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Figurenbauer Norman Schneider

Berühmter Frosch aus Bielefeld

Hauptdarsteller aus Max-Raabe-Video von Figurenbauer Norman Schneider gefertigt / Einblicke in sein Atelier

Traurig läuft Herr Grün durch die Straßen von Berlin. Wo der einsame Frosch auch hinsieht, um ihn herum küssen sich verliebte Paare. In dem Video von Musiker Max Raabe „Küssen kann man nicht alleine“ spielt Herr Grün die Hauptrolle. Die Klappmaulfigur hat Norman Schneider in seiner Puppen-Werkstatt in Bielefeld gebaut und sie bei den Dreharbeiten auch gespielt.

Norman Schneider ist Puppenbauer aus Leidenschaft. Umso mehr freut den 38-Jährigen, dass sein Frosch mittlerweile populär ist. Im Internet hat dieser sogar eine eigene Facebook-Seite. Vergleiche mit Kermit aus Jim Hensons Muppet-Show hört der Bielefelder nicht so gerne. Schließlich hat er Herrn Grün in rund 70 Arbeitsstunden im eigenen Stil erschaffen. Bereits im Alter von fünf Jahren hat Norman Schneider seine Vorliebe für Puppen entdeckt. Mit der Sesamstraße und der Augsburger Puppenkiste ist er groß geworden. „Ja, ich bin ein Muppet-Kind“, sagt er. Und tatsächlich ist Norman Schneider heute regelmäßig für die Jim Henson Company in New York tätig. Mit einem dreimonatigen Praktikum vor vier Jahren fing die Zusammenarbeit an. Heute baut er in der Muppet-Werkstatt hin und wieder als freier Mitarbeiter an Puppen mit. „Das ist eine große Ehre für mich“, sagt der Bielefelder.

Bevor Norman Schneider begann, Figuren zu kreieren und zu bauen, machte er eine Ausbildung zum Puppenspieler bei der Niekamp Theater Company in Bielefeld. Vier Jahre blieb er anschließend dort als Ensemblepuppenspieler. Die Puppen nur zu spielen, reichte ihm irgendwann nicht mehr. Er wollte eigene Charaktere entwickeln. Seit 2000 betreibt er als freischaffender Figurenbildner sein Bielefelder Atelier. Neben sehr viel Kreativität erfordert sein Traumberuf viele Talente. „Schneider, Frisör, Zeichner – der Figurenbauer macht alles“, sagt der 38-Jährige. An seinen Puppen ist jedes Detail handgemacht. Nach einer ersten Skizze folgt die genaue Planung der Figur. Ob Monster, Hase oder Queen – in feinster Kleinarbeit werden die gewünschten Formen aus Schaumstoff erstellt. „Manches entsteht erst, wenn die Körperteile zusammenpassen“, sagt Schneider. „Puppen sind tückisch, sie gehen auch mal ihre eigenen Wege.“

Sind Körper, Gliedmaßen und der Kopf erstellt, werden die Formen mit unterschiedlichen Stoffen bezogen: Vliesstoff, Frottee, Leder und Latex – je nach Wunsch des Erscheinungsbildes. „Jede Figur ist ein Einzelstück – das hat stark etwas von Haute Couture“, sagt Norman Schneider. Die Zutaten gebe es nicht zu kaufen – selbst die Augen mache er selbst und bemale sie. Zu seinen bisher aufwändigsten Figuren zählt ein Igel, den er für eine Printkampagne entwickelt hat. „Dafür mussten 3.000 Igelstachel bemalt und patiniert werden – eine reine Fleißarbeit“, so Schneider. Ein Bild von dem Igel hängt gerahmt über seinem Arbeitsplatz und erinnert an 360 konzentrierte Arbeitsstunden. Auch der Märzhase aus „Alice im Wunderland“, der in einer holländischen Theaterproduktion spielte, hatte einen hohen Schwierigkeitsgrad. Mit Hilfe der Zahntechnik sollten verschiedene Gesichtsausdrücke zu zeigen sein. Zum Beispiel musste der Hase ekelig gucken können. Zurzeit modelliert Norman Schneider den Körper von Miss Marple. Die scharfsinnige Amateur-Detektivin wird ebenfalls auf holländischen Theaterbühnen zu sehen sein – im Tweed-Kostüm.

Ist der Figurenkörper geformt, muss das Kostüm maßgeschneidert werden. Bei Herrn Grün sei das Kostüm mit Weste, Manschettenhemd, Ohrenschützern und Schal relativ aufwändig gewesen, sagt der Bielefelder. Am Ende hat sich die Mühe gelohnt. Bei den Dreharbeiten zum Musikvideo verkörpert Herr Grün die Hauptrolle und Sänger Max Raabe ist in dem Clip nur wenige Sekunden zu sehen. Rund 30 Prozent seiner Puppen spielt der Bielefelder Figurenbauer für einen Werbespot, ein Foto-Shooting oder ein Musikvideo später selbst vor der Kamera. Schließlich kennt er die Bewegungsspielräume seiner Puppen wie kein anderer. Bei Eiseskälte begleitete Norman Schneider Herrn Grün auf seiner Suche nach einer Kuss-Partnerin in den Straßen von Berlin. „Der Dreh hat trotz Kälte viel Spaß gemacht“, so Schneider. Gefreut hat ihn, dass Produzentin Annette Humpe sich am Set persönlich für die Umsetzung des plüschigen Hauptdarstellers bedankt hat.

Weil er damals, als er sich selbstständig machte, nicht einschätzen konnte, wie das Geschäft des Figurenbaus laufen würde, hatte er sich zunächst ein Jahr zur Probe gegeben. Heute kann er sich vor Aufträgen kaum retten. Inzwischen fertigt er rund 70 Puppen pro Jahr und benötigt zeitweise Unterstützung von zwei Mitarbeitern. Der Druck sei häufig sehr groß, weil die Film- und Theaterproduktionen einen straffen Zeitplan vorgeben. Für Privatpersonen sind die Puppen, die bei einem Preis ab 1.000 Euro starten, oft zu teuer. Als Dozent für Figurenbau bietet Norman Schneider regelmäßig auf Hof Lebherz in Warmsen Workshops zum Selbermachen von Klappmaulfiguren an – mit Erfolg. „Der Puppen-Trend ist echt ein Phänomen“, sagt Schneider. Erst 2012 gibt es wieder freie Plätze für Nachwuchs-Figurenbauer.

Hier die Termine für Wochenendkurse: 23. bis 25. März, 21. bis 23. September und 26. bis 28. Oktober. Außerdem bietet Norman Schneider einen Wochenkursus vom 26. bis 30. März 2012 an.

(Redaktion)


 


 

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