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Die Sehnsucht der armen Kinder

Kindheitsforscherin Prof. Dr. Sabine Andresen nimmt Kinder als Experten ernst

Im Frühjahr 2010 erscheint „Das Elternbuch“ im Beltz Verlag

Die Bielefelder Forscherin arbeitet derweil parallel an einem anderen Großprojekt. In Kooperation mit dem Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik und Claus Koch vom Beltz Verlag wird sie im Frühjahr 2010 im Beltz Verlag „Das Elternbuch“ herausgeben. Für das ehrgeizige Projekt, das auf wissenschaftlicher Grundlage konkrete Handlungsempfehlungen vom Säugling bis zur Jugendphase geben soll, konnten die Herausgeber Fachbeiträge aus ganz Deutschland akquirieren.

Das Buch soll auch eine Antwort sein auf aktuelle Bestseller wie „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ oder „Tyrannen müssen nicht sein“ des Bonner Kinderpsychiaters Michael Winterhoff. Die Talkshows sind zudem seit einiger Zeit voll mit Diskussionen über das Buch „Lob der Disziplin“, in dem der frühere Leiter des Internats Salem, Bernhard Bueb, ein schlagzeilenträchtiges Plädoyer für eine strenge Erziehung auf Basis konservativer Werte hält. Aus Sicht von Andresen und Brumlik eine Form der Autoritätsgläubigkeit und des Untertanengeistes vergangener Zeiten.

„Uns geht es um Zugewandtheit, Respekt, Liebe , Anerkennung und die Bedürfnisse der Kinder“, postuliert Sabine Andresen, die die heutige „Dramatisierung von Erziehung und Familie“ kritisiert und das Vorführen und Demütigen von Kindern in Sendungen wie der „Super Nanny“ schlicht „schrecklich“ findet. Gleichwohl hat sie Verständnis für die vielen Eltern, die nach Patentlösungen suchen. Denn viele sind zutiefst verunsichert – eine Situation, die historisch betrachtet recht typisch ist für Krisenzeiten, in denen die öffentliche Besinnung auf Familie und Erziehung zelebriert wird. Dazu passt für Andresen der „antifeministische Affekt“ der derzeitigen Diskussion: „Warum fragen wir nicht, warum Männer den Beruf der Erzieher nicht lukrativ genug finden und wir deshalb fast nur Lehrerinnen in den Grundschulen haben? Was sagt das über unsere Gesellschaft? Und: Haben Erzieherinnen, nur weil sie Frauen sind, nicht die nötige fachliche Kompetenz, um richtig mit Jungen umzugehen?“

In Talkshows wird man die Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft selten sehen. Die Wissenschaftlerin, Jahrgang 1966, hält das TV-Format in der Regel nicht für geeignet, um zu komplexen Erziehungsfragen ausgewogene Stellungnahmen geben zu können. Gleichwohl ist sie gerade in Vorwahlzeiten eine gefragte Rednerin oder Teilnehmerin bei Podiumsdiskussionen: „Solche Einladungen nehme ich gerne an, wenn es die Zeit erlaubt. Bundesweit leben mehr als 2,5 Millionen Minderjährige unterhalb der Armutsgrenze. Unsere Kinder, speziell die ärmsten, haben es verdient, dass wir Wissenschaftler auf ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte aufmerksam machen.“

(Redaktion)


 


 

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