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Alle Kinder mitnehmen

Bielefelder Verein TABULA e. V. wirkt der Bildungsarmut von Kindern entgegen

Schulischer Leistungsdruck ist bei TABULA tabu

Die langjährige Didaktische Leiterin der bundesweit bekannten Bielefelder Laborschule (1988-2006) profitiert von ihren Kontakten zur Universität Bielefeld. Auf Initiative des ehemaligen Kanzlers und stellvertretenden TABULA-Vorsitzenden Karl Hermann Huvendick konnte eine Kooperation ausgehandelt werden, bei der sich im Rahmen von zwei Lehraufträgen jeweils 50 junge Leute – meist angehende Lehrer – zwei Semester lang mit einem Kind beschäftigen. Für jedes Kind soll es eine Art Bildungsentwurf für ein Jahr geben. Eine Win-win-Situation für beide Seiten. Auch für Annemarie von der Groeben persönlich: Sie ist jetzt 68 Jahre alt und will den Kontakt zu Jüngeren halten. „Mein Alterswerk“ nennt sie halbwegs ironisch ihr Engagement bei TABULA. Sie liebt ihren Beruf und findet es daher bedauerlich, dass viele Lehrerinnen und Lehrer zwar gerne weiter mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchten, nach dem offiziellen Abschied aus dem Schuldienst aber nichts mehr mit dem System Schule zu tun haben wollen.

Die Bielefelder Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) hat auf ihrem Gelände das Haus „Alte Messe“ als Treffpunkt und Versammlungsort für TABULA zur Verfügung gestellt. Mit Unterstützung der Bielefelder Familie-Osthushenrich-Stiftung wurde zusätzlich eine Wohnung angemietet. Die Teilnahme der Kinder an sämtlichen Angeboten ist freiwillig. Den typischen Leistungsdruck der Schule soll es bei TABULA nicht geben. Die erfahrene Pädagogin Annemarie von der Groeben betont allerdings: „Alle sind eingeladen, aber wer kommt, muss auch dranbleiben.“

Annemarie von der Groeben ist Realistin. „Bei vielen Kindern und Jugendlichen werden wir auf eine harte Geduldsprobe gestellt, sie sind nicht alle pflegeleicht. Und Dankbarkeit darf niemand erwarten.“ Dafür das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. „Wir müssen uns auch vor einer Haltung der besserwissenden und mehrkönnenden Erwachsenen hüten. Vielmehr müssen wir vermitteln: Wir brauchen Euch, denn Ihr seid unsere Zukunft.“

Bildung als Auftrag für die ganze Gesellschaft

Die Schulen allein sind längst nicht mehr in der Lage, die vielfältigen Aufgaben zu lösen, die die Gesellschaft ihnen aufbürdet. Davon ist Anja Böllhoff überzeugt. Die Vorsitzende der Bielefelder Bürgerstiftung unterstützt TABULA, wo es geht und will alle Kinder mitnehmen: „Wir müssen die wachsende Ungleichheit bei den Startchancen der Kinder in den Griff bekommen. Das ist aber eine Aufgabe, die uns alle angeht – Schulen sind nicht dazu da, Ungleichheiten auszubügeln, die aufgrund familiärer Situationen entstehen. Deshalb versuchen wir, die Lehrkräfte zu entlasten und zusätzliche Unterstützung für Kinder zu organisieren, die zu Hause keine Hilfe haben.“

TABULA und die vielen anderen Aktivitäten der Bielefelder Bürgerstiftung für Kinder haben einen hohen Anspruch: Die Organisation von Bildung als Auftrag für die ganze Gesellschaft. Bildung wird nicht nur im Unterricht vermittelt, sondern zuallererst im Leben, durch unmittelbare Erfahrung. Dahinter steht die Idee von der sinnvollen Vernetzung vieler Akteure in der Großstadt: Kinderschutzbund, Sportbund, Arbeiterwohlfahrt, Mädchentreff, diverse Stiftungen und viele weitere Einrichtungen, die vom bürgerschaftlichen Engagement leben. So könnte durch die Aktivitäten der Bielefelder Bürgerstiftung die Keimzelle eines neuartigen Bildungsbündnisses entstehen.

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung begleitet das Projekt „Alle Kinder mitnehmen“ interessiert. Mit Universität und Fachhochschule Bielefeld ist eine Evaluation verabredet, um die Arbeit auch wissenschaftlich seriös zu begleiten. „Kinder brauchen, um unter guten Bedingungen aufwachsen und lernen zu können, vor allem viel Zeit und Zuwendung von Erwachsenen. Sie brauchen herausfordernde Lerngelegenheiten, Anregungen und spannende Erfahrungen“, fasst Annemarie von der Groeben zusammen. Dafür steht auch der Name TABULA. Das lateinische Wort für „Tafel“ und „Tisch“ erinnert an Schule und Übung, aber auch daran, dass der Bildungstisch eine reich gedeckte Tafel sein soll, die bekömmliche Nahrung, individuellen Genuss und gesellige Kultur bereit hält.

(Redaktion)


 


 

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