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  • 23.09.2015, 10:51 Uhr
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  • Berlin
KONJUNKTUR

DIW-Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs

Wirtschaftsleistung in Deutschland steigt 2015 um 1,8 Prozent und 2016 um 1,9 Prozent – Euroraum erholt sich weiter – Schwellenländer schwächeln – Öffentliche Kassen trotz der Herausforderungen durch steigende Flüchtlingszahlen gut gefüllt

Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs, obwohl das Fahrwasser unruhiger wird: Die Konjunkturforscherinnen und Konjunkturforscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) prognostizieren für dieses Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent und für das kommende Jahr um 1,9 Prozent. Damit halten sie an ihrer Prognose vom Juni fest. Allerdings betonen sie, dass die Risiken nicht weniger werden – ganz im Gegenteil: Im Euroraum kämpfen nach wie vor viele Länder mit einer hohen privaten und öffentlichen Verschuldung, Problemen im Bankensektor und mit einer hohen Arbeitslosigkeit. In China und anderen Schwellenländern ist das Wachstum fragil. Dies gilt umso mehr, als im Zuge der bevorstehenden US-Zinswende vermehrt Kapital aus den Schwellenländern abfließen könnte, was deren konjunkturelle Dynamik möglicherweise zusätzlich dämpft.

Obwohl das weltwirtschaftliche Umfeld insgesamt also besser sein könnte, läuft der deutsche Außenhandel nach wie vor gut, auch wenn er vor allem im nächsten Jahr nur wenig zum Wachstum beitragen dürfte. Dies liegt allerdings nicht an Problemen bei den Exporten, sondern an den kräftig steigenden Importen aufgrund der Binnennachfrage. Diese bleibt die Konjunkturstütze – nicht zuletzt aufgrund des privaten Konsums, der dank der guten Arbeitsmarktlage und der geringen Preissteigerungen weiter zulegt. Auch die Konsumnachfrage der nach Deutschland geflohenen Menschen wird sich bemerkbar machen. Infolge der steigenden Flüchtlingszahl werden die Ausgaben von Bund, Ländern und Kommunen zwar steigen – dennoch werden die öffentlichen Haushalte in beiden Jahren mit hohen Überschüssen abschließen.

Euroraum: Stimmung hellt sich auf

Die Wirtschaft im Euroraum erholt sich weiter, vor allem dank des günstigen Umfelds: Der Außenwert des Euro ist schwächer als noch vor einem Jahr, der Ölpreis niedrig, die Geldpolitik sehr expansiv, und die Wirtschaft wichtiger Handelspartner wie der USA und des Vereinigten Königreichs wächst kräftig. Dementsprechend stützt der Außenhandel das Wachstum, von der allmählich steigenden Beschäftigung profitiert der Konsum. Die Investitionen sind im zweiten Quartal noch gesunken, allerdings hellt sich die Stimmung der Unternehmen auf, weshalb sie mehr Kredite für Investitionszwecke nachfragen. Obwohl Probleme, beispielsweise Arbeitslosigkeit und hohe öffentliche Verschuldung, in vielen Ländern weiter bestehen und auch die politische Zukunft Griechenlands angesichts der Neuwahlen unsicher bleibt, dürfte die Wirtschaft im Euroraum um 1,5 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr wachsen.

Deutsche Wirtschaft: Konsumnachfrage bleibt Wachstumstreiber

In Deutschland bleibt das Wachstum robust. Vor allem die Binnenkonjunktur präsentiert sich schwungvoll: Die Löhne steigen stärker als die Preise – die Inflation dürfte in diesem Jahr bei 0,4 Prozent und im kommenden Jahr bei 1,4 Prozent liegen. Das schiebt den Konsum merklich an. Die Unternehmen bleiben aber zurückhaltend, wenn es darum geht, wieder mehr zu investieren. Trotz der niedrigen Zinsen und zunehmend ausgelasteter Kapazitäten weiten sie ihre Ausrüstungsinvestitionen nur verhalten aus: Zwar laufen die Exporte trotz der schwächelnden Schwellenländer weiterhin gut, allerdings überwiegen die Unsicherheiten über die Entwicklung in wichtigen Absatzmärkten, allen voran in China und Russland sowie die Sorgen um die Zukunft des Euroraums.

Die Beschäftigung steigt derweil weiter und sorgt dafür, dass die Arbeitslosenquote in diesem Jahr erneut zurückgeht – auf 6,4 Prozent. Im kommenden Jahr wird sie auf diesem Niveau verbleiben, trotz der zunehmenden Zahl an Zuwanderern. So geht das DIW Berlin davon aus, dass  in diesem Jahr rund 50.000 Personen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind oder noch kommen, eine Beschäftigung suchen werden; im nächsten Jahr wären es gut 120.000 Personen. Unterstellt ist dabei, dass in beiden Jahren jeweils etwa 800.000 Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Trotz der erhöhten Belastung der öffentlichen Haushalte verbleiben unter dem Strich hohe Überschüsse: Sieht man von Einmalerlösen aus der Versteigerung von Mobilfunklizenzen ab, beläuft sich der Überschuss in diesem Jahr auf 18,5 Milliarden Euro und im nächsten Jahr auf knapp 20 Milliarden Euro; in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt liegt der Finanzierungssaldo in beiden Jahren bei 0,6 Prozent.

Marcel Fratzscher (Präsident des DIW Berlin): „Die deutsche Wirtschaft läuft nach wie vor gut, allerdings könnten einige Risiken den Horizont eintrüben. Das deutsche Wachstum ist zu einseitig, beruht zu sehr auf der Konsumnachfrage und zu wenig auf Investitionen. Die Risiken für Deutschland und Europa sind signifikant: Die Gefahr einer lang anhaltenden Wachstumsflaute in Europa ist sogar noch größer geworden. Viele Strukturreformen – auch in Deutschland – sind noch nicht umgesetzt, zentrale Probleme im Bankensektor noch ungelöst, die private und öffentliche Verschuldung und die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern des Euroraums hoch. Die bald zu erwartende Zinswende der US-Notenbank ist notwendig, könnte aber zu einer erhöhten Volatilität auf den Finanzmärkten führen, bis sich diese an die neue Medizin gewöhnt haben.“ Mehr dazu auf DIW Berlin 

(Redaktion)


 

 

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