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PISA-Studie

NRW vor neuer Debatte um Schulsystem

(ddp-nrw). Nordrhein-Westfalen steht nach dem im Vergleich der Bundesländer schlechten Abschneiden beim jüngsten PISA-Bildungstest vor einer neuen Debatte über das Schulsystem. Die SPD forderte nach Bekanntwerden der Ergebnisse am Dienstag die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) erwiderte, der Bildungserfolg eines Landes sei nicht abhängig von dessen Schulstruktur. Auch erlaube die Studie keine Rückschlüsse zu Fragen der Schulstruktur, sagte sie in Düsseldorf.

Beim jüngsten PISA-Bildungstest, bei dem es sich um eine innerdeutschen Ergänzungsstudie zum internationalen PISA-Test handelt, kam NRW nur auf eine hintere Platzierung. In den Naturwissenschaften belegten die Schüler des Landes den 14. Platz, in Mathematik den 13. Platz. Nur in der Kategorie Lesen konnte NRW mit dem achten Platz etwas besser abschneiden.

Barbara Sommer fordert eine Differenzierung der Ergebnisse

Sommer forderte eine Differenzierung der Ergebnisse und betonte, der «Abwärtstrend» aus den Zeiten der rot-grünen Landesregierung sei gestoppt. Im Vergleich der drei getesteten Disziplinen hätten die Schüler in den Jahren 2003 bis 2006 deutliche Leistungssteigerungen erreicht. Dies sei auch Ergebnis der seit 2005 von der Landesregierung in die Wege geleiteten Maßnahmen.

Dazu zählt die CDU die Einstellung von mehr als 7000 zusätzlichen Lehrern bis zum kommenden Jahr, die Fortsetzung des Ausbaus der Ganztagsschulen sowie die Verbesserung der Förderung von Zuwanderern. Künftig will NRW laut Sommer auch in anderen Bundesländern Lehrer anwerben und zugleich die beruflichen Anreize für die Pädagogen verbessern.

«Die soziale Schere geht in NRW wieder zusammen»

Vor allem bei Schülern aus Arbeiterfamilien hätten sich die Leistungen beim jüngsten PISA-Test spürbar verbessert, merkte Sommer an. Damit hätten sich zugleich die Leistungsunterschiede zwischen oberen und unteren Schichten verringert. «Die soziale Schere geht in NRW wieder zusammen». Dennoch sei das im Vergleich der Bundesländer unterdurchschnittliche Abschneiden «unerfreulich», räumte sie ein.

Die Ministerin sprach sich zugleich für einen regionalisierten Bildungsvergleich aus, um so Unterschiede im sozialen Gefüge eines Landes besser abzubilden. Während PISA-Sieger Sachsen nur einen Zuwandereranteil von weniger als drei Prozent habe, liege dieser allein im Ruhrgebiet bei bis zu 40 Prozent. «Ein fairer Vergleich von einzelnen Regionen lässt sich auf der Grundlage der PISA-Zahlen nicht treffen», kritisierte Sommer.

SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer forderte einen Verzicht auf Hauptschulen und plädierte für die Schaffung einer Gemeinschaftsschule, die allen Schülern gleiche Chancen eröffne. Das gegenwärtige Schulsystem sei nicht in der Lage, Kinder aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern ihren Potenzialen entsprechend zu fördern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte, die Ergebnisse der Studie beinhalteten große Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. «Sie sind Ursache für den kommenden Fachkräftemangel in NRW», sagte DGB-Landeschef Guntram Schneider. Er forderte, die staatlichen Bildungsausgaben in NRW um mindestens zehn Prozent zu erhöhen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW) zeigte sich von den PISA-Ergebnissen enttäuscht und forderte mehr Geld für die Bildung sowie zusätzliche Lehrer. Neben der Zergliederung des Schulsystems trage zur schwierigen Situation auch bei, dass die Fortbildung der Lehrkräfte praktisch zum Erliegen gekommen sei.

(Quelle: Sommer in Düsseldorf; alle anderen in Mitteilungen)

(Redaktion)


 


 

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