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Herbert Weber

Ostwestfalen-Lippe – eine starke Region

Ostwestfalen-Lippe galt lange Zeit als eher provinziell. Doch das entsprach schon früher nicht der Realität. Und heute kann davon erst recht nicht die Rede sein. Seit kurzem sorgt der nördlichste Teil von NRW mit der Initiative „Innovation und Wissen“ bundesweit für Aufmerksamkeit, nachdem er sich in den vergangenen Jahren als Modellregion für Bürokratieabbau profilieren konnte. Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL Marketing GmbH, erklärt im Gespräch mit business-on.de die Hintergründe.

business-on.de: Herr Weber, wer Ostwestfalen-Lippe nicht kennt, könnte vielleicht noch immer auf die Idee kommen, dass es sich dabei um eine ländliche, eher ein bisschen rückständige Gegend handelt. Was sagen Sie Menschen, die so etwas glauben?

Weber: Ich bezweifle, dass dieses Bild noch weit verbreitet ist. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Ostwestfalen-Lippe sehr viel zu bieten hat – und zwar in jeder Hinsicht. Allein der nüchterne Blick auf die Zahlen spricht für sich: Mit über zwei Millionen Menschen hat OWL mehr Einwohner als vier Bundesländer. Auch hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts ist die Region stärker als sechs Bundesländer und als neun Staaten der EU. Ostwestfalen-Lippe hat also allen Grund, selbstbewusst aufzutreten – und tut das ja auch.

business-on.de: Was zeichnet die Region besonders aus?

Weber: Ostwestfalen-Lippe ist ein sehr spannender und facettenreicher Wirtschafts- und Kulturraum. Die leistungsstarke Wirtschaft bietet Arbeitsplätze für rund 700.000 Menschen. Produkte und Dienstleistungen aus OWL sind auf den Märkten in der ganzen Welt zu finden. Teutoburger Wald, Wiehen- und Eggegebirge, die in Europa einzigeartige Sennelandschaft und reizvolle Flusslandschaften sind touristische Anziehungspunkte für Gäste aus Nah und Fern. An Museen, Theatern, Konzerten und anderen Kultur- und Freizeitangeboten mangelt es ebenfalls nicht. Auch sportlich ist OWL kein Niemandsland.

business-on.de: Ein Mensch, der nach Ostwestfalen-Lippe kommt, weil er hier zum Beispiel eine neue Stelle gefunden hat, muss also keine Angst haben, dass er versauert, weil außer Arbeit nichts geboten wird?

Weber: Genauso ist es. Er muss hier auf gar nichts verzichten.

business-on.de: Wie ist OWL wirtschaftlich aufgestellt – auch verglichen mit anderen Regionen in Deutschland? Würden Sie das bitte noch ein bisschen ausführlicher beschreiben?

"Prägend sind bei uns der Mittelstand und ein ausgewogener Branchenmix"

Weber: Ostwestfalen-Lippe gehört zu den stärksten Wirtschaftsregionen in Deutschland. Ein paar Zahlen habe ich dazu ja schon genannt. Prägend sind bei uns der Mittelstand und ein ausgewogener Branchenmix, in dem der Maschinanbau, die Möbelindustrie, die metallverarbeitende Industrie, die Elektroindustrie und das Ernährungsgewerbe besondere Bedeutung haben. Auch im Bereich der regenerativen Energien und der Energieeffizienz bringen Unternehmen aus OWL wegweisende Entwicklungen auf den Markt. Bedeutende Markenunternehmen und Global Player, aber auch zahlreiche Hidden Champions mit Marktführerschaften in ihren jeweiligen Segmenten sind bei uns zu Hause. Bekannte Unternehmen aus OWL sind Bertelsmann, Benteler, FSB, Gildemeister, Hettich, Melitta, Miele, Dr. Oetker, Schüco, Gerry Weber und Wincor Nixdorf, um nur einige Beispiele zu nennen. Als Modellregion für Bürokratieabbau ist OWL bundesweit Vorreiter.

business-on.de: Stichwort Bürokratieabbau: Auf dieses Thema haben Sie ja in den vergangenen Jahren besonders gesetzt. Was wurde erreicht?

Weber: Neben konkreten inhaltlichen Effekten, wie das im „Bürokratieabbaugesetz OWL“ festgelegte Aussetzen von Gesetzen und Vorschriften für OWL, haben wir als „Modellregion Bürokratieabbau“ einen Mentalitätswandel in vielen Verwaltungen erreichen können. Es ist deutlich mehr Wirtschaftsnähe enstanden. Das Projekt hat außerdem eine enorme bundesweite Aufmerksamkeits- und Imagewirkung gehabt. Am Beispiel Bürokratienabbau wir auch deutlich, worauf es im Regionalmarketing heute ankommt, nämlich permanent in Innovationskraft, Rahmenbedingungen und kulturelle Qualitäten der Region zu investieren, neue Entwicklungen anzustoßen, die hohen Aufmerksamkeitswert haben. Diesen Weg wollen wir mit unserem neuen Programm „Innovation und Wissen“ weitergehen.

business-on.de: Was steckt hinter diesem neuem Themenschwerpunkt?

Weber: Wir haben dazu eine Vision formuliert. Sie lautet: „Ostwestfalen-Lippe gehört zu den wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Regionen in Deutschland. Mit hoher Lebensqualität.“ In gemeinsamer Kraftanstrengung von Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft soll diese Vision Wirklichkeit werden. Ziel ist es, die Innovationskraft der Region, insbesondere der mittelständischen Unternehmen, zu stärken. Unter dem Leitthema „Leadership durch Intelligente Systeme“ werden beispielsweise Aktivitäten von Wirtschaft und Wissenschaft gebündelt. Insbesondere in der Vernetzung unterschiedlicher Technologien zu intelligenten Systemen ist OWL gut aufgestellt, wie sich etwa in der Automobilindustrie – Beispiel Kurvenlicht – oder in der Medizintechnik – Beispiel Herzhandy – zeigt. Zu den Leitprojekten gehört die Einrichtung von Anwendungs- und Kompetenzzentren als Public Private Partnership von Hochschulen und Unternehmen wie die „Zukunftsmeile Fürstenallee“ in Paderborn. Das Kerninstitut nimmt dort in diesem Jahr genauso seine Arbeit auf wie das Innovationszentrum Mechatronik. Auch an der Universität Bielefeld gibt es entsprechende Entwicklungen wie das Forschungsinstitut für Kognition und Robotik in Zusammenarbeit mit Honda sowie geplante Kooperationen in den Bereichen Biogas und Solarenergie. Mit der Initiative wollen wir eine Bewegung in der Region erzeugen. „Mit Leidenschaft für Innovation“ sollen Entwickler in den kleinen und mittelständischen Unternehmen, Wissenschaftler in den Hochschulen bis hin zu Schülerinnen und Schülern für die Initiative gewonnen werden. So entstehen neue intelligente Systeme – made in OWL.

business-on.de: Schlussfrage: Haben Sie eigentlich einen ganz persönlichen Lieblingsort in Ostwestfalen-Lippe?

Weber: Einer reicht mir nicht, da gibt es ganz viele. Das hängt ein bisschen davon ab, in welcher Stimmung ich mich gerade befinde. Es gibt tolle Gärten und Parks in der Region, in denen man abschalten und wieder auftanken kann. Aber manchmal zieht es mich auch zu belebteren Orten, zum Beispiel zur SchücoArena. Dort ist es natürlich dann am schönsten, wenn Arminia gewinnt.

(Redaktion)


 


 

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