aber ich nehme gern unterschiedliche Impulse auf. Bei meiner Arbeit als Bundeswirtschaftsminister orientiere ich mich auch an Ludwig Erhardt. Das bedeutet, dass mir sehr bewusst ist, dass in allererster Linie die Unternehmen gefragt sind. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Das muss auch in dieser schwierigen wirtschaftlichen Zeit gelten.

 Mittelfranken.business-on.de:  Herr zu Guttenberg, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für die Beantwortung unserer Fragen genommen haben.

(Redaktion)


 


 

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